Automarkt

Die kluge Wahl der Könner und Kenner

Von Jürgen Lewandowski

Elegante Geldanlage: Ferrari 250 GT von 1964

Elegante Geldanlage: Ferrari 250 GT von 1964

03. Januar 2007 Egal, was man sammelt, was man schätzt - es gibt immer noch irgendwo, gut versteckt und unentdeckt, eine Steigerung, einen Heiligen Gral, den man besitzen, schätzen, lieben möchte. Und so wie der Weinkenner von einem Stapel Mouton-Rothschild-Magnum-Flaschen - natürlich vom legendären Jahrgang 1982 - träumt und der Uhrensammler einer jungfräulichen, noch original verpackten Rolex Prince entgegenfiebert, so haben auch die Liebhaber schöner Autos ihre Wunschträume.

Doch man muß ehrlich sein - die Zeiten, in denen beim legendären Rob de la Rive Box in Villmergen bei Bern ein Ferrari 250 GTO für 8500 Dollar (das war 1971), oder ein Daytona 365 GTB/4 für 18.000 Mark zu haben war (das war 1976), sind lange vorbei. Doch es gibt noch immer ungehobene Schätze: etwa den Bentley Continental mit der Fahrgestellnummer BC31C, der am 17. März 1954 an Ihre Königliche Hoheit, die Prinzessin von Berar, ausgeliefert und 1986 in Evanston, Illinois, an einen Sammler in Arizona verkauft wurde - und seitdem verschwunden ist. Und es gibt auch ernstzunehmende Gerüchte, daß irgendwo in Rumänien der letzte verschollene Alfa Romeo 8C2900 in einem zugemauerten Stall lagern soll - seit Anfang der 40er Jahre!

Großserienautos lohnen nicht

Mobiles Renditeziel: Maserati Indy von 1974

Mobiles Renditeziel: Maserati Indy von 1974

Doch selbst wenn der Wagen auftauchen sollte: Er wäre für uns zu teuer - um Fahrzeuge dieses Kalibers kämpfen Männer wie Ralph Lauren oder Jay Leno. Was sollte man sich denn nun in die Garage stellen und gut ablagern? Letzteres bedeutet bei einem Auto eben nicht „im Dunkeln begraben“, sondern einer steten liebevollen Pflege unterziehen. Deshalb gleich die Warnung: Autos müssen laufen, am Leben gehalten werden. Ein Auto für 20 Jahre in eine Garagenecke zu stellen, aufzubocken und mit einer Plane abzudecken bedeutet eine Vollrestaurierung zu sündhaft teuren Preisen, denn die Ersatzteile sind nach 20 Jahren rar und ebenfalls teuer.

Mit dieser Erkenntnis wird auch sofort klar: Großserienautos von Großserienherstellern lohnen diese Form der Pflege und der späteren Restaurierung nicht, denn selbst ein rares Ford Granada S-Coupé mit 2,6-Liter-V6-Motor und 125 PS und Vinyldach der frühen 70er Jahre ist im perfekten Zustand selten mehr als 4000 Euro wert. Youngtimer dieser Art sind also wunderbar zum relativ sorgenfreien Fahren geeignet - aber sie werden nie beim Verkauf unser Alter finanziell versüßen.

Preistief ohne Hektik abwarten

Autos, in die man investieren sollte, sind deshalb stets von elitären Herstellern und in kleinen Stückzahlen gefertigt - schließlich lag der Mouton-Rothschild auch nie bei Aldi rum, um ihn mußte man damals wie heute kämpfen. Ähnlich ist es bei Automobilen: Jeder träumt von einem Ferrari, einem Aston Martin oder einem Lamborghini - vielleicht auch von einer Corvette; aber von ihr sind eigentlich zu viele gebaut worden. Und da die Männer, die diese Autos fahren, zumeist über so viel Geld verfügen, daß sie sich auch den nächsten neuen Maserati oder Bentley leisten können und wollen, landen diese Fahrzeuge dann in zweiter und dritter Hand, um dann irgendwann in einem finanziellen Tief zu enden, von dem aus sie nur teurer werden können.

Es ist also die hohe Kunst, dieses Tief ohne Hektik abzuwarten - und dann zuzuschlagen. Und so finden sich heute auf der Einkaufsliste für intelligente Autofahrer Modelle wie die Ferrari-328- und -400i- und -412-Modelle, der Aston Martin Virage, der Lamborghini Jarama, der Maserati Ghibli und der Merak. Wer es gern mit vier Plätzen hat, kann zu einem Lamborghini Espada oder einem Maserati Indy greifen - oder gleich in den Ledersesseln eines Bentley Turbo oder Rolls-Royce versinken. Und wer es sportlich liebt, sollte jetzt bei einem 911er der 70er Jahre zuschlagen. Die Preise der ersten S-Modelle beginnen gerade zu explodieren, die Carrera RS-Varianten hätte man vor drei Jahren noch deutlich günstiger bekommen.

Eheliche Disharmonie und Haushaltslöcher

All diese Modelle sind zu moderaten Preisen - die unter dem Gestehungspreis einer neuen Mercedes-E-Klasse oder eines gebrauchten Porsche 911 liegen - zu erwerben und bieten ein Vielfaches an Exklusivität, edlen Materialien und bestem Design gegenüber dem Angebot der Neuwagenhändler.

Spannender als ein Depot: Ferrari 365 GTB/4 von 1971

Spannender als ein Depot: Ferrari 365 GTB/4 von 1971

Sie können allerdings auch für ungewollte Aufregung, eheliche Disharmonie und beachtliche Haushaltslöcher sorgen, wenn man nicht ein paar Dinge beachtet: Erstens sind diese Fahrzeuge in liebevoller Handarbeit entstanden, entsprechend liebevoll wollen sie behandelt werden - wer glaubt, mit einem Maserati Bora einen Porsche jagen zu müssen, sollte für den Frevel auch die zwangsläufig daraus resultierenden Kosten übernehmen. Diese Autos wollen liebevoll warmgefahren und von entspannter Hand geführt werden. Und diese Gefährte kosten, wenn sie einmal technisch und karosseriemäßig verlottert sind, sehr viel Geld, um sie wieder alltagstauglich zu machen.

Vernünftige Unterhaltskosten und spektakuläres Aussehen

Es sollte also immer das beste Auto, das man sich leisten kann, gekauft werden - mit abgestempeltem Checkheft, mit einwandfreier Besitzerliste, mit allen Zulassungsbescheinigungen. Die gute Historie ist essentiell, denn mit einem gepflegten Oldtimer kann man viel und regelmäßig fahren - schließlich wurden sie damals auch alltäglich eingesetzt. Und außerdem kosten diese Modelle mit einem H-Kennzeichen bei der Steuer und Versicherung nur einen Bruchteil dessen, was für einen neuen Sport- oder Luxuswagen bezahlt werden muß.

Chic auch ohne Dach: Ferrari 365 GTB/4 Daytona von 1969

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Es gibt aber hin und wieder auch noch neue Modelle, die ein paar Jahre vom Trend abgehängt werden - so gab es beispielsweise in den frühen 90er Jahren den sehr eigenständigen Alfa Romeo S.Z. und dessen offene R.Z.-Version. Damals „Il Mostro“ getauft, entpuppte sich das in kleinen Stückzahlen gebaute Monster als phantastischer Straßen-Sportwagen, der mit Serien-Alfa-Technologie vernünftige Unterhaltskosten mit spektakulärem Aussehen vereinigte. Kostete das Coupé damals rund 65.000 Mark - der Roadster war doppelt so teuer -, so sind beide Fahrzeuge heute für etwa 25.000 Euro zu finden; da können sie nur noch teurer werden.

Interessante Alternative zum Neunhundertelfer

In den nächsten Jahren wird der Ferrari 456 langsam seinen Tiefpunkt erreichen, wie auch alle großen Mercedes-500- und -600-Coupés immer ein guter Tip für hohe Qualität verbunden mit immensen Laufleistungen sind. Und auch ein Jaguar XJ-S-Cabriolet wird nie mehr so billig sein wie jetzt. Und die ersten Maserati-3200-Coupés mit den sichelförmigen Bremsleuchten sollten auch auf jeder Wunschliste stehen.

Freude der Investmentbänker: Maserati Khamsin Coupé von 1977

Freude der Investmentbänker: Maserati Khamsin Coupé von 1977

Auch eine gute Wahl: Jedes der nur 1510 gebauten BMW-850CSi-Coupés oder ein gepflegter Renault Clio V6 mit Mittelmotor, breiten Backen und überreichlich Leistung. Oder: Jetzt anfangen zu sparen und in drei, vier Jahren ein Ferrari-550-Maranello-Coupé suchen - bei 3600 gebauten Fahrzeugen werden die Preise irgendwann sehr moderat sein. Und eine Zwölfzylinder-Berlinetta für dann 50.000 Euro ist doch eine interessante Alternative zu einem genauso teuren, aber alltäglichen Neunhundertelfer.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 31.12.2006, Nr. 52 / Seite V7
Bildmaterial: Bonhams London

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