Volvo C30

Mit Charakter und Anspruch

Kühler Charme des Nordens: Volvo C30

Kühler Charme des Nordens: Volvo C30

05. Oktober 2006 Mit dem neuen, jetzt erstmals für Probefahrten freigegebenen C30 läßt Volvo die halbe Produktionsmillion hinter sich. Wenn alles klappt, dann wollen die Schweden schon in naher Zukunft auf 600 000 Einheiten im Jahr kommen. Weitere Modelle (kleinerer Geländewagen, zusätzliche Varianten des C30) und Steigerungen sind fest eingeplant. Gleichzeitig will die zum Ford-Konzern zählende Marke ihr Charakterbild, das sich aus Individualität, Solidität und Sicherheit zusammensetzt, womöglich noch verstärken. Dazu kann der modern gezeichnete Typ C30 durchaus entscheidende Beiträge leisten.

Der C30 kommt noch in diesem Jahr auf den deutschen Markt. Er bietet vom Start weg eine große Motorenauswahl (fünf Benziner und drei Diesel), kommt mit Frontantrieb, mit fünf oder sechs Vorwärtsgängen, in drei Ausstattungsstufen und mit etlichen Positionen in der Sonderausstattungsliste, die zur Individualisierung (zum Beispiel mit satt klingenden Stereoanlagen) aufgeboten werden. Die Preise für die Versionen mit Benzin-Triebwerk beginnen bei 18.600 Euro und führen bis 28.500 Euro. Die Diesel-Varianten kosten 20.950 Euro bis 27.200 Euro.

Zitate aus der Volvo-Vergangenheit

Heck im Stile des Schneewittchensargs

Heck im Stile des Schneewittchensargs

Die ausschließlich mit steilem Heck, mit zwei Türen und Heckklappe sowie vier Sitzplätzen angebotene Kompaktlimousine teilt sich Technik-Komponenten mit dem Ford Focus. (Dieser wird wahrscheinlich in diesem Jahr das meistgefertigte Auto in Europa, ist also keine schlechte Basis.) Das Volvo-Design nimmt markentypische Elemente (Kühlergrill und breite Schultern) auf und verbindet es mit deutlichen Zitaten aus der Volvo-Vergangenheit (Heck im Stil des sogenannten Schneewittchensargs und des Typs 480), an die sich allerdings kaum mehr jemand erinnert. Aber der C30 kann durchaus für sich selbst stehen: Er fährt mit jenem kühlen Charme vor, auf den Menschen abfahren, die sich jenseits von VW Golf und Konsorten aufhalten wollen.

Von diesen trennt den Volvo ein gar nicht kleiner Unterschied: Er versucht nicht, mit räumlichen Qualitäten zu punkten. Auf einer Länge von 4,15 Meter werden vorne großzügige und hinten recht knapp dimensionierte Platzverhältnisse geboten. Der Kofferraum unter der steil stehenden und aus Glas gefertigten Klappe weist das Feriengepäck einer vierköpfigen Besatzung ab, öffnet sich aber bereitwillig den Ansprüchen eines gut equipierten Paares. Die Lehnen der beiden rückwärtigen Sitze kann man mit einem Handgriff nach vorne legen, es entsteht eine fast zwei Meter lange, ebene Ladefläche. Sie macht zudem durch eine wertvoll wirkende, stoffähnliche Verkleidung auf sich aufmerksam, und man kann sich hier sehr gut diese schlichten Alu-Köfferchen vorstellen.

Aufenthalt im Fond hat etwas Endgültiges

Während erster Probefahrten konnte besonders der Fünfzylinder-Turbo-Diesel mit 132 kW (180 PS) überzeugen. Die Maschine war mit dem neuen Automatikgetriebe kombiniert und reagierte ebenso spontan wie drehfreudig auf entsprechende Bewegungen des Akzelerators. Federn und Dämpfer sind sehr komfortabel ausgelegt, störend sind die lauten Abrollgeräusche und die nicht nur schwergängige, sondern auch unpersönlich wirkende Lenkung. Weniger gut machte sich die nach der Papierform stärkste Maschine: Der Turbo-Otto-Motor mit Niederdruckaufladung wirkte nicht so agil wie erwartet. Seine Leistung von 162 kW (220 PS) kommt beim Beschleunigen kaum zum Ausdruck, exakte Messungen waren uns noch nicht möglich, der C30 T soll immerhin 240 km/h erreichen. Und aus dem Stand in 6,7 Sekunden auf 100 km/h kommen.

Wenn Fahrer und Beifahrer ausgewachsene Mitteleuropäer sind, mutiert die Rücksitzbank am besten von Anfang an zum Kofferraum. Schon der Einstieg nach hinten ist eine schöne Aufgabe für Artisten, und der Aufenthalt im Fond hat etwas Endgültiges an sich, das man nicht gerne akzeptieren möchte.

Der Markt hat Volvo als Familienmarke definiert. Es scheint, als trügen die Schweden schwer an dieser Kennzeichnung. Mit dem C30 zielen sie jedenfalls auf den „Individualisten mit urbanem Lebensstil“. Als Konkurrenten haben sie sich den Einser von BMW, den Audi A3 und den Alfa 147 ausgesucht. Das sind alles sehr honorige Wettbewerber. Eben Autos mit Charakter und Anspruch, ganz wie der neue Volvo C30.

Text: F.A.Z., 02.10.2006, Nr. 229 / Seite T3
Bildmaterial: Hersteller

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