23. Februar 2008 Sport tut gut: Den Segen körperlicher Ertüchtigung benötigen mitunter nicht nur Unternehmer, sondern auch Unternehmen. Wenn sie dem Drang nach Bewegung folgen, hat das Gründe: Peugeot, die größere Marke neben Citroën im französischen PSA-Verbund, wirkte in jüngerer Vergangenheit ein wenig steif und eindimensional konzentriert auf das Erreichen überaus ehrgeiziger Ziele für Produktion und Profit. Dabei hat die Marken- und Konzernführung aus den Augen verloren, dass die potentiellen Kunden beim Autokauf nicht nur der Realität folgen wollen. Sie sind auf der Suche nach einem Traum auf Rädern, den sie bezahlen können, und der besteht nicht nur aus Partikelfiltersystemen und, Recyclingfähigkeit: Auch ein Peugeot darf mit unvernünftiger Sinnlichkeit, mit röhrendem Auspuff und einer Federung, deren Rücksichtnahme auf die Fixierung des Toupets nicht sehr ausgeprägt ist, auf sich aufmerksam machen.
Weil man das erkannt hat, durften wir jetzt ein Unikat fahren. Der Peugeot 308 RC Z hatte auf der IAA 2007 in Frankfurt seinen ersten Auftritt, und wahrscheinlich wird zum Genfer Salon (6. bis 16. März) aus dem Concept Car ein Produktionsauto: Peugeotchef Jean-Philippe Collin im PSA-Konzern könnte mit dieser Ankündigung die Marke wieder in den kleinen Kreis der Hersteller von veritablen Sportwagen zurückführen. Ende 2009 ist mit der Serienausführung des 308 RC Z zu rechnen. Sie soll mit kleinen Änderungen dem Prototypen entsprechen.
Der große Löwe als Beleg der Dynamik
Das Treffen mit 308 RC Z hat etwas Konspiratives. Er sieht nicht aus wie ein toter Briefkasten, aber der Sportwagen parkt unauffällig neben einem kleinen, diskreten Hotel in Baden-Baden. Das Auto ist etwa hüfthoch, die Radhäuser sind schwellende Muskelpakete, der komprimiert wirkende Körper duckt sich unter dem höckerähnlich ausgeformten Dach, die stark konturierte Frontpartie hält sich eng an das Serien-Vorbild 308, das Heck mit dem großen Löwen als Markenzeichen ist ein Beleg der Dynamik. Auf den ersten Blick tippte man auf ein Heckmittenmotor-Konzept, aber dagegen sprechen die Kosten. So ist die Technik mit Frontantrieb jene der 308-Limousine, aber die Spur ist um die Breite von drei Fingern üppiger – und das sieht man.
Vom inneren Wesen des Prototyps erhalten wir eine Ahnung beim Starten: intimer Innenraum, hinten zwei Notsitze, klassische Armaturen, die rechte Hand fällt wie von selbst auf den Schalthebel. Er befehligt sechs Vorwärtsgänge, der relativ kleine 1,6-Liter-Otto-Turbomotor (160 kW/218 PS, im Prinzip aus der Großserie) dröhnt und knurrt bei jeder Drehzahl ungehemmt, er legt sich spontan ins Zeug, der sportlichste Peugeot seit dem 205 GTI ist auf der Schwarzwaldhochstraße ein konzentriertes Bekenntnis zu einem Leben jenseits von Flauschigkeit. Damit kehrte bei Peugeot jene Art von Sportlichkeit ein, die vor dem Erstarren schützt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller
