Oldtimer

Maserati stiehlt Ferrari die Schau

Von Boris Schmidt

Mit 1,85 Millionen Franken der Star in Gstaad: Maserati-Rennwagen von 1962

Mit 1,85 Millionen Franken der Star in Gstaad: Maserati-Rennwagen von 1962

19. Dezember 2006 Auto-Auktionen gibt es viele im Jahr. Den Schluß- und vielleicht sogar den Höhepunkt setzt seit einigen Jahren das englischen Auktionshaus Bonhams mit seiner Ferrari-Versteigerung im Schweizer Nobel-Skiort Gstaad Mitte Dezember.

Dabei stand die neunte Auflage 2006 unter neuen Vorzeichen. Das pompöse Palace-Hotel setzte zwar wie immer den Rahmen, doch Simon Kidstone, der Gstaad ins Leben gerufen hat, ist nicht mehr dabei, weil er sich beruflich anderen Zielen zugewandt hat, und zum ersten Mal durften auch Maseratis aufs Podium. Das gestiegene Interesse an der Ferrari-Schwestermarke rechtfertige diese Entscheidung, sagte Marcus Ross von Bonhams.

Ein Maserati für 1,85 Millionen

Alt, schön und richtig teuer: Maserati Tipo

Alt, schön und richtig teuer: Maserati Tipo

Ein gutes Dutzend Maserati hatten den Weg ins Berner Oberland gefunden, und sie stahlen den Rennern aus Maranello ein wenig die Schau. Mit einem Hammerpreis von 1,85 Millionen Franken war ein 62er Maserati Tipo 151 Sports Racing das teuerste Stück der Auktion. Der Le-Mans-Rennwagen blieb deutlich über der Erwartung, die zwischen 1,1 und 1,4 Millionen Franken gelegen hatte. Mit 1,3 Millionen Franken erreichte ein 55er Ferrari 750 Monza Spider Corsa, ebenfalls ein Rennwagen, nicht ganz das Estimate. Ein 65er Maserati Tipo Sports-Racing Prototype war mit 840.000 Franken das zweitteuerste, zugeschlagene Auto in Gstaad.

Ein wunderschöner, blauer 52er Ferrari Tipo 212 Exporte (nur 27mal gebaut) kam nicht über 980.000 Franken (statt 1,2 Millionen) hinaus und wechselte vorerst nicht den Besitzer. Von den 29 angebotenen Sportwagen gingen jedoch 23 in neue Hände, für moderate 58 000 Franken (alle genannten Preise plus Aufgeld) konnte man einen 32 Jahre alten Maserati Indy mit nach Hause nehmen, 68.000 Franken kostete ein 77er Maserati Khmasin. Die meisten Ferrari-Modelle sind in der Regel teurer. 370.000 Franken erzielte ein 64er 250GT Lusso, und der so beliebte und seit der legendären Fernsehserie „Die 2“ weit bekannte Ferrari Dino, von dem zwischen 1968 bis 1974 knapp 2500 Coupés und fast 1300 Cabriolets entstanden, war als Cabriolet einem Auto-Enthusiasten 157.000 Franken wert.

18.000 Franken für Schumachers Nase

Der kleine Dino (V6-Motor) und der aus der gleichen Zeit stammende Daytona mit seinem V12 gelten als die pflegeleichtesten klassischen Ferraris, 290.000 Franken brachte ein 69er 365 GTB/4 Daytona, der nachträglich zum Kabrio umgebaut worden war, 252.000 Franken erfreuten den bisherigen Halter einer zwei Jahre jüngeren Berlinetta-Version.

Wer nicht so viel investieren wollte, konnte sich an den Ferrari-Automobilia gütlich tun, die wieder zu erstaunlich hohen Preisen unters Volk kamen (siehe www.bonhams.com). Zwei Beispiele: 18.000 Franken zahlte ein Liebhaber für eine Frontnase von Schumachers Formel-1-Ferrari aus der Saison 1996, 1400 wurden für zwölf Fotos aus den fünfziger Jahren geboten. Das günstigste Auto war übrigens ein gepflegter 85er Maserati Biturbo mit einer Laufleistung von nur 63.000 Kilometer. Er wurde für 4000 Franken versteigert.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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