Nissan Qashqai

Ruhig, aber nicht immer leise

Von Wolfgang Peters

Treffer: Der Qashqai verkauft sich gut, und das hat Gründe

Treffer: Der Qashqai verkauft sich gut, und das hat Gründe

03. November 2007 Das Konzept für den Nissan Qashqai nimmt gewohnte Kategorien auf und bündelt sie neu. Vielleicht ist er deshalb so erfolgreich: In seinen Dimensionen orientiert er sich in etwa an der Golf-AstraFocus-Klasse, und im Design folgt er den Vorgaben der sportlichen Geländewagen. Daraus resultieren viel Platz für Passagiere und Gepäck, die geschätzte Hochsitzposition, ausreichende Mengen an Fahrkomfort, die Wahl zwischen Front- oder Allradantrieb und dieses nicht mit Zahlen zu belegende Gefühl einer über den Dingen schwebenden Gelassenheit. Wenn wir jetzt noch die angenehme Preisgestaltung addieren, dann weiß man, weshalb Nissan mit dem Qashqai einen Treffer gelandet hat. Das war auch schon in unserem Fahrtbericht vom 10. Juli zu lesen.

Aber wir entdeckten einen interessanten technischen Grund, uns abermals mit diesem Nissan zu beschäftigen. Der billigste Qashqai kostet 19.790 Euro, das ist ein Angebot, das man nicht so einfach ignorieren sollte. Aber der 1,6-Liter-Benziner arbeitet an der Grenze zur Überforderung, und es gibt nur Frontantrieb. Allradantrieb und den stärkeren Zweiliter-Benziner erhält man für 24.290 Euro. Diese Version in der niedrigsten Ausstattungsstufe Visia kann schon ausreichend sein. Für 26.740 Euro geht ein Zweiliter-Diesel mit Partikelfilter ans Werk. Und es existieren gleich zwei Möglichkeiten für den automatischen Wechsel der Übersetzungen: Für jeweils 1.300 Euro gibt es entweder eine Sechsgang-Automatik (nur für den Zweiliter-Diesel) oder ein stufenlos arbeitendes CVT-Getriebe (nur für den Zweiliter-Benziner).

Sanft nuschelnd oder lästig knurrend

Im Design ein sportlicher Geländewagen

Im Design ein sportlicher Geländewagen

Der von uns ausprobierte Nissan Qashqai 2.0 Tekna 4WD kam auf 31.640 Euro, inklusive CVT-Getriebe und „Executive-Paket“ für 2.000 Euro, das Navi, Radio-CD mit Wechsler sowie Rückfahrkamera enthält. Das ist alles nicht so simpel, wie es hier klingt, denn die gesamte Preisgestaltung des Qashqai orientiert sich eher an den Vorgaben des Marketings als an den Forderungen der Kunden. Während unseres Privatissimums mit dem Qashqai begegneten wir einigen Interessenten, die sich die CVT-Automatik sehr wohl in einer schwächer motorisierten Variante vorstellen mochten. Doch das wäre nach unseren Erfahrungen nicht die beste Wahl. Natürlich ist das stufenlos tätige Getriebe eine feine Sache - vor allem in der Stadt oder im Stau. Dann zieht die Maschine je nach der Stärke des Beschleunigens sanft nuschelnd oder lästig knurrend hoch und bringt den Qashqai auf Touren.

Langsames Dahinrollen wird nicht von ruckelnder Gasannahme oder ruppigen Schaltvorgängen begleitet. Der Gangwechsel vollzieht sich beinahe unmerklich, man registriert, dass beim Erreichen einer vorgegebenen Geschwindigkeit die Motordrehzahl niedriger wird und das Triebwerk weniger lärmt. Aber wenn es an der Steigung, auf der Landstraße oder der Autobahn zügig vorangehen soll, dann gerät CVT an seine Komfortgrenzen: Der Motor wird unter dem Druck des Gaspedals konstant auf hohen Touren gehalten, das erhöht den Lärmpegel. Wenn man das Gas wegnimmt, geht die Drehzahl zurück, und gleichzeitig fallen natürlich Leistung und Geschwindigkeit. Die Kraft zum Beispiel im Scheitelpunkt einer Kurve mit einer niedrigeren Schaltebene zu erhöhen und exakt definiert einsetzen zu lassen, das gelingt mit der stufenlosen Automatik selbst nach intensiver Übung nur selten.

Vom Qashqai zum Cash-Hai

Dankenswerterweise sind dem CVT-Getriebe sechs Schaltstufen eingebrannt worden. Die kann man in einer separaten Schaltgasse durch Vor- oder Zurückschieben des sympathisch geformten Hebels unschwer und sehr zügig aufsuchen. Elektronik verhindert, dass man mit falschem Schalten Schaden anrichtet. In diesem Getriebemodus legt der Qashqai eine unerwartete Lebendigkeit an den Tag: Aus dem Stand bewegt er sich in 11,5 Sekunden auf 100 km/h, und er treibt die Tachonadel deutlich über 180 km/h (tatsächlich 178 km/h) hinaus. Die sechste und höchste Stufe der manuellen Schaltgasse ist zum Erreichen der Höchstgeschwindigkeit ausgelegt, und die mit den jeweiligen Geschwindigkeiten verbundenen Motordrehzahlen liegen um 1.000/min höher als jene im vollautomatischen, stufenlosen Betrieb. So kann man relativ zügig auf zum Beispiel 140 km/h beschleunigen und dann aus dem Handgelenk von links nach rechts den Wählhebel in die Automatikposition bringen und wird sofort mit einem leiseren und sparsamer laufenden Motor belohnt, der Tourenzähler zuckt zurück in ruhigere Zonen.

Etwas Unruhe kommt beim Fahrer auf, wenn es ans Tanken geht. Nissan verspricht nach der Normmessung einen Verbrauch von 8,3 Liter Super auf 100 Kilometer. Das ist nach unseren Erfahrungen viel zu optimistisch: unter 9 Liter war der CVT-Qashqai nicht zu bringen, im Durchschnitt kamen wir auf 11,9 Liter (Tankinhalt 65 Liter), auf der Autobahn auf 13,6 Liter. Da wird der Qashqai zum Cash-Hai. Der erste, von uns im Sommer gefahrene Qashqai mit 1,5-Liter-Diesel und Sechsgang-Schaltgetriebe war viel sparsamer: 6,9 Liter Diesel für 100 Kilometer sind ein starkes Argument. Aber mehr Schalt- und mehr Fahrkomfort (besonders im Stau) bietet der Benziner in Verbindung mit der stufenlosen Automatik. Irgendwie bezahlt man immer für ein bequemeres Leben.

Text: F.A.Z., 30.10.2007, Nr. 252 / Seite T4
Bildmaterial: Hersteller

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