Fahrtbericht Kia Cerato 2.0 EX

Lieber Kia oder doch einen Golf?

Von Boris Schmidt

Vertreter der Kompaktklasse mit viel Kraft

Vertreter der Kompaktklasse mit viel Kraft

10. Januar 2006 Der Zufall wollte es, daß gleichzeitig ein Kia Cerato 2.0 EX und ein VW Golf Plus 1.4 Trendline in der Redaktion zu Gast waren. Knapp 17000 Euro kostet der üppige Golf mit dem kleinsten Motor, für gut 1400 Euro mehr offeriert Kia in der Kompaktklasse seinen Cerato mit Zweiliter-Motor und fast doppelt soviel PS: 143 statt 75. Außerdem bringt das koreanische Auto drei Jahre Garantie und eine Ausstattung mit, die sich nur durch Metalliclack (310 Euro), Schiebedach (540), ein aufwendigeres Radio mit Navigationssystem (1000) sowie Ledersitze nebst Sitzheizung vorn (1065) ergänzen läßt.

Kleiner Kofferraum

Also Cerato statt Golf? Im unmittelbaren Sicht-Vergleich macht der Innenraum des Kia keinen wesentlich schlechteren Eindruck als der des VW, alles ist sehr funktional, aber tristgrau gestaltet. Die Türen öffnen weit, auch hinten sitzt es sich passabel, wenn die vorderen Passagiere ein klein wenig ihre Stühle nach vorn rücken. Die Kopffreiheit ist vorn wie hinten sehr gut. Vier Türen haben alle Cerato, neben der von der Redaktion bewegten Steilheckversion gibt es noch eine Stufenheckvariante, die 100 Euro billiger ist.

Es gibt verschiedene Heckversionen

Es gibt verschiedene Heckversionen

Rein optisch macht das Steilheck mehr her, und praktischer ist es ohnehin, so findet nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbank ein Fahrrad im Wagen Platz, das maximale Ladevolumen beträgt 1046 Liter. Für einen Vier- oder Fünfsitzer ist das Kofferraumvolumen des 4,34-Meter-Autos jedoch arg knapp, nur 230 Liter passen unter die Abdeckung, die schnell in der Garage landet, damit man den Raum bis zum Heckfenster noch nutzen kann (dann sind es fast 400 Liter).

Ein kreuzbraves Auto

Fahrerisch bietet der Kia mit seinem relativ kräftigen Motor mehr als nur Hausmannskost. Flott und hurtig beschleunigt der Wagen, die Gänge sollten sich jedoch etwas präziser führen lassen. Fünfe sind es an der Zahl, und im großen Gang sind deutlich mehr als 200 km/h drin, aufgrund des steigenden Lärmpegels (Windgeräusche) hält man sich in diesen Temporegionen aber eher ungern auf. Das Fahrwerk hat mit hohen Geschwindigkeiten keinerlei Probleme, auch sonst zeigt sich der Cerato kreuzbrav.

Zum Thema

Der Fronttriebler untersteuert in schnell gefahrenen Kurven berechenbar, ESP gibt es nicht, sehr wohl aber ABS inklusive Bremsassistent und Traktionskontrolle. Im übrigen ist die passive Sicherheit mit sechs Airbags, Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern sowie Dreipunkt-Gurten auf allen Plätzen gut bis sehr gut. Weniger gut ist die mangelnde Übersichtlichkeit des Wagens, Einparken will trotz der leichtgängigen Servolenkung gelernt sein. Den Federungskomfort kann man sich noch besser vorstellen, im großen und ganzen geht er aber in Ordnung.

Gute Ausstattung

Auch mit dem Durchschnittsverbrauch von 8,8 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer kann man zufrieden sein. Wer schonend fährt, kann auch mit deutlich weniger als 8 Liter auskommen, der Maximalverbrauch zwischen zwei Tankstopps belief sich auf 10,2 Liter. Kia gibt das Tankvolumen mit 55 Liter an; wir füllten einmal sogar 59,45 Liter ein, dabei hatte der serienmäßige Bordcomputer vorher noch 20 Kilometer Reichweite angezeigt.

Vor allem in der EX-Version ist der Cerato sehr gut ausgestattet, alle in der Klasse gängigen Komfort-Zutaten sind an Bord, die Reifen stehen auf Alu-Rädern, es gibt eine Alarmanlage, einen Tempomat und eine Klima-Automatik. "Alle Achtung, Kia", muß man nach vierzehntägiger Bekanntschaft und mehr als 3000 gefahrenen Kilometern ausrufen.

Der Golf Plus ist besser

Erst bei 200 km/h wird's laut

Erst bei 200 km/h wird's laut

Der Cerato, den es auch als Diesel (2,0 Liter Hubraum, 83 kW/113 PS) sowie als 1,6er-Variante gibt (77 kW/105 PS) ist ein beachtenswertes Angebot. Der Basispreis beläuft sich auf 14300 Euro. Und noch mal zurück zum Golf Plus: Abgesehen von der Motorleistung ist er das bessere Auto. Vor allem bietet er wesentlich mehr Kofferraum, obwohl er einige Zentimeter kürzer ist. Es bleibt natürlich der Preisunterschied.

Text: F.A.Z., 10.01.2006, Nr. 8 / Seite T4
Bildmaterial: Boris Schmidt, Hersteller

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