Von Gerold Lingnau
12. Januar 2008 Dieser ist kein Zafira wie jeder andere. Kein Wunder, hatte er sich doch beim Opel-Tuner und -Veredler Irmscher im schwäbischen Remshalden einer modellspezifischen Kosmetik unterzogen. Danach stolzierte das Exemplar, dem wir uns zwei Wochen lang anvertrauten, mit gestärktem Selbstwertgefühl über die Straßen, dank Front- und Heckspoiler, Schwellerverbreiterungen, einem geänderten Kühlergrill, einer um drei Zentimeter tiefergelegten Karosserie und den flachen Sohlen von 40er-Reifen auf riesigen 18-Zoll-Rädern.
Aber zusätzlich zum wuchtigen äußeren Auftritt, für den rund 3600 Euro erforderlich sind, hatte der Van auch noch interessante innere Werte. Während Opel den Zafira ab Werk für Erdgasbetrieb umgerüstet anbietet, kann man ihn, wie unser Auto, von Irmscher für 2695 Euro auf die Verwendung von Autogas (LPG) umbauen lassen. Dieses Gemisch aus Propan und Butan, das bei der Mineralölverarbeitung anfällt, ist schon beim relativ niedrigen Druck von 8,5 bar flüssig. Es ist auf Jahre hinaus stark steuerbegünstigt und daher eine verlockende Alternative zum teuren Benzin. Und da allein in Deutschland rund 3000 Autogas-Stationen existieren - allerdings nur ein Teil davon an den Tankstellen der bekannten Marken -, ist das Fahren mit LPG nicht nur angenehm preisgünstig (wir zahlten zwischen 65,9 und 72,9 Cent für den Liter), sondern auch kein Versorgungsabenteuer.
Ein Auto, zwei Kraftstoffe
Nur Vorteile also? In der Tat büßt man beim Zafira durch den Umbau weder Kofferraumvolumen noch gar die dritte, ausklappbare Sitzreihe ein. Nur das Reserverad fehlt, denn an seiner Stelle hängt der 57 Liter fassende Gastank unter dem Heck; für Reifenpannen ist fortan das auch anderswo übliche Set aus Dichtmittel und Kompressor zuständig. Daneben bleibt beruhigenderweise der Benzintank mit seinen 56 Liter Inhalt ungeschmälert erhalten. Der umgerüstete Motor des Opel - Irmscher bietet LPG-Kits für die 1,6- und 1,8-Liter-Benziner an - ist auf beide Kraftstoffe vorbereitet: So ergibt sich eine kombinierte Reichweite von 800 Kilometer, und man kann, wenn doch einmal der Flüssiggasnachschub stockt, die Fahrt jederzeit mit Benzin fortsetzen.
Nun zu den weniger guten Nachrichten. Das Tanken von LPG ist recht umständlich. Auf den kleinen Messingstutzen, der neben der Benzineinfüllöffnung einen beengten Platz gefunden hat, muss erst der landesübliche Adapter (für Europa-Reisen braucht man deren drei) und auf diesen die Zapfpistole geschraubt werden. Dann gilt es, für den gesamten Füllvorgang den Finger auf einem Knopf an der Zapfsäule zu halten und schließlich nicht zu erschrecken, wenn nach dem Abschalten beim Lösen der Pistole ein Rest Gas mit zischendem Knall entweicht. Die 57 Liter Inhalt sind leider Theorie, denn der Tank kann nur zu 80 Prozent gefüllt werden (dafür sorgt ein spezielles Ventil); in der Praxis haben wir nie mehr als 40 Liter hineinbekommen.
Umstellung auf Gas nach maximal 1000 Metern
Obwohl LPG ein hochwertiger, da besonders klopffester Treibstoff ist, wird davon im Schnitt mehr verbraucht als im Benzinbetrieb. Bei uns waren es 12,0 Liter je 100 Kilometer, immerhin 10 Prozent mehr, als der 1,8-Liter-Motor (103 kW/140 PS) an Benzin zu sich nahm, nämlich 10,9 Liter. Der Vergleich hinkt indes ein wenig, weil der kraftstofffressende Kaltstart grundsätzlich mit Benzin absolviert wird; erst nach 300 bis 1000 Meter, je nach Außentemperatur, wird (automatisch) auf Gas umgeschaltet. Diese Phasen verderben also die Benzin-Verbrauchsrechnung. Für das Flüssiggas gibt es beim Umschaltknopf Gas/Benzin eine Füllstandsanzeige aus fünf Dioden, die aber nur ein ungefähres Bild vom Vorrat gibt.
Höhere Ansprüche stellt der Flüssiggasbetrieb bei der Wartung. Die Anlage hat zwar ein Selbstdiagnose-System, doch alle 10.000 Kilometer muss eine Motorschutzadditivierung erneuert und alle 30.000 Kilometer die Motorventileinstellung überprüft werden. Opels Garantie erlischt mit dem Einbau des LPG-Kits, für ihn steht Irmscher zwei Jahre lang gerade und maximal drei Jahre bei Schäden an Motor, Abgas- und Kraftstoffanlage.
Kosten sparen: 6,50 Euro je 100 Kilometer
Nicht nur vom Verbrauch, auch von den spürbar reduzierten Fahrleistungen wird die Freude über den günstigen Gaspreis ein wenig gedämpft. So erreichte unser Zafira mit LPG 186 km/h Höchstgeschwindigkeit, mit Benzin waren es 190. Bei der Standardbeschleunigung auf 100 km/h war der Benzinbetrieb mit 11,2 gegenüber 11,8 Sekunden im Vorteil, ebenso bei den Elastizitätswerten - 13,1 statt 14,2 Sekunden für den Spurt von 50 auf 100 km/h im 4. Gang und 19,4 statt 20,6 Sekunden im 5. Gang. Das ist keine weltbewegende Einbuße, doch ist sie umso weniger willkommen, als dieser Motor an dem nicht eben leichten Zafira ohnehin zu schleppen hat.
Dass er mit Gas eine Spur geschmeidiger läuft, kann man gern auf die Habenseite buchen. Aber der Hauptvorteil liegt nun einmal in den Betriebskosten. Mit unseren Durchschnittswerten gerechnet, spart man mit Gas bei einem Benzinpreis von 1,35 Euro mehr als 6,50 Euro je 100 Kilometer. Das hieße: Schon bei rund 41.000 Kilometer hat sich der Umbau amortisiert, und dann wird nur noch gespart - eine Aussicht, die Zafira-Besitzern höchst willkommen sein müsste.
Internet: www.irmscher.de
Text: F.A.Z., 08.01.2008, Nr. 6 / Seite T4
Bildmaterial: Irmscher