Porsche

Sechzig Jahre ist doch kein Alter, mein Alter

Von Wolfgang Peters

So waren sie, die alten Zeiten: Am 8. Juni 1948 erhielt der Porsche-001 den Segen der Behörden

So waren sie, die alten Zeiten: Am 8. Juni 1948 erhielt der Porsche-001 den Segen der Behörden

06. Juni 2008 In der Stille des frühen Sommers schreit ein Motor. Am Rand von Salzburg, oben auf dem Gaisberg, im Schatten schöner Kastanien betteln Ventile, Kupplung und Getriebe um Mitleid. Natürlich vergebens. Schließlich geht es um Erinnerungen.

Im Herbst 1944 zog die Porsche KG von Stuttgart nach Kärnten. Wegen der Luftangriffe. So kam es, dass die Geburtsstätte der Porsche-Sportwagen nicht in Stuttgart, sondern in Gmünd liegt. Am 8. Juni 1948 erteilte die Besatzungsmacht eine „Anmeldebestätigung“ für einen Porsche-Prototypen (Fahrgestellnummer 356-001), der den Aufstieg aus der Asche des Krieges ermöglichte.

Im Juli 1947 begann jener Vorgang, der heute gerne als Legende bezeichnet wird. Ferry Porsche (der Sohn von Ferdinand Porsche) konnte aus verständlichen Gründen keinen neuen Volkswagen bauen. Da blieb unter den gegebenen Umständen nur ein Sportwagen.

Schnelle Autos bauen auch andere Unternehmen

Sechzig Jahre später halten auf dem Gaisberg Porsche-Veteranen wie Peter Falk oder Herbert Linge die alten Motoren mit Gasstößen bei Laune. Dann geht es den Berg hinauf, die Motoren schreien ihre Empörung über die Erweckung aus dem Ruhestand ungehemmt hinaus, und die Maschinen rattern und schnaufen, und die Augen der alten Fahrer sind wieder jung wie einst. Der Gaisberg war von 1957 bis 1968 Rennort für Läufe zur Europa-Bergmeisterschaft, Porsche hat diese Serie insgesamt neunmal gewonnen. Das ist kein Wunder: Noch heute hocken die Alltagssportwagen auf den Hinterbacken wie mühsam und nur oberflächlich gezähmte Tiere, und sie atmen tief ein, und mit breiter Karosserie-Brust entsteht im Fahrer auch abseits jeglicher Sportambitionen dieses unvergleichliche Feiertags-Gefühl.

Ein Porsche ist für viele Menschen eine Delikatesse. Schnelle Autos bauen auch andere Unternehmen. Aber ein Porsche ist nicht nur schnell, es ist beinahe so, als sei die Schnelligkeit keineswegs die entscheidende Eigenschaft. Ein Porsche mag Tradition sein, raffinerte Technik aufweisen, ein sensibles Fahrgefühl fordern, hohe Qualität aufweisen, aufregende Kleider tragen und propere Leistung mitführen, aber entscheidend ist eine Eigenschaft, die sich aus allen anderen zusammensetzt und diese gleichzeitig ergänzt und zu einer neuen Qualität führt: Ein Porsche muss immer authentisch sein. Authentizität bedeutet hier die Balance der Bescheidenheit, die Abwesenheit von Aufgeregtheit und das Fehlen von „Features“. Schickimicki und die Champagner-Cliquen fahren vielleicht Porsche. Aber sie verstehen ihre Autos nicht wirklich.

„Mit Vollgas in die Pleite“

Die Authentizität von Porsche leitet sich nicht zuletzt vom Rennsport ab. Am Anfang, so erinnert sich der einstige Rennleiter Peter Falk (Jahrgang 1932 und kaum gealtert), ging es darum, mit den 356ern über die Rennstrecke an die Kunden heranzukommen. Und die kleinen und leichten und standfesten Porsches fuhren den Boliden um die Ohren. Nicht immer, aber immer weniger selten. Das hat die Marke entscheidend geprägt, und in Amerika wurde Porsche (James Dean!) bereits zum Gegenstand einer Verehrung, als das Wort „Kult“ noch nicht dafür verwendet wurde.

Vor ungefähr fünfzehn Jahren ging es Porsche richtig schlecht: „Mit Vollgas in die Pleite“ wurde gerne getitelt. Das kam, wie wir alle wissen, ganz anders. Eine verfehlte Modellpolitik wurde den Managern vorgeworfen, die Familien (Porsche und Piëch) seien zerstritten, und die Finanzmittel wären aufgebraucht, Verluste häuften sich, Porsche wurde als Übernahmekandidat gehandelt. Daraus wurde nichts, ein damals nicht übermäßig bekannter Mann, der auch noch Wendelin (Wiedeking) hieß, komprimierte das Unternehmen, sorgte für eine schlankere Produktion, holte sich ein paar gute Manager, sortierte die Modellpolitik neu und vertraute auf die Faszination der Ziffern 911. Und auf alles, was sich dahinter verbirgt.

Der Klassiker gibt noch immer den Grundton vor

Schon bei der Ablösung des 356 hatte Porsche gezögert. Die ersten Generationen waren zweisitzige Ableitungen aus der Technik des VW Käfers. Dass Ferry Porsche vor sechzig Jahren aus der Käfer-Limousine ausgerechnet einen Sportwagen machte, kann man nur mit einer Vision erklären. Es konnte nur besser werden. Er lag mit seiner Einschätzung richtig, und nach fünfzehn Jahren waren die PorscheTypen auf dem Weg zum Klassiker. Längst hatte man erkannt, dass der 356 nicht für die Ewigkeit gedacht war. Ein neuer Typ wurde beschlossen, und im Jahr 1957 klopfte man jene Eckdaten fest, die zwar den Charakter prägten und in engster Konsequenz zum aktuellen Erfolg führten, sie bargen aber auch ein Risiko, das Fortschritt hieß.

Erst im September 1964 kam die erste Serienversion des neuen, großen Porsche mit Heckantrieb (Motor und Antrieb hinten!), Luftkühlung und Boxertriebwerk auf den Markt. Sie trug die Chiffre 901, aus der wegen des Einspruchs von Peugeot dann 911 wurde. Und aus diesen Typ heraus wuchs die gesamte 911er-Familie. Auch wegen des in seiner Grundaussage nicht zu übertreffenden Designs (Ferdinand Alexander Porsche schuf es mit der ganzen Abgeklärtheit eines Fünfundzwanzigjährigen) geriet der 911 zum Klassiker und gibt noch immer den Grundton des Porsche-Klanges vor. Aber auch der 911 alterte, und andere Typen sollten Porsche in die Zukunft führen.

Der Blick richtet sich auf den neuen Panamera

Ob sie wirklich scheiterten - die Volksporsches 914, die 924/944/928 (der achtzylindrige-928 wurde sogar „Auto des Jahres 1978“ ) und ihre Varianten - erscheint im Rückblick als ungesicherte Annahme. Ebenso darf bezweifelt werden, dass Porsche tatsächlich zum Beginn der neunziger Jahre mit dem nackten Rücken zur dornigen Wand stand: Wiedeking kam 1992, setzte auf den 911 und den Boxster und war drei Jahre später schon wieder in der Gewinnzone.

Jetzt blickt Porsche nicht nur zurück. Der Blick richtet sich auf den neuen Panamera, der 2009 kommt. Fragt man beim Abendessen en passant Wolfgang Porsche, ob die erste Porsche-Limousine nicht doch ein Risiko sei, runzelt der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Porsche Automobil Holding SE nicht einmal die Stirn. Er erklärt dem Frager die Panamera-Situation mit jener Geduld, die einen Menschen auszeichnet, der im Bewusstsein aufgewachsen ist, dass Porsche mehr ist als David.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: Hersteller

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