Hilft Wirtschaftsethik in der Krise? Bekommt man Malaria in den Griff? Lassen sich Amokläufe an Schulen verhindern? Und wie macht ein englischer Historiker der deutschen Gelehrsamkeit ein Geschenk? Antworten in den Sachbüchern der Woche.
Expeditionen in ein lyrisches Paralleluniversum: Mit seiner Offenbacher Anthologie gelingt dem Dichter und früheren Titanic-Chefredakteur Thomas Gsella das Kunststück, Lyrik und das Reden über sie zugleich zu parodieren. Von Richard Kämmerlings
In Anja Fröhlichs Debütroman gründet eine Berliner Jugendclique eine Dienstleistungsagentur nach dem Tauschprinzip: Styling-Beratung gegen Englisch-Referat, quid pro quo. Die Story des Buchs ist überkonstruiert, die Sprache der Autorin allerdings angenehm ungezwungen. Von Christian Heger
Bild für Bild Georg Heyms Gedichte, illustriert von Ernst Ludwig Kirchner, begeistern als expressionistische Buchkunst. An Martin Meyers Essays reizt die Erotik des Abschieds. Außerdem in den Romanen der Woche: 99 Frauen.
Das Pariser Urteil gegen Google, demzufolge das Unternehmen 300.000 Euro Schadenersatz wegen des Digitalisierens urheberrechtlich geschützter Bücher eines renommierten Verlages bezahlen muss, ist in der französischen Buchbranche mit Triumph aufgenommen worden. Von Jürg Altwegg
Ist es angemessen, dass der als Spitzel der Securitate enttarnte Schriftsteller Werner Söllner von allen Seiten in Schutz genommen wird? Der Schriftsteller Richard Wagner zeigt am eigenen Beispiel, in welchem Ausmaß ihm durch Söllners Spitzeltätigkeit geschadet wurde.
Spezial Als Werner Söllner sich dem rumänischen Geheimdienst Securitate als Spitzel verschrieb, gab es den Dichter Söllner noch nicht. Nach mehr als dreißig Jahren erzählt er jetzt, wie beides in einem Leben möglich war. Von Hubert Spiegel
Ihre Bücher hätten ja wohl den Preis bekommen, hat sie gesagt, aber zur Übergabe musste sie selbst erscheinen: Souverän zieht sich Herta Müller in Stockholm aus der Staatsaffäre. Von Felicitas von Lovenberg, Stockholm
Bild für Bild Wie wollten Laien und Professoren die Relativitätstheorie widerlegen? Warum richten Truppen gegen Aufstände so wenig aus? Und wer zog ab 1786 für 800 Rubel im Jahr durch Sibirien? Die Sachbücher der Woche wissen es.
Die deutsch-rumänische Schriftstellerin Herta Müller hat am Donnerstag aus der Hand von Schwedens König Carl XVI. Gustaf den begehrtesten Literaturpreis der Welt in Empfang genommen. Der Sprecher der Jury lobte ihren großen Mut, den sie künstlerisch umsetze.
Auf einer Münchner Tagung wollen deutsche Autoren aus Rumänien über ihre Securitate-Akten reden. Da offenbart sich plötzlich einer von ihnen als Spitzel, auch von Herta Müller - Werner Söllner, der seit 2002 das Hessische Literaturforum in Frankfurt leitet. Von Hubert Spiegel
In Österreich scheint sich die menschenfreundliche Ansicht bewahrt zu haben, dass Romane lesbar, Gedichte verständlich und Stücke spielbar sein sollten, findet Marcel Reich-Ranicki auf die Frage eines Lesers nach den Eigenarten der Literatur unseres Nachbarlandes.
Wie sehr ihre Wörter zu Herta Müller gehören, und sie zu ihren Wörtern, ist an diesem Abend deutlich geworden - selbst dann, wenn sie das Gegenteil behauptete: Vor der Verleihung des Literaturnobelpreises hat Herta Müller eine berührende Vorlesung gehalten. Felicitas von Lovenberg war dabei.
Ich wünsche mir, ich könnte einen Satz sagen für alle, denen man in Diktaturen alle Tage, bis heute, die Würde nimmt: Vor der Verleihung des Literaturnobelpreises am Donnerstag hält die deutsche Autorin Herta Müller in Stockholm eine berührende Vorlesung. Wir dokumentieren die Rede in ungekürzter Fassung. Von Herta Müller
Seit fünfzig Jahren sprechen in Frankfurt Dichter als Dozenten: Zum Geburtstag gibt es im neuen Riesenhörsaal der Universität eine großartig bündige Vorlesung von Durs Grünbein. Patrick Bahners hat sie sich angehört und in einem Trugbild die Wahrheit entdeckt.
Die Literatur ist auf einen doppelten Boden angewiesen, der Journalismus hingegen soll sich um diesen Boden überhaupt nicht bemühen, er darf ihn nicht haben: Marcel Reich-Ranicki über zwei verwandte, doch verschiedene Genres.
Umberto Eco im Rausch der Anhäufung: In einem prächtigen Bildband und einer Pariser Veranstaltungsreihe ergründet der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler die Lust an der Liste. Von Joseph Hanimann, Paris
Seit seinem Tod im Jahr 1998 gleicht das Wohnhaus des Dichters Ernst Jünger in Wilflingen einer Wunderkammer: Nichts ist verändert worden. Nun wird das Haus saniert. Der Nachlass wandert derweil ins Archiv nach Marbach. Aber wie macht man das? Ein Umzugsprotokoll. Von Hubert Spiegel und Wolfgang Eilmes (Fotos)
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