
die sollen erst mal unsere grundwerte und die verfassung anerkennen, hört man über zugewanderte. was der leitdeutsche leicht vergisst: manche (viele) haben ältere demokratische traditionen als die gerade mal im zahnwechsel befindliche bundesrepublik. die türkische verfassung etwa gilt seit den zwanziger jahren, dort steht schon so ziemlich alles, was auch im grundgesetz zu finden ist, und ein drittes reich ham wir uns hier trotz unserer "rückständigkeit" nicht erlaubt

Sehr geehrter Herr Deniz,
ich möchte jetzt keine Diskussion mit Ihnen über die Situation in Israel und den Terror der Hisbollah beginnen, der alles ausgelöst hat.
Sie wollen doch nicht ernsthaft behaupten, dass aufgrund der Nahostkrise über Menschenrechtsverletzungen in der Türkei hinweg gesehen werden soll? Was ist das denn für ein Argument?
Ein Land, wie die Türkei, wo Schriftsteller mit dem Tode bedroht werden und mit Strafverfolgung rechnen müssen, nur weil sie unbequeme Wahrheiten äußern, hat in der EU nichts verloren.

@ Ben Deni
Was ist daran heuchlerisch? Sie müssen doch wissen, daß das deutsche Volk in seiner großen Mehrheit gegen diesen Krieg ist, den Israel im nahen Osten betreibt?
Die Nibelungentreue der deutschen Regierung gegenüber den USA ist ebenfalls etwas, was aus Ideen unserer Politiker erwachsen ist und spiegelt nicht die Meinung des deutschen Volkes in seiner Mehrheit wieder.
Wenn sie in Deutschland leben, dann müssen Sie doch wissen, daß der Bürger nur zu Wahlen umworben wird. Danach ist er wieder das unmündige Kind, das nicht gefragt werden muß.
Allerdings: Glauben Sie, in Deutschland würde auch nur ein Mensch angeklagt werden, wegen Verunglimpfung des Deutschtums? Solche Unsinnigkeiten können nur in nationalistischen Staaten vorkommen, wie die Türkei eben einer ist.
An den Kommentator, der meint Deutschland gehöre auf Grund seiner Geschichte nicht in die EU:
Danke für den Hinweis. Ich bin auch de rMeinung, Deutschland sollte aus der EU austreten. Jetzt habe ich wenigstens einen Argumentationspunkt gefunden, den so noch niemand gebracht hat.
Nur: Wenn Deutschland aus der EU austreten würde, wer würde dann noch drin bleiben? Wo doch der größte Nettozahler sich verabschiedet hat...
Marc Müller
Göttingen

Die Wurzeln der Kultur sind nicht die gleichen wie die in Europa. Als Oberbürgermeister von Istanbul sagte Recep Erdorgan 1999: „Unsere Minarette sind Bajonette und die Kuppeln unserer Moscheen Helme, so wie die Moscheen unsere Kasernen und die gläubigen Muslime unsere Soldaten sind.“ Diesen Fehler, seine wahre Identität zu offenbaren, wird Erdorgan nicht noch einmal machen. Heute bekennt er sich zur Demokratie —was immer er als strenggläubiger Muslim darunter versteht — Abgestraft wegen „Aufstachelung zum Hass“ kann Erdorgan allerdings nicht Abgeordneter werden. Er wird im Hintergrund die politischen Fäden ziehen, eingeübt in Takiya, die islamische Verhüllungskunst.
Dass viele Türken bei uns sympathische Mitmenschen sind, ändert nichts daran, dass mit Drohungen und noch viel schlimmeren Mitteln die Islamisierung Europas betrieben wird. Herr Öger, von Öger-Reisen, rechnete vor, dass 2030 in D 30 Mill Deutsche und 80 Mill Türken leben werden. Die türkischen Frauen würden uns "kaputt gebären". Und nun wollen einige dies beschleunigen durch einen Türkeibeitritt in die EU!

Sehr geehrter Herr Alacan,
es geht doch nicht darum, dass der an den Armeniern verübte Völkermord generell ein Ausschlußkriterium für einen EU-Beitritt der Türkei darstellt.
Vielmehr zeigt doch die Weigerung der Türkei, den Genozid an den Armeniern anzuerkennen, sich mit den Folgen auseinander zu setzen und der Umgang mit Menschen, die von der staatlichen Doktrin abweichen, wie es um die Lage der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit in der Türkei bestellt ist.
Die Türkei hat neben dem wieder erstarkenden Islam ein weiteres Problem: Ihren Nationalismus. Schon heute ist die EU vielfach nicht mehr handlungsfähig, weil sich unterschiedliche nationale Egoismen gegenseitig blockieren. Benötigen wir da wirklich die Türkei, die dann als größtes EU-Mitglied die EU dominieren und hemmungslos ihre Interessen durchzusetzen versuchen wird?
Das die Türkei die Geldtöpfe der EU benötigt versteht sich von selbst, aber wo die Gründe liegen sollen, dass die EU die Türkei benötigt, ist mir schleierhaft.

Sehr geehrter Herr Kutzli,
es wäre ja schon viel gewonnen, wenn die Türkei nicht länger leugnen würde, dass überhaupt ein Genozid an den Armeniern stattgefunden hat und türkische Staatsangehörige, die das Gegenteil behaupten, nicht länger mit Verfolgung durch die Justiz und Morddrohungen rechnen müßten.
Ihr Beispiel ist deshalb unpassend. Stellen Sie sich vor, die Queen würde behaupten, die Briten hätten Dresden nie bombardiert und jeder Brite, der dem widerspräche, bekäme die Justiz auf den Hals gehetzt.

Es ist immer eine Frage des Betrachters. Für einen Europäer sieht dieses Vorgehen sicherlich unerhört an, für einen Chinesen wäre dies recht normal. Um dies zu verstehen muss man in die Geschichte des Landes blicken : seit Jahrhunderten existieren in der Türkei Konflikte zwischen verschiedenen ethnischen Gruppierungen, Religionsgruppen als auch Parteianhängern. Auch streben diese Gruppierungen den Wechsel des Regierungssystems an oder versuchen das Land aufzusplitten. Solche Probleme existieren "zum Glück" nicht im modernen Europa.
Die türkische Regierung hat sicherlich die Befürchtung, dass wenn sich die Kritik häuft, diese Gruppierung in ihren Vorstellungen bestärkt werden könnten.
Die Türkei ist noch nicht reif für die EU aber man muss ihr die Zeit geben. Wenn die Menschen die Hoffnung auf eine besseres Leben bekommen, wird auch Kritik erträglicher.

Würde es in Deutschland einen vergleichbaren Straftatbestand geben (Verunglimpfung des Deutschtums) gäbe es wohl Massenverhaftungen bis hinein in höchste Politikerkreise.
Aber so ein Unfug kommt immer dabei heraus, wenn man abstrakte Begriffe jusitiabel macht. Denn auch "Staat" ist ein bloß abstrakter Begriff und Verunglimpfung des Staates (wer oder was immer das auch sein mag) wird auch in Deutschland verfolgt.
Und Meinungsverbote gibt es hier auch. Trotzdem (oder deshalb?) sind wir in der EU.

Die Türkei sieht sich als säkularen Staat. Seit den Refor-men des Gründers der modernen Türkei, Atatürk, gilt offiziell individuelle Bekenntnisfreiheit, bei gleichzeitiger Zurückdrängung des Islams aus der Öffentlichkeit. Nicht-muslimische Minderheiten fallen in der Türkei unter den Schutz des „Lausanner Vertrages“ von 1923. Er schützt die Bewahrung kultureller Eigenheiten der Armenier, Grie-chen und Juden. Die katholische und die Vielzahl evange-lischer Kirchen wird nicht geschützt. Eine Fülle von Verord-nungen behindert diese beharrlich, von der Diskriminie-rung zu schweigen, die es verhindert, dass Christen je-mals höhere Regierungs- oder Armeeämter besetzen. Die Ungleichbehandlungen der Christen sind offensichtlich. Seit 1923 können keine Kirchen gebaut, seit 30 Jahren Seminare der Christen nicht geöffnet werden. Die Anwen-dung eines Stiftungs-gesetzes von 1936 verbietet Besitz in kirchlichen Händen. Nach diesem Jahr erworbener Besitz ist von staatlicher Konfiszierung bedroht. Neues Eigentum kann nicht erworb werden. Evangelikale Gemeinden ha-ben Aufforderungen erhalten, ihre Gemeindeaktivitäten zu beenden. Christen in der Türkei müssen Versammlung-sräume bauen oder kaufen dürfen!!!!

Sehr geehrte Damen und Herren,
meinen Sie wirklich, dass grade mal fünf Sätze zur Beurteilung der Geschichte, Lage und Religion eines so komplexen Landes wie der Türkei reichen?

Unabhängig davon dass es immer dasselbe ist...
Menschenrechte,Islam, Kurden, Armenier...wieder mal ein guter Aufhänger für Europa...
"Laizismus bedeutet nur, daß der Staat außer der sunnitischen Richtung keine andere duldet."
Verehrte Frau von Weiss,
ich denke diese Aussage ist von 3000 km Entfernung etwas zu weit gegriffen.
Raten würde ich Ihnen (auch Herrn Franzot) eine Auseinandersetzung mit der Ideologie von Atatürk.
Herr Erdogan ist unter Beobachtung, machen Sie sich keine Sorgen, denn so manch einer wie er (Necmettin Erbakan) ist schon gescheitert.
Ich glaube es ist mal die Zeit für Europa gekommen zu akzeptieren, dass es auch den modernen Islam geben kann.Und keinen "westlich,südlich,östlich,nördlichen"ISLAM!
Herzliche Grüsse
...bin auch gegen den Beitritt der Türkei in die EU.

Frau Shafak werde angeblich vorgeworfen, das Türkentum beleidigt zu haben. Leider erwähnen Sie in Ihrem Beitrag nicht, was genau ihr vorgeworfen wird. Das wäre interessanter gewesen als jene veralteten Links-Rechts-Metaphern aufzuwärmen...

Man sollte sich ganz genau überlegen,ob man eine Türkei,in der der Islam auf der einen Seite und der Nationalismus auf der anderen Seite (beide of auch Hand in Hand gehend wie in so manchen anderen islamischen Ländern) noch derart einflußreich und bestimmend sind,in die EU aufnehmen sollte.

ganz so einfach ist es halt nicht.... Ein Beispiel:
„Wenn die Deutschen des Untergangs Dresdens gedenken, erwarten sie, dass sich die englische Königin entschuldigt. Aber die Königin von England hat sich nicht entschuldigt, und das ist völlig richtig so, denn damit würde ein unnötiger, hinderlicher Zusammenhang hergestellt zwischen Erinnerung und Schuldzuweisung. Es muss möglich sein, sich des Untergangs von Dresden und der Hunderttausenden von Toten zu erinnern, ohne dass wir damit die Alliierten anklagen.“
(Jan Assmann in „Lettre International 72, Frühjahr 2006)
soweit akzeptabel?
„Wenn die Armenier des Untergangs von großen Teilen ihres Volkes (im WK I) gedenken, erwarten sie, dass sich die türkische Regierung entschuldigt. Aber die türkische Regierung hat sich nicht entschuldigt, und das ist völlig richtig so, denn damit würde ein unnötiger, hinderlicher Zusammenhang hergestellt zwischen Erinnerung und Schuldzuweisung. Es muss möglich sein, sich des Untergangs von Hunderttausenden von Armeniern zu erinnern, ohne dass wir damit die Türken anklagen.“
Habe in dem Zitat nur wenige Worte ausgetauscht.
Immer noch ok?

Ich kenne die Dame und ihre Werke nicht. Habe nur gerade auf der FAZ gelesen, dass Frau Shafak, die sicherlich nicht aus hinterwäldlerischen Verhältnissen stammt, angefeindet wird, weil sie sich offen zur angestammten Kultur ihres Landes bekennt.
Ihr Land kenne ich aber . Es ist nicht gerade erbaulich, wenn man in Istanbul die - bereits modernisierte - Altstadt verläßt und sich urplötzlich in Karl-Marx-Stadt wiederfindet. Ja, so sehen die Neubaugebiete Istanbuls aus. In anderen Städten ist es nicht viel anders: Bursa, Izmir, Kayseri... hochzivilisierte Städte unter den Osmanen, ein blasser Abklatsch des Westens, mit einer kräftigen Prise Ostalgie gewürzt, nach den Vorstellungen der Erben des Mustafa Kemal (Atatürk) . Dieser Herr hatte die kurdische Etnie sträflich unterdrückt, war sogar dazu übergegangen, Kurden als "Bergtürken" zu bezeichnen.
Zur Gretchenfrage hatte er seine eigene Einstellung: über Nacht wurden alle Vorbeter arbeitslos und die Religion wurde stillschweigend zum Opium des Volkes erklärt. Die Türkei verlor ihre Identität und den Sinn für Tradition und Geschichte, um dem westlichen Konsumrausch nachzueifern. Atatürk betrachtet heute Ankara und seine Armen aus der Perspektive seines faschistoiden Mausoleums.

Die Anklage von Elif Shafak zeigt, wie es um die Meinungsfreiheit in der Türkei bestellt ist. Der im Artikel erwähnte Orhan Pamuk ist ein anderes Beispiel hierfür.
Bis zum heutigen Tag, 90 Jahre danach, lehnt der türkische Staat jede Verantwortung für den Völkermord an den Armeniern ab. Die Türkei betrachtet die Diskussion als Angriff auf die türkische Nation insgesamt. Wer sich dieser offiziellen Lesart nicht anschließt und von Genozid redet, wie der Schriftsteller Orhan Pamuk, wird als Verräter angefeindet, mit Morddrohungen und Hetzartikeln in der Presse. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen ihn ein. Pamuk hat öffentliche Auftritte inzwischen abgesagt.
Vier von fünf Türken sind einer Umfrage zufolge dafür, dass die Türkei auf eine EU-Mitgliedschaft verzichtet, wenn sie dafür die Einstufung der Massaker an den Armeniern als Völkermord hinnehmen müsste.
Man muß sich in diesem Zusammenhang die Frage stellen, ob ein Land wirklich der EU beitrten sollte, wenn die Meinungsfreiheit dort so mit Füßen getreten wird, dass ein Schriftsteller sich seines Lebens nicht mehr sicher sein kann, nur weil er von der offiziellen Linie des türkischen Staates abweicht?