
Sehr geehrter Herr Meck, wird denn "der Kindle" auch gewöhnliche PDF-Dateien mit Graphiken, also z.B. naturwissenschaftliche Veröffentlichungen, anzeigen können? Das wäre ein echter Pluspunkt gegenüber zu schweren Laptops mit zu schlechten (dunklen) Displays oder den mir viel zu kleinen PDA-Formaten.

Wenn die Amerikaner 10 Dollar ausgeben für elektronische Bücher, die sie nicht auf ihren Computer laden, verleihen, verschenken oder verkaufen können, ist das erstaunlich. Entgegen dem Tenor des Berichts scheint es jedoch ein weiteres Nischenprodukt zu sein, denn 240.000 Geräte bedeutet, daß weniger als 0,1 % der Amerikaner eines haben. In Europa wird es eher noch weniger Anklang finden. Für wenige Euro gibt es kistenweise Bücher bei ebay oder auf dem Flohmarkt, darunter viele Schätze für Literaturliebhaber; wer hingegen in der Bahn oder am Strand mit einem teuren "In-Buch" bzw. Bestseller posieren möchte kommt sowieso um die Papierausgabe nicht herum.

Die Idee ist, wie im Artikel erwähnt, absolut nicht neu. Im Grunde ist die Papierform der Literatur und Zeitungen wirklich antiquiert, betrachtet man Entwicklungen wie die datenträgerlose Handhabung von Musik oder auch andere Bereiche, wie die "Wertübermittlung" im Finanzwesen, sprich: bargeldlose Zahlungen. Alle bisherigen Versuche fanden keine bahnbrechende Akzeptanz, weil die angeboteten Lösungen schlichtweg unergonomisch waren: entweder eignete sich die Schrift nicht zum bequemen Lesen, die angebotene Fläche war zu klein, ein zu großer Energiebedarf verhinderte entspanntes, langes Lesen, das Angebot an Lesestoff war zu gering und/oder der Einstiegspreis zu hoch. Ob Kindle nun alle diese Anforderungen erfüllen kann, muss sich zeigen. Amazon als großer Buchhändler, das Internet als Infrastruktur und deutlich verbesserte Displaytechniken sind keine schlechten Voraussetzungen, allerdings zweifle ich an der Lesefreundlichkeit des immer noch kleinen Displays und schätze den Preis als noch zu hoch ein, um die elektronische Darbietung von Lesestoff wirklich zu verbreiten, verspieltes Vertrauen in die Nicht-Papier-Technik wieder gut zu machen.

Auch wenn viele unken, die Druckbranche würde sich verändern - das wird selbst in 20 Jahren sich noch nicht verändern. Es ist immer noch ein Unterschied, ob ich ein Buch in der Hand habe, das ich aufschlagen kann wann ich will und mit dem ich von Strom und Abstürzen der Software, vor profanem Datenverlust und DRM unabhängig bin und das ich nach meinem eigenen Gutdünken verleihen, verschenken und wieder verkaufen kann. Und für 360 € bekomme ich bereits ein Netbook, mit dem ich nicht nur PDFs betrachten und auskommentieren kann, ich kann sogar noch selbst Artikel verfassen und bearbeiten und FAZ.NET online lesen ohne ein Abo bei Amazon abschließen zu müssen. Ein Sachbuch, das gerade einmal 200g wiegt ist immer noch leichter als 300g Kindle herumzuschleppen und das Buch überlebt auchmal einen Sturz oder einen Regenschauer - der Kindle tut das nicht. Und letztlich zählt auch das Gefühl : Ich bin bibliophil, ich liebe den Geruch und das Gefühl beim Umblättern, die hochwertigen Einbände und das Knistern der Seiten. Das wird der Kindle nie ersetzen können. Und die Ankündigung, das eBooks die Printbranche verändern wird, gibt es seit 5 Jahren - getan hat sich bis heute nichts. Another PR-Message, mehr nicht. Gähn.

Der Kindle kann auch Texte von anderen Quellen lesen. So könnte ich den Inhalt dieses Artikels per persönlicher Kindle-E-Mail-Adresse auf den Kindle kopieren. Dabei wird der Text lesbar gemacht und etwaiige Bilder und Grafiken entfernt. Dieses Missverständnis ähnelt der anfänglichen Berichterstattung über den iPod, der ja auch nicht nur mit iTunes-Lieder, sondern auch mit privat legal gerippten MP3 zu bespielen ist. Interessant finde ich für den Kindle besonders die Abo-Funktion von Tageszeitungen. Ich hoffe stark, dass deutsche Zeitungen hier ein marktverträgliches Angebot machen.

Die Musikindustrie ist mittendrin. MP3 Kopien der Musiktitel. Mit oder ohne Apple. Mit dem iPod Touch bzw iPhone beginnt nun das böse Erwachen der Fotoindustrie. Bildausdrucke sind nicht mehr notwendig. Eine digitale Foto-/Diasammlung mit 10 oder 20000 Bildern läßt sich problemlos auf dem iPod laden, unterwegs auf dem Display anschauen und ggf auch über den Fernseher oder Projektor anschauen. Nun kommen die Bücher. Bisher gab es keine handliche Lösung um diese zu lesen. Wiederum mit dem iPod Touch oder dem iPhone liefert Apple beim Lesen von *.pdf Dateien als Emails bereits gute Ansätze. Gegenüber Mobiltelefonen oder PDA's geht das auch sehr schnell. Einzelne Dateien zu laden und anzuschauen ist zumindest mit der Standardsoftware noch nicht möglich. Ob Amazon nun mit dem geschlossenen System oder eBooks mit tauglichen Readern das Rennen machen wird sich zeigen. Der nächste Wandel bei digitalen Medien hat begonnen. Tages-/Zeitungen, Zeitschriften und Bücher sind nun an der Reihe. Was macht es da noch für einen Sinn kiloweise Papier mitzuschleppen ? Bald lassen sich mit solchen Geräten auch die Wörter direkt in vorgelesenen Text umwandeln.