Worstseller 2006: Der Gammelbuchskandal

Es gibt viele gute Bücher, die sich erstaunlich schlecht verkaufen. Verdrängen die Bestseller den Rest der Literatur? Wir haben renommierte deutsche Verlage nach ihren liebsten Ladenhütern des Jahres 2006 gefragt. Die Antwort: zehn lesenswerte Worstseller.

Lesermeinungen zum Beitrag

19. Dezember 2006 08:49
words, worse, worst  
Friedhelm Rathjen (rejoyce)

Da nur bei "renommierten" Verlagen nachgefragt wurde, blieben die wirklichen "worst cases" naturgemäß unentdeckt; es geht halt noch schlechter. Der
"Worstseller" meiner Edition ReJoyce (http://tinyurl.com/m7s6t) im Jahr 2006 ist - trotz einer lobenden Besprechung der WELT - "Herz & Barbarei" von
Richard Jefferies, wovon genau zwei Stück abgesetzt wurden, nachdem es anno 2005 immerhin noch 23 Stück waren. Wenn ich weiterhin zwei Exemplare pro
Jahr absetze, womit ich fest rechne, habe ich meine Kosten immerhin in 68 Jahren schon wieder eingespielt. - Solche "worstseller" sind übrigens keine Ladenhüter im eigentlichen Sinne, denn sie hüten keine Läden: Buchhandlungen lassen solches (vermeintlich oder tatsächlich) schwer verkäufliches Zeugs gar nicht erst in ihre Regale, und die wenigen Käufer, die auf der Jagd nach Worstsellern sind, müssen sich schon anderswo umschauen als in Buchläden.

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17. Dezember 2006 12:11
Worstseller  
Berthold Greif (linzkongress)

Bei der gossen Menge jährlicher Neuerscheinungen wird es immer ungewisser ob ein einzelnes Werk zum Bestseller wird. Nicht ohne Grund gibt es bereits den Begriff der "Zensur durch die große Menge".
Die Backlist betrifft zudem ja bereits zurückliegende Werke!
Gerade deshalb ist es völlig richtig wenn Daniel Keel von Diogenes "auf den Tisch haut".
Aber eines übersehen Verlage sehr oft: Die nötige Ausweitung des direkten Kontaktes zum lesenden Publikum. Informationsflut ausschliesslich an die Sortimenter erreicht ja bestenfalls jenes Publikum das ohnedies schon in den Buchladen kommen, "bekehrt also nur die Bekehrten"!
Prospekthefte sind gegenüber dem Internet zunehmend in der Defensive, original ausgestellte Bücher hingegen nicht!
Zusätzliche Anstrengungen sind zu unternehmen um Bücher unmittelbar in die Hand möglicher Leser -zum Reinschauen, zum Durchblättern, zum Kaufen- zu geben.
Die neue internatinale Buchesse LITERA die vom 25.04 bis 29.04.2007 erstmals in Linz/Österreich stattfindet, wird einen derartigen (dringend nötigen) Magnetismus auf rund 8 Mio Menschen die im Umkreis von knapp 250 km um Linz leben entfalten.
Auch DIOGENES wurde von mir persönlich eingeladen daran teilzunemhen.
Berthold Greif, Präsident

Bewerten: schlecht gut
16. Dezember 2006 12:16
Medienvielfalt  
Wolfgang Pitzer (wolle65)

Das klassische Buch konkurriert ja heute nicht nur mit sich selbst, sondern mit einer vielzahl von Medien, mit denen man sich die kurze und wertvolle Zeit vertreiben kann: Hörbuch, Radio, Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften, Internetseiten, Internetforen, Internetblogs, Musik-CDs, MP3 Player mit Videofunktion, Handys mit eingebauten Spielen, Spielkonsolen, Computerspielen, Brettspielen, Kartenspiele usw.... Daneben kommen die ganzen Klassiker noch auf CD heraus, wo hunderttausende Seiten Klassiker der Weltliteratur nur noch 10 Euro kosten, wie ab 18.12.06 bei Aldi. Wir haben auch eine Explosion bei den Internetseiten bekommen, wo Millionen guter Seiten kaum bekannt werden, weniger anspruchsvolle Seiten aber Millionen Klicks täglich nachweisen können.

Bewerten: schlecht gut
16. Dezember 2006 08:28
Worstseller, Ladenhüter  
Gerald Burchards (GBurchards)

Vielleicht hütet so manches Buch die Läden auch deshalb so lange, weil zunehmend weniger Menschen in der Lage sind, 20 oder 30 oder gar 40 Euro für eine neue gebundene Ausgabe zu bezahlen (keine Sorge, ich will keineswegs die alte Diskussion um die Buchpreisbindung wiederbeleben!)? Ich selbst, durchaus geneigter Leser, kaufe auch fast ausschließlich im modernen Antiquariat oder im Internet bzw. greife zu Taschenbuchausgaben oder Remittenden. Die Rechnung ist einfach: Zwei oder gar drei (gebrauchte oder nicht mehr ganz taufrische) Bücher zum Preis einer Neuerscheinung...
Gerald Burchards.

Bewerten: schlecht gut
15. Dezember 2006 18:55
Worstseller  
Jürgen Klüh (jwklueh)

Als Leser bekommt man die wenig verkauften Bücher nicht mit. Es wäre doch eine lohnenswerte Sache, würden ähnlich den Bestsellerlisten im Spiegel oder beim SWR "Worstseller"-Listen regelmäßig erscheinen. Nicht jeden Monat, aber vielleicht halbjährlich oder jährlich.
Ich bin überzeugt, dadurch ließe sich manche Auflage steigern.
Jürgen Klüh

Bewerten: schlecht gut
15. Dezember 2006 18:34
Wortseller ?  
Ernst Richter (georgrichter)

Man sollte anmerken dass es glücklicherweise auch Entwicklungen gibt die dieser "Diktatur der Bestseller" entgegenwirken, in erster Linie das Internet. Fast alle Bücher, selbst solche die nicht mehr über den normalen Buchhandel zu finden sind, können leicht auf Seiten wie Amazon identifiziert und erworben werden. Darüberhinaus blühen vor allem in der Musik aber auch im Bereich der Literatur erfolgreiche Internetseiten wie MySpace oder Bebo, wo sich Liebhaber direkt über hörens- oder lesenswerte Produkte austauschen und somit die Macht der etablierten "Meinungsmacher" (Kritiker, Verlage, Bestsellerlisten, Werbung etc) auf erfrischende, demokratische Art und Weise einschränken.
Meine Meinung ist dass daher auf längere Sicht das genaue Gegenteil der hier angeführten These eintritt, nämlich ein Aufblühen von "Nischenkultur". Dazu ist vor kurzem auch ein sehr interessantes (englischsprachiges) Buch erschienen, "The long tail" von Chris Anderson.

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