
1. Traue niemals einem Moralapostel; meide hingegen Moralapostel, die politisch Korrektes predigen, wie der Teufel das Weihwasser.
2. Laufe niemals einem Guru hinterher; hinterfrage deine wirklichen Motive hinter deiner Bwunderung.
3. Sogenannte Freunde von Moralaposteln stellen sich häufig, nachdem sie enttäuscht wurden, als Feinde heraus; sie vergrößern ihre "Enttäuschung" ins grotesk Übermäßige, um ihre aufgestauten Agressionen umso herzhafter abbauen zu können.
4. 99% des Staubes, den solche Fälle aufwirbeln, ist Schauspielerei, Politik, Lüge, Trittbrettfahrerei. Inklusive dieses Beitrages.
5. Versuche, ehrliche Haut, dich nicht über solche Fälle zu ärgern und über die Boshaftigkeit der Menschheit zu sinnieren, sondern lache. Lache fröhlich und sage zu dir: so sind wir Menschen.
Frank Bach

Warum ist in Ihrem Grass-Artikel in der FAS ein Bild vom jungen Ratzinger abgedruckt? Das kann ja nur irreführend gemeint sein. Oder will sich G. Grass ein bißchen dahinter verstecken?

Wieso Grass es viel früher früher zugelassen haben sollte, mit anderen ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS in einem Topf zu landen?
Die Antwort ist ebenso klar wie einfach: Weil es nun einmal der Wahrheit entspricht, dass er dazu gehört!
Was ist denn der eigentliche Skandal: Die Wahrheit an sich oder ihr spätes Bekenntnis?
Mich beeindruckt und irritiert gleichermaßen das prompt einsetzende Bemühen, mit dem man versucht zu erläutern und zu "erklären", dass Grass damals natürlich zu einer nicht an Verbrechen beteiligten SS-Einheit gehörte, dass sein Freiwillig-Melden in seinem konkreten Fall zumindest nachvollziehbar sei usw.
Meines Erachtens war der 17jährige Grass, das maße ich mir als heute 39jähriger an zu behaupten, um keinen Deut besser oder schlechter als die Mehrheit seiner Generation, von denen viele allerdings unfreiwillig zur Waffen-SS eingezogen wurden und sich heute nicht mehr outen können, weil sie nämlich im Alter von 17, 18 oder 19 Jahren bereits auf einem Friedhof wie z.B. demjenigen in Bitburg begraben wurden - wenn überhaupt. Haben sie weniger Anrechte als ein Nobelpreiträger nach 60 Jahren Lebenslüge?

Bei dem Tamtam, dass um Grass gemacht wird, könnte man meinen, er hätte sich den Nürnberger Prozessen entzogen und bis heute als unerkannter Kriegsverbrecher sein Dasein gefristet.
Seine Jugend mag nicht zu seinem späteren Leben als Moralapostel gepasst haben - aber auch aus Saulus musste erstmal ein Paulus werden. Und wer weiß, wie Grass sich entwickelt hätte, wäre er nicht dort gewesen.
Wie heißt es so schön: Es kehr ein jeder vor seiner eignen Tür, da liegt genügend Dreck dafür.

Viel weniger als Grass kritisiere ich alle diese Konformisten und Meinungsmacher, die gerade jetzt so laut aufschreien. Sie stellen für mich das Spiegelbild unserer heutigen ach so aufgeklärten und kritikfähigen deutschen Bevölkerung dar. Ist nicht eher der Umstand das all dieser Konformisten im Nachkriegsdeutschland blühen und gedeihen konnten, der Grund dafür dass man bei früherer Involvierung in NS-geflechte darüber doch tunlichst zu schweigen habe? Bei aufrichtiger kritischer Auseinandersetzung mit den 12 Jahren NS-Deutschland hätte dieses Heer von Konformisten und Vergangenheitsvertuschern gar nicht erst gedeihen können. Diese kritische Auseinandersetzung hat jedoch bis heute in Deutschland noch nicht stattgefunden; dies lässt sich erneut im monotonen Aufschrei nahezu aller heute Etablierten innen- und außenpolitischen Meinungsmacher erkennen.

Erstens würde mich interessieren, woher Grandy (15:47) die formale Legitimation bezieht, die Waffen-SS als "terroristische Vereinigung" zu bezeichnen und die Zugehörigkeit dort als "Verbrechen".
Zweitens würde mich interessieren, ob derselbe eine Ahnung hat, wovon er in der historischen Sache redet.
Drittens, welche Ahnung er von der Definition juristischer Begriffe wie "Verbrechen" hat.
Viertens wäre interessant, ob es sich hier um einen Grass-Jünger aus dessen Zeit vor dem Geständnis handelt.

War schon die Lektüre der vermeintlich großen Literatur des selbsternannten Moralapostels Günter Grass häufig nicht ohne Gefühle des körperlichen Ekels zu bewältigen, so hat jetzt die überaus späte Enthüllung seiner Mitgleidschaft im schwarzen Orden der Waffen-SS allem die Krone aufgesetzt: die verquaste Begründung seiner Gewissensqualen über all die Jahre gipfelt auch noch in der Schilderung einer Begegnung mit dem jetzigen Papst in einem Erdloch bei Bad Aibling beim Knobeln, die auch wiederum dem Leben abgelogen sein könnte. Wer sich soweit in eine eigene Traumwelt versteigt, taugt nicht mehr zum wichtigen Zeitzeugen, sondern wirkt nur noch peinlich. Daher, GG, steige herab von Deinem Podest, denn wie schon in der Bibel geschrieben steht: "Wer sich selbst erhöht, soll erniedrigt werden" bzw. "Mene, tekel, upharsim: 'Gewogen und zu leicht befunden!'"

nun meldet sich ja aber jede zu wort, fehlen nur noch Herr Ahmadinejad und J.W.Bush.
ich wußte nicht, dass soviele saubermänner der schreibende und hoch intellektuelle Gesellschaft besitzt.
Herr Walesa will nicht mit Herrn Grass in einem Verein sein.
kann ich auch verstehen.
Aber, wie war das, damals bei der Machtkampf um die Führerschaft der Bewegung.
Wie war das mit dem Verrat der eigene Leute, die für Herr Walesa zu gefährlich waren.
Und diese spätzunder als schriftsteller, die erst mit 30 angefangen haben endlich nachzudenken und mit 17 waren erst noch zu unreif für selbstständigkeit.
Ich möchte auf gar keinen Fall Herrn Grass entschuldigen, das muß er selber machen.
Aber als jemand, der auch mit 16 der wahl hatte sich zu entscheiden, für oder gegen etwas zu sein, sage ich, wer
da weiß, ob etwas richtig oder falsch ist, dann ist der Gott.
Sonst sind wir alle Fehlbar. es sei denn, dass wir uns ganz
von solche Entscheidungen entfernen, dann sind wir auch selbst ein Fehler.

...sollte im Keller schxxxxxn.
Ob er in der Waffen-SS war oder nicht, spielt weniger eine Rolle als Seine extrem "schwarzweißen" Äußerungen über die Lebenswege anderer Menschen.
Wer einen so dicken moralischen Stock schwingt, muß dann schon "blütenweiß" sein, aber wer ist das schon?
Die Reaktionen auf das Beknntnis selbst empfinde ich allerdings als reichlich überzogen.

Es ist gut zu sehen, dass so viele Leser gerne den ersten Stein werfen würden.
Ich bin jedoch der Meinung, dass man von keinem verlangen kann, sein ganzes Leben lang kontinuierlich in immer gleicher Weise zu handeln. Letztlich lernt man aus Fehlern am besten.
Und damit lasse ich den Chor wieder weiter die Musik spielen.

Echt krass, dieser Grass. Mehr Scheinheiliger als Heiliger und sich selbst gegenüber ein unkritischer Kritiker. Oder gar jahrzehntelanger Feigling. Endlich richtet er den Zeigefinger mal auf sich. Und wir sollen Mitleid haben?

Viel ist in den letzten Tagen über die "schauerliche" Vergangenheit des Günter Grass zu lesen, die verschiedensten Menschen melden sich zu Wort und geben ihr Urteilsvermögen zum Besten. Doch je mehr ich davon lese, desto häufiger muss ich mir die Frage stellen, wie diese Menschen nur dazu kommen, so absurde Forderungen wie etwa eine freiwillige Rückgabe seines Literatur-Nobelpreises zu stellen? Jeder Bundesbürger müsste die 12 dunklen Jahre unserer Geschichte kennen, müsste wissen was war und wer mitgemacht hatte - es war der größte Teil. Doch anscheinend sind die Meisten unserer Mitbürger der Auffassung, dass mit Ausnahme der NSDAP- und SS-Mitglieder alle Deutschen "Sophie Scholls" waren, und die tatsächlichen Nazis waren eher die Ausnahme. Wer sich beliest wird feststellen, dass es sehr viele Menschen gab, die sich in diesem System wohlfühlten und sich auch integrierten. Und wenn ein 17-jähriger junger Mann die "Chance" bekam der Waffen-SS beizutreten, lehnte diese kaum einer ab - mancher konnte es noch nicht einmal, selbst wenn er es wollte. Herr Grass zeigt Charakter, die "Möchtegern-Richter" beweisen Weltfremdheit, stets im Glauben gehört werden zu wollen. Doch wieviele hiervon lebten damals, haben wirklich "Richterrecht"?

so muß er sich nun nennen lassen, nachdem er immer dann die moralische Keule geschwungen hat, wenn es bei nicht genehmen Persönlichkeiten etwas zu bekritteln gab.
Zu Recht ? Eigener Mangel an Ambivalenz, das Kathegorische im Anspruch, die Mitleidlosigkeit mit anderen und die gezielte Suche der Öffentlichkeit dieses Nobelpreisträgers, der er nicht wäre, hätte man damals bereits über ihn Bescheid gewußt, sind es, die ihm nunmehr zu Recht den Vorwurf der Heuchelei und Unaufrichtigkeit eintragen.
Zu trennen ist da nicht zwischen dem Moralisten, der er sein wollte und dem Künstler zu dem er sich berufen fühlte. Er selbst hat eine Trennung niemals gewollt und auch nicht vorgenommen.

Dass Grass mit 17 Nazi war, können wir ihm wohl kaum verübeln, war er doch bei der Machtübernahme 5 Jahre alt. Ab diesem Alter hat er vermutlich nichts anderes als das nazistische Weltbild vermittelt bekommen.
Seine miese Moralpose ist nun allerdings als Verdrängungsmaßnahme entlarvt. Und sein Werk, nun, wir müssen es wohl von jetzt an eher als therapeutische Maßnahme verstehen.

Ich frage mich warum er dies überhaupt zugegeben hat ?
Vielleicht ist es erfunden, vielleicht auch die Wahrheit oder ist er sterbenskrank und rekapituliert sich ? Wohl kaum ! Die Frage nach dem Sinnzweck ist doch hier angebracht.
Ich persönlich begrüsse dieses Comming-out wenngleich es sehr spät daherkommt.
Es ändert jedoch nichts an meiner Einstellung und Wertschätzung zu Herrn Grass.
Wichtig ist was er schreibt und nicht wovon er einmal Teil gewesen ist. Wer heutzutage, den Erzählungen der Grossväter glauben schenken will, sie hätten nie einen Menschen umgebracht oder geschossen, der lebt schlichtweg in einer Phantasiewelt.
Zur Vergangeheitsbewältigung zählt auch, die geschehen Dinge anzuerkennen und nicht den Menschen im IST-Zustand dafür zu verurteilen. Menschen können sich ändern und dafür zolle ich Herrn Grass respekt.
Die Frage muss jedoch erlaubt sein wie Deutschland fast den Krieg gewonnen hätte, wenn auf Nachfrage heute keiner je geschossen haben will !
Den Nobelpreis soll Herr Grass mal schön behalten, er ist Literaturpreisträger, nicht Friedenspreisträger.
Die Blechtrommel z.b. ist geschrieben für die Ewigkeit, da ändert auch die Beteiligung an der Waffen-SS nichts dran.
Von daher ist der Preis verdient!

Richtig verweisen Kritiker von Grass auf den Widerspruch, wenn der Protagonist einer Bewältigungskultur verschwiegen hat, was ihn zuerst treffen würde. Legitim sind Zweifel, ob angebliche frühere Scham Grauzonen hatte in Opportunismus, der eigene Vorteile erreichen oder wahren will.
Die Kritiker, mit denen ich mich mehr verbunden fühle, als mit Grass, müßten aber selbst frei sein von dem, was sie kritisieren. Es gab keinen konkreten Anlaß für das Geständnis von Grass. Es war aus der Sicht seiner Interessen unnötig. Es kann also andere als opportunistische Gründe dafür geben. Er erntet heute, was er selbst früher gesät hat, anscheinend aber freiwillig.
Die Frontlinien heutiger Kritik sind allzu zufällig deckungsgleich mit politischen Gräben rund um Grass. Aus ihnen steigt keine moralische Einsicht auf, sondern wird neue Munition verwendet für lang bestehenden Streit. Viele Kritiker repräsentieren jene Ideologisierung des 20. Jhs., die sie Grass zurecht vorwerfen. Dabei steht ebenfalls der Schatten polit. Weltanschauung vor der Wahrnehmung eines Menschen in seinem Widerspruch.
Die Zukunft unserer Geisteskultur muß anders aussehen. Man kann nicht den Menschen als Maß der Dinge setzen, während es tatsächlich Politik ist.

Was hat man uns doch früher in der Penne mit der linken Thesen der Sozialisten bis zum Ersticken zugeschüttet. Wehe, ein Schüler war nicht in der Lage, aus jedem Winkel und jeder Silbe den guten linken Tenor zu interpretieren....
Im Jahre 1967, mit 17 Jahren, just in einem Alter, als Grass sich freiwillig zu den U-Booten meldete, hat man uns indoktriniert, der rote Sozialismus sei das Licht der Welt. Belegt wurde dies gern mit lebenden Ikonen wie Herrn Grass. Dabei war der braune Sozialismus gar noch nicht so weit entfernt. Für mich waren damals alle Sozialisten Menschen vom gleichen Schlag. Ich entwickelte damals meinen Wahlspruch:
"Soziale Menschen helfen den Menschen, aber Sozialisten helfen dem Sozialismus."
Die Ergebnisse, die sie liefern, sind immer gleich und enden im Chaos, so auch jetzt.
So wurde nun Herr Grass in Generationen von Schulbüchern als linker Prophet angebetet, weil der Sozialismus als Ersatzreligion Standbilder braucht, die stehen bleiben und sich nicht wandeln. Die Enttäuschung und Entrüstung, die jetzt entsteht, wird deshalb nicht durch Herrn Grass, sondern durch die verlorengegangene Icone des Sozialismus erzeugt, gewiß keine Blamage für den Schriftsteller, sondern für die dümmlichen Jünger.

.. das einer den Mut hatte sein Schweigen zu brechen! So wird dies vielleicht zu einem Auftakt der kritischen Auseinandersetzung mit jenen Schriftstellern, die moralisierend gegen das Versagen des Bürgertums, gegen den "Mief" der Adenauer Ära vorgingen, aber selber eine nicht einwandfreie Vergangenheit hatten. Ich sage da nur Heinrich Böll... Aber bitte: kritische auseinandersetzung, nicht Abrechnung. Das Bild gehört zurechtgerückt, diejenigen aber nicht verdammt!

Gerade diejenigen, die nun bei Grass großes Verständnis aufbringen, marschierten bei der mitleidlosen Verurteilung anderer Künstler wie Leni Riefenstahl, Arno Breker oder Veit Harlan ganz an der Spitze.

Mich wundert es, daß man so viel über die Moral von Günther Grass diskutiert.
Versuchen wir bei der ganzen schmerzvollen Enttäuschung, bzw. schadenfrohen Begeisterung sachlich zu bleiben. Wichtige Fragen müssen noch selbst von Günther Grass beantwortet werden. Das ist er allen, d.h. seinen Anhängern, aber auch seinen politischen Gegnern, schuldig. Ich jedenfalls möchte gern von Günther Grass wissen:
1) Wer alles hat über "sein Geheimnis" seit 1945 Bescheid gewußt?
2) Hat es die Stasi oder der BND gewußt?
3) Hat es jemand aus dem Vorstand der SPD gewußt?
4) Wurde Günther Grass mit diesem Wissen irgendwann mal auch politisch erpreßt? Und von wem?
5) Wieso haben seine ehemaligen SS-Kameraden, die Bescheid wußten, ihm trotz seiner in der Öffentlichkeit so bekannten politischen Einstellung so viele Jahre die Treue gehalten und Stille gewahrt?
8) Kann man als 17-jähriger Mensch Mitglied der Waffen-SS werden, ohne Antisemit zu sein?
9) In welchem Archiv kann man die vollständige Waffen-SS Mitgliedschaftsliste von damals einsehen?
Stepan Benda