Krieg um den Aufbau-Verlag

An schmutziger Wäsche herrscht kein Mangel

Von Hubert Spiegel

In diesem Punkt sind die Streitparteien uneins: Aufbau-Mitarbeiter verkünden ihre Meinung an der Fassade des Verlagshauses

In diesem Punkt sind die Streitparteien uneins: Aufbau-Mitarbeiter verkünden ihre Meinung an der Fassade des Verlagshauses

16. Juni 2008 Bernd F. Lunkewitz hat sich zu Wort gemeldet. Erstmals seit seinem Rückzug aus der Aufbau Verlags GmbH, der zumindest Außenstehenden als handstreichartig erscheinen musste, hat sich der Frankfurter Immobilienhändler jetzt zur Zukunft seines Verlags geäußert. Angesichts der schlechten Presse und der schweren Vorwürfe, die seine Mitarbeiter, allen voran die Aufbau-Geschäftsführer René Strien und Tom Erben, gegen Lunkewitz erhoben haben, schien es höchste Zeit für diesen Schritt.

An schmutziger Wäsche herrscht kein Mangel. Strien hat offen vom Verrat des Verlegers an seinen Autoren und Mitarbeitern gesprochen. Lunkewitz dreht nun im Interview in der an diesem Montag erschienenen Ausgabe des „Spiegels“ den Spieß um: „Die Mannschaft hat mich verlassen. Die Geschäftsführung hat eigene Pläne.“ Was damit gemeint ist, sagt Lunkewitz klipp und klar: „Auch wenn es die Geschäftsführung öffentlich anders darzustellen versucht: Sie will sich des Aufbaus Verlags bemächtigen.“ Man habe ihm, so Lunkewitz, einen Vertrag vorgelegt, mit dem er auf alle Ansprüche verzichten und die vom Kulturbund erworbenen Rechte abtreten sollte. Das wäre in der Tat zu viel verlangt. Andererseits scheint Lunkewitz zu vergessen, dass das Insolvenzrecht die Suche nach Mitteln und Wegen zum Erhalt des gefährdeten Unternehmens vorschreibt. Dass Strien und Erben den Verlag erhalten wollen, ist noch kein Akt der Usurpation. Was die Sache indes so kompliziert macht, ist die Frage, warum Lunkewitz sein eigenes Unternehmen in den Untergang schicken will.

Das Ziel ist Geld und Genugtuung

Zur Erinnerung: Es gibt Aufbau I und Aufbau II. Aufbau I ist die Aufbau Verlags GmbH, die ein Insolvenzverfahren beantragt hat. Aufbau II ist bislang nicht mehr als der Rechtsanspruch, den Lunkewitz 1995 erworben hat, als er den Aufbau Verlag ein zweites Mal kaufte, nämlich vom rechtmäßigen Eigentümer, dem ehemaligen Kulturbund der DDR. Den ersten Verkauf durch die Treuhand hat der Bundesgerichtshof als unrechtmäßig festgestellt, nachdem Lunkewitz vierzehn Jahre lang um sein Recht gekämpft hatte. Aber das Urteil heilt nicht alle Wunden und löst nicht alle Probleme. Und jetzt will Lunkewitz, dass Aufbau I stirbt. Denn so wie die Rechtslage ist, führt der Weg zum Ziel für Lunkewitz nur über die Leiche von Aufbau I. Das Ziel aber ist: Geld und Genugtuung. Lunkewitz will, dass der Staat ihn entschädigt - für den entstandenen Schaden ebenso wie für das erlittene Unrecht.

Ob Lunkewitz Aufbau II wirklich fortführen will, weiß niemand, womöglich nicht einmal Lunkewitz selbst. Allein die Frage, welche Rechte Aufbau I und welche Aufbau II gehören, wird sich wohl nur gerichtlich klären lassen. Das kann Jahre dauern, auch wenn Lunkewitz sagt: „Diese Farce jetzt wird in wenig mehr als vierzehn Tagen vorbei sein.“ Auf die Frage, ob ihm das Schicksal der Verlagsmitarbeiter egal sei, gibt Lunkewitz die verblüffendste Antwort: „Fragen Sie doch Peer Steinbrück, wie er mit den Mitarbeitern umzugehen gedenkt.“ Denn die „insolvente GmbH“, also Aufbau I, gehöre „dem Bundesfinanzminister, rückwirkend seit 1991“. Das ist nun wirklich neu: Lunkewitz beklagt, dass seine Geschäftsführung ihm wegnehmen will, was dem Finanzminister gehört? Wenn nicht alles täuscht, schlüpft da gerade Aufbau III aus dem Ei. Das Nest bleibt unter Beobachtung.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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