30. März 2007 Es begann an den Rändern des Literaturbetriebs, denn es sind keineswegs die tonangebenden Zeitungen, die das Buch durchgesetzt haben - in Le Monde zum Beispiel ist noch immer keine Besprechung erschienen. Les arpenteurs du monde wurde vom Verlag Actes Sud in Arles (in der gelobten Übersetzung von Juliette Aubert) herausgebracht. Als literarisches Wunderkind wurde Kehlmann von der Wirtschaftszeitung Les Echos gefeiert. Die Spiele der Intelligenz und der Vernunft, die der Schriftsteller inszenierte, sorgten für höchste Unterhaltung und Emotionen, schreibt Les Echos. Geistreich, sprühend, intelligent nennt auch der Chefkritiker der kommunistischen Humanité, Jean-Claude Lebrun, das Werk.
Erst im Februar wurde angesichts solcher Hymnen auch das Großfeuilleton hellhörig. Der Figaro littéraire entdeckt und bewundert unvermittelt einen jungen Schriftsteller, von dem man sagt, er sei ein Wunderkind. Sein Erfolg wird zwischen Harry Potter und Patrick Süskind eingeordnet. Süskind bleibt für alle der Maßstab - zusammen mit der Vergangenheit. Das Parfüm sei eine Geschichte ohne jeden Bezug zu Deutschland, stellt die Berliner Korrespondentin von Libération fest; Kehlmann hingegen habe ohne jeden Komplex auf eine positive Epoche der deutschen Geschichte zugegriffen: Im Vergleich mit der von Böll und Grass beherrschten Nachkriegsliteratur, die von Seriosität und Bedeutungsschwere gezeichnet war, legt Kehlmann eine unbeschwerte und burleske Literatur vor. Die Vermessung der Welt entspricht den nicht besonders informierten französischen Vorstellungen von der deutschen Gegenwartsliteratur und findet auch deswegen so viel Lob.
Text: J.A. / F.A.Z.
Bildmaterial: Actes Sud