08. Juni 2008 Da fast alle meine Bücher bei Aufbau bzw. in dessen Subverlag Rütten & Loening erschienen sind, geht mir die bedrohliche Lage des Hauses natürlich stark ans Gemüt. Auf meine Solidarität kann man an der Neuen Promenade eingerichtet sein. Mit den Aufbau-Lektorinnen war vor wie nach der Wende sehr gut wirtschaften, mit den Verlagsleitern ließ sich zumindest gut auskommen, mit dem Spät-Besitzer weitgehend auch. Ich bin froh, dass Aufbau nicht an die Börse gegangen ist, so hat der Schurke im Stück einen Namen.
Und so kann ich für ihn eintreten. Auf die Gefahr, dass ihm das angekreidet wird, sage ich: Ohne Bernd F. Lunkewitz wäre ich höchstwahrscheinlich auf dem Buchmarkt nicht mehr zu finden. Selbstredend hat das neben einer gewissen Liebe zur Literatur mit des Verlegers Geschäftssinn, mit seinem finanziellen Unterfutter und mit meinen Produkten zu tun, aber BFL's Kohl dürften die kaum fett gemacht haben. Ich weiß, was mit Autoren geschehen ist, die dank der Kehrtwende zum Kapitalismus ohne Verlag dastanden, und ich übersehe nicht, wer mich vor solchem Los bewahrte.
Als großen Aufbau-Moment, nach dem Sie fragen, empfinde ich nach wie vor den Augenblick, in dem ein Aufbau-Brief der Pressebeauftragten des Aufbau-Verlags mich aufforderte, anlässlich des 50. Geburtstages des Aufbau-Neu-Verlegers Bernd F. Lunkewitz folgende Frage zu beantworten: Wie erlebten Sie die Initiation als Schriftsteller zum bei AUFBAU verlegten Schriftsteller? - Ich habe lustvoll geantwortet, und Lunkewitz hat, wie er mir sagte, das Schriftstück schleunigst in seinen Tresor geschlossen.
Mit freundlichen Grüßen am 6. Juni 2008
Ihr Hermann Kant
Text: F.A.S.
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