Alexander Solschenizyn als Häftling Nr. S 282 im Arbeitslager (1945-53)

Sieg über die Geschichte

Der Solschenizyn-Schock

Der „Solschenizyn-Schock“ war das letzte Erdbeben, das durch ein Buch verursacht wurde. Sein Autor lieferte das Bildungserlebnis einer Generation. Nun sterben die aus, die noch wissen, was Kommunismus und Unfreiheit bedeuteten. Frank Schirrmacher zum Tode Alexander Solschenizyns.

Lesermeinungen zum Beitrag

05. August 2008 12:52

Verstörend ist…

Andreas Koerner (follow22)

wie viele Menschen immer noch mit der „linken Phantasie“ liebäugeln, die von der „Aura der Hoffnung und des Menschlichen“ umgeben scheint, Symbol des „im Kern Guten, nur schlecht Gemachten“. Seit seinen ersten praktischen Tagen umwehte den Kommunismus der eisige Hauch von Unfreiheit, Unterdrückung, Totalitarismus und Tod. Das Schwarzbuch des Kommunismus listet 90 Mio. Tote weltweit. Indes in Deutschland die Linke selbstbewusst ihre Auferstehung feiert, kann sie sich doch sicher sein, das dieses Land mit seiner Vergangenheits-bewältigung 1932 bis 1945 vollauf zu tun hat. Kommunistisch war in Deutschland nie richtig „schlimm“, eher „chic“, und wenn man sich die Geschichte einiger deutscher Minister anschaut (maoistischer kommunistischer Bund, Internationale Marxisten oder Revolutionärer Kampf), ist es beruhigend zu wissen, „alles seien nur Jugendsünden“ gewesen. Auch wenn damals einige trotz Veröffentlichung von Solschenizyns Buch diesen Ideen weiter treu ergeben blieben… „Kommunisten, die in Wirklichkeit nur Rotlackierte Doppelausgaben der Nationalsozialisten sind. Beiden ist gemeinsam der Hass gegen die Demokratie und die Vorliebe für Gewalt." hat einst Kurt Schumacher gesagt. Wie wahr!

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05. August 2008 11:27

Schock?

Svetozar Schnuckelberger (Sveto)

Wer nicht schon durch Ludwig v. Mises Schriften "Die Gemeinwirtschaft - Untersuchungen über den Sozialismus" (1922) und "Liberalismus" (1927), sondern erst 80 Millionen Tote später erkannte, dass der Sozialismus eine perverse Ideologie ist, dem ist sowieso nicht zu helfen.

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05. August 2008 11:21

Solschenizyns Blick

gisbert heimes (gisbert4)

hat auch die Realitäten des real existierenden Kapitalismus nicht verschont. Die FTD merkt das in ihrem Kommentar - kritisch? - an. Aus historischer Distanz wird man dereinst klarer sehen, worin in der Geschichte der Menschheit solche Desaster à la Archipel Gulag begründet waren.

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05. August 2008 11:20

Kyrillische Schrift / Kenntnis des Kommunismus

Gerd-Peter Buyken (GPBuyken)

Man sollte den Buchstaben der Häftlingsnummer eher "schtsch" aussprechen - so habe ich es zumindest damals in der Russisch-AG bei der von uns sehr verehrten Frau Bella Hamburger in den 70er Jahren am Moerser Gymnasium Adolphinum gelernt. Zu den Kommentaren ansonsten: auch wenn der eine oder andere früher oder später geborene Mensch gute Kenntnisse über die Unmenschlichkeit des Sowjetsystems und des Kommunismus aus anderen Quellen haben mag, so sind doch Solschenizyns Beschreibungen wegen seiner Binnensicht des Systems, seiner eigenen Betroffenheit und vor allem der literarischen Qualität historisch unersetzbar und man muß sie - ebenso wie Lew Kopelews Werk mit diesem Namen - "Aufbewahren für alle Zeit!"

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05. August 2008 11:00

Pisa

Bertram von Steuben (Elim_Garak)

Vielleicht ist es Bestätigung der derzeitigen Pisa-Studien - und damit die Erkenntnis des allmählichen Verblödens - dass offensichtlich auch in Spitzenfunktionen hineingekrochene Parteifunktionäre nicht wahrhaben wollen, WAS der Kommunismus eigentlich für die Bevölkerung bedeutet !?! Vielleicht spiegeln auch deshalb die Spitzen einer großen Volkspartei nur den Gesamtdurchschnitt der deutschen Bevölkerung wieder und die umbekümmerte Übernahme sinnentleerter Schlagworte blut-roter Fahnenschwenker ist auf mangelnde Bildung zurückzuführen. Parallel zum Lesen gehörte ja auch das Verstehen! Vielleicht ist die 'Kommunistisierung' der deutschen Parteinlandschaft aber auch von Ihnen gewollt, weil sie sich später auf der 'richtigen' Seite des Gulag-Zaunes sehen und dieses jetzt bereits vorbereiten!!!!!

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05. August 2008 09:53

Russisch

Thomas Berger (tberger)

Da hat Herr Fragender schon recht, die Häftlingsnummer ist Schsch 202. Übrigens, mich ärgert kollossal, daß in allen Nachrufen nur über die politische Rolle Solschenizyns geschrieben wird, nicht aber über seine Sprache. Solschenizyn war ein Sprachmagier und -schöpfer sondergleichen, wie man ihn in Deutschland allenfalls mit Mann oder Goethe vergleichen kann. Das geht natürlich in der deutschen Übersetzung völlig verloren. Vielleicht sagt Herr Reich-Ranicki ja noch ein paar Worte dazu.

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05. August 2008 08:39

Wie steht es eigentlich mit der Bewältigung der DDR-Vergangenheit?

Wolfgang Meyer (kritzel3)

Dem Verfasser muss ich Recht geben. Weniger als zwanzig Jahre sind seit dem Mauerfall vergangen, und schon haben offenbar viele Deutsche vergessen, was sich hinter Eisernem Vorhang und Mauer abgespielt hat. Obwohl oder weil noch so viele Zeitzeugen leben? Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht energisch genug versucht haben, diese Periode unserer Geschichte analog zu der des Dritten Reichs zu "bewältigen"? Oder ist das beschriebene Phänomen Folge davon, dass Bürger und Politik der alten Bundesländer die Gefühle der "Neuen" schonen wollten? Herr de Maizière meint allerdings, dass nur ganz wenige Prozent der DDR-Bürger Täter oder Opfer waren (Kurzmeldung FAZ am 3.8.), alle anderen nur Bürger! Dieses seltsame Rechtsverständnis (Herr de Maizière ist Anwalt!) würde u.a. bedeuten, dass die DDR-Regierung nur wenigen Bürgern die Freiheit oder Freiheiten entzogen hätte. - Ich glaube, dass es in der Tat sehr viel zu bewältigen gibt.

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05. August 2008 08:09

Kyrillische Zeichen - Russisch müsste man können :-))

Otto Fragender (Fragender)

Lautet die Häftlingsnummer nicht Sch-282 bzw. Scht-282? Das mag zwar nur eine Formalie sein, deutet aber immerhin auf mangelnde Recherche(fähigkeiten) des verantwortlichen Journalisten hin. Und diesen Vorwurf sollte eine Qualitätszeitung wie die FAZ nicht auf sich sitzen lassen. Irgendwo in der Redaktion oder im Druckhaus wird doch sicher ein russlanddeutscher Mitarbeier zu finden sein...

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05. August 2008 03:18

@ Frank Schirrmacher

Thomas Spaniel (Echnaton1970)

“Es sterben die aus, die noch wissen, was Kommunismus und Unfreiheit bedeuteten.’’ Aber Herr Schirrmacher, ganz so pessimistisch sehe ich die Sache nun nicht, weil ich (*1970) schon noch gedenke, ein paar Jahr(zehnt)e kraeftig in D meine Steuern zu zahlen. Und auch wenn ich aufgrund meiner ’’Jugend’’ den Mauerbau auch nur aus Buechern und den Erzaehlungen meiner Eltern kenne, hatte ich noch genug der Freude, das DDR-Bildungssystem unter der Ära Margot Honecker erleben zu dürfen, und ich habe nicht vor, diese Erfahrung vorschnell zu vergessen. ’’Zu den gängigen Politikvokabeln gehört, dass die Bürger der neuen Bundesländer eine Geschichte haben, die die Westbürger ihnen nicht rauben sollten.’’ Das kann ich nur unterschreiben, jedoch steht und stand es dem Verlierer der Geschichte zu keinem Zeitpunkt zu, den Sieger zu beauftragen, wonach er zu fragen hat. ’’Das Wissen über das Wesen des Kommunismus ist nicht davon abhängig, dass man unter ihm gelebt oder gelitten hat.’’ Dito, aber es erleichtert den persönlichen Zugang und das persönliche Verständnis ungemein, wenn man ihn selbst – aus erster Hand - erlebt hat und sich nicht auf - wie und warum auch immer - subjektiv eingefärbte Zweit- und Drittinformationen verlassen muß.

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05. August 2008 02:05

eine Russe nahm den Glanz vom Kommunismus

Heinz Dieter Chiba (hadeze)

Obwohl der Kommunismus tief in das verkleinerte und aufgeteilte Deutschland eingedrungen ist, war es schliesslich ein Russe, ein russischer Patriot, der das wahre und grausame Gesicht des Kommunismus unter Stalin bis Chrustchew der Welt zeigte. Mit der Veröffentlichung des ersten "Gulag" Buch 1973 lernten alle, auch die linken Intelllektuellen, die den Kommunismus anhimmelten, was für ein "Allierter" der westlichen drei Siegermächte Stalin und sein kommunistisches System eigentlich war.

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04. August 2008 23:44

Solschenizyn-Tod

Karl-P. Schlor (Nonkonformer)

Ich persönlich halte viel von A. Scholsenizyn, bin aber traurig darüber, daß er das Gedenken an die millionenfache Kulakenermordung durch Verhungernlassen in den Jahren 1928-1933 so töricht bekämpfte! Ich kann seine "Fürsorge" in dieser Angelegenheit für Stalin, den Massenmörder, nicht verstehen. Warum darf man bei ihm in dieser Frage nicht Stalin attackieren, die Russen haben doch keine Schuld, allein "Väterchen" Stalin war doch die Bestie. Als zweiten Punkt in Hinsicht auf Frank Schirrrmachers Kommentar stelle ich die Frage, warum dieser den Hinweis auf A. Scholsenizyns Buch über die Verstrickung der Juden in Rußlands Geschichte nicht kommentiert, ist das für Schirrmacher zu gefährlich? M. Reich-Ranitzky geht auch nicht darauf ein, gleiche Frage an ihn? Liegt eine Tabuisierung vor?

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04. August 2008 22:57

Er schrieb für die Zukunft was roter Terror war, ...

franz Ujvar (ujvar)

... von links, linker und ganz links hofiert; alles nachzulesen bei ihm, zuletzt in seinem Werk "zweihundert Jahre gemeinsam". Was keiner nun ausspricht, wer ihn zitiert, verfällt dem Scherbengericht der politisch korrekten Kanonisten: Er führt peinlich aus, wer für 20 Mio ermordete Russen verantwortlich war. Lesen Sie selbst, falls Sie die russische Seele interessiert und wer die Russen, wie der Spiegel zitierte, in ihrem eigenen Blut in der "Revolution" ertränkte.

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04. August 2008 20:02

nur leider nichts gelernt

Margrit Steer (Margrit-Steer)

".....Und doch konnten 1989, auch dank der nachwachsenden Generationen, ernstzunehmende Menschen keine Illusionen mehr über den Unrechts- und Repressionsapparat der kommunistischen Systeme haben" So schreiben Sie. Leider ist aber offenbar nichts haften geblieben. Man will es nicht wissen, man schiebt es zur Seite, man glorifiziert die unfreien Systeme sogar. "War doch alles nicht so, uns ging es doch gut" Unsere beiden Volksparteien geben ein gutes Beispiel für nicht demokratisches Verhalten sowohl innerhalb der Parteien als auch gegen den Bürger. Schnüffeln, überwachen gängeln, verbieten, das ist derzeit angesagt. Allein die Kommentare zur Ablehnung des EU-Vertrages (der alles andere als demokratisch ist) durch die Iren, zeigte dass unsere Parteien wenig Ahnung von wirklicher Demokratie haben. Es driftet wieder hin zur sozialistischen Diktatur. Über die derzeitige Situation kann man nur äußerst besorgt sein. Man sollte unseren Politikern zwangsweise alle Bücher die Solschenizy gescrhieben hat, zum Lesen geben. Denn die Mehrheit hat sie nicht gelesen, davon bin ich überzeugt. Sonst würden sie anders handeln Solschenizyn, einer der letzten Großen unseres Jahrhunderts. Ich habe seine Bücher und werde sie in Ehren halten.

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04. August 2008 18:54

Diejenigen, welche wissen, was "Kapitalismus und Unfreiheit" bedeutet....

Gunther Wolkenstein (Gunther.Wolkenstein)

...leben noch und es sind unzählige Menschen. Keine Sorge, da gibt es noch viel zu berichten.

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