Kollegen brechen eine Lanze für Handke

Theater

Solidarität mit Peter Handke

Weil er am Begräbnis Milosevics teilgenommen hatte, strich die Comédie Française ein Stück Peter Handkes von ihrem Spielplan. Nun protestieren Künstler wie Elfriede Jelinek und Emir Kusturica gegen die „Zensur“.

Lesermeinungen zum Beitrag

04. Mai 2006 11:35

Meinungsfreiheit

Julius Franzot (JFranzot)

Peter Handke gilt auch meine Solidarität. Wer sind denn diese Leute, die sich anmaßen, die eigene Auslegung eines ungreifbaren Zeitgeistes zu benutzen, um doch durch die Hintertür die Zensur einzuführen? Wer hat die moralischen Zensoren dieser Gesellschaft gewählt?
Es kann nicht angehen, dass selbsternannte Lobbysten, welcher Couleur auch immer, die intellektuelle fatwa, das Totschweigen, gegen einen, ansonsten geschätzten, Dichter verhängen. Es könnte eines Tages jeden von uns Autoren treffen, sollte unsere Meinung nicht im Einklang zu der des Etablissement stehen, Prezedenzfälle in der Geschichte gibt es genug: Carolus Cergoly wurde zeit seines Lebens gebrandmarkt, ausgesondert, zur Unperson erklärt, nur weil er nach der Machtergreifung des Duce das habsburgische Triest noch besser als das Faschistische fand, ganz von den Größen zu schweigen, die aufgrund ihrer "rassischen" Herkunft oder politischen Meinung von Hitler und Stalin verfolgt wurden, ermordet, lebenslang eingesperrt oder zur Ausreise gezwungen.
Gemeinplätze? Alles schon gehört?
Wenn ein System nicht mehr zeitgemäß ist, dann es sind gerade die Intellektuellen, die die ersten Funken des läuternden Feuers anzünden. Ohne Voltaire hätte es keine Französische Revolution gegeben.
Ob das System geändert werden soll, das entscheiden die gewählten Volksvertreter, nicht irgend welche Leutchen, die einem Handke nicht das Wasser reichen können.
Und wenn man es noch einmal liest, dann haftet es besser.

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