Freigesprochen: Elif Shafak

Gerichtsurteil

Elif Shafak hat das Türkentum nicht beleidigt

Die türkische Schriftstellerin Elif Shafak, die in ihrem jüngsten Roman den Völkermord der Türken an den Armeniern erwähnt, ist am Donnerstag in Istanbul vom Vorwurf der „Beleidigung des Türkentums“ freigesprochen worden.

Lesermeinungen zum Beitrag

24. September 2006 11:18

Literatur und Geschichte

Götz Zuber-Goos (zubergoos)

Herr Ergun, um was geht es Ihnen eigentlich?
"... einen Roman schreiben würde, in dem man mit dem Ziel der Untersuchung der geschichtlichen Leerstellen für all dies Geschehnisse das deutsche Volk verurteilen würde." ???
Was wissen Sie vom Ziel der Autorin? Wird in diesem Roman für 'Geschehnisse' - meinen Sie den Völkermord an den Armeniern? - das ganze türkische Volk verurteilt?
Soll das darüber hinaus heißen, dass man keinen Roman über das (...) 3.Reich und den WKII schreiben darf?
Gott sei Dank liegen im hiesigen Buchhandel zahlreiche deutsche und fremdsprachige Romane (Grass, Kertész, Hahn, etc.), Kinder- und Jugendbücher (u.a. Eugen Kogon), Kriminalromane (u.a. Phillip Kerr, Robert Harris, Christian v. Ditfuth, uva.) vor, die zu lesen eine gleichermaßen spannende wie informative Lektüre aber eben auch ein ästhetisches Vergnügen ist. Kunst und damit Literatur darf - wie die Satire - ALLES! Aber vielleicht ist Ihnen diese Auffassung ja fremd und für Sie beängstigend.
Mit Bedauern

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21. September 2006 18:04

Zum Beitr. Arthur Anna...

Hayri Ergun (DrErgun)

Herzlichen Dank für Ihren Beitrag und Ihre freundlichen Hinweise.

Sie haben volkommen recht; eine gründliche historisch-geschichtliche wissenschaftliche Untersuchung kann nur auf diese Weise erfolgen, wie Sie auch schildern.

Es war nur als Beispiel gegeben, um unnötige Meinungsverschiedenheiten und sogar Gerichtsverfahren zu vermeiden.

Nochmals herzlichen Dank u.

Mit freundlichen Grüssen

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21. September 2006 14:20

Leerstellen ...

Hayri Ergun (DrErgun)

Elif Safak, eine in den Vereinigten Staaten von Amerika lebende Türkin, versucht m.E. für etwas Ablenkung von gegenwaertigen Problemen der türkischen Gesellschaft zu schaffen.

Die gesellschaftlichen Probleme der Türkei sind vor allem Arbeitslosigkeit, die geringe Kaufkraft der Bevölkerung und geringe Produktion, alles also, was sich im Verantwortungsbereich einer Regierung befindet.

Fr. Safak waehlt den leichten Weg.

Historisch-geschichtliche wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen und einen popülaeren Roman zu schreiben sind zweierlei verschiedene Dinge.

Historisch-geschichtliche wissenschaftliche Untersuchungen versuchen an Hand von Fakten, die damalige Situation einzuleuchten, was warum und wie geschah und wie es zu diesem historischen Ereignis gekommen ist.

Ein aehnliches Phaenomen in Deutschland ist Hitler; was, warum und wie alles geschah und wie es zu diesem Ereiignis gekommen ist, waere das Thema einer historis-wissenschaftlichen Untersuchung. Es waere etwas anders, und auch unfair, wenn man einen Roman schreiben würde, in dem man mit dem Ziel der Untersuchung der geschichtlichen Leerstellen für all dies Geschehnisse das deutsche Volk verurteilen würde.

Dr.-Ing. Hayri Ergun
Privatdozent

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21. September 2006 11:37

Kemal Kerincsiz

Emre Ertürk (HSCD)

Vor solchen Leuten verneige ich mich dehmutsvoll. Hätten die Deutschen auch solche scharfsinnigen Beobachter gäbe es hier für rechte Schläger keine ruhige Minute mehr!

Zum Fall Shafak möchte ich sagen, daß sie deshalb nicht verurteilt wurde, weil sie auch nichts erwähnt hatte. Ihre Passagen waren nicht eindeutig. Und die Entscheidung des Gerichtes wird jeder akzeptieren.

Wir haben in der Türkei glücklicherweise eine andere Auffassung zur Geschichte, die wir (im Gegensatz zu unseren Kritikern) auch mit Dokumenten belegen können.

Und ich sehe in der EU keine Zukunft für die Türkei, weil diese Institution selber keine Zukunft hat. Dann lieber eine strategische Allianz mit den USA, Israel u. Canada usw. eingehen. Wirtschaftlich wie militärisch. Dazu zähle ich z.B. den Austausch von Nukleartechnologie.

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