Grass als Gast in “Wickerts Bücher“

Fernsehinterview

Grass: „Ich war mir keiner Schuld bewußt“

Warum er erst jetzt seine Zeit bei der Waffen-SS einräumte, vermag Günter Grass nicht genau zu sagen. Er habe geglaubt, so Grass im Fernsehinterview, „daß das ausreicht“, was er später als Schriftsteller und Bürger getan habe.

Lesermeinungen zum Beitrag

17. August 2006 19:54

zu? spätes Geständnis

Klemens Seibel (Clearance)

Für seine Kritiker und Feinde ist das späte Geständnis der "Beweis" für ihre moralische Überlegenheit und Grund Genug, ihn und seine überwiegend unbequemen, weil zum Nachdenken über persönliche Fehler anregenden Werke zu verdammen. Was aber, hätte er sich früher zu seiner Vergangenheit bekannt? Wäre nicht sein ganzes Lebenswerk, seine immer wiederkehrenden Ermahnungen, welche ja gerade auch Konsequenz seiner persönlichen Vergangenheit sind - und zwar nicht nur bei den jetzt so empörten Kritikern - auf Ablehnung gestoßen? Insofern ist die Frage nach dem "richtigen" Zeitpunkt für ein derartiges Geständnis zwar verständlich, letztlich aber unsinig, weil die Antwort immer auch davon abhängig ist, welches Ziel und welches Publikum erreicht werden soll. Auch die Forderungen, er solle gefälligst Nobelpreis und sonstige Ehrungen zurückgeben - als ob er diese Preise für Kindheitserlebnisse verliehen bekommen hätte. Nein, sie sind Würdigung seines Wirkens als erwachsener Schriftsteller. Diese Werke hat er ja gerade aufgrund der persönlichen Erfahrungen so geschaffen wie sie sind. Nur, weil er seine Werke "aus sich heraus" hat wirken lassen, statt wie andere zu argumentieren "seht her, ich weiß wovon ich rede", wird es nicht nicht wertlos.

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16. August 2006 23:40

Günter Grass

Gustav Adolf Pourroy (pourroy)

Die heutigen Kommentare der Feuilletons werden von Journalisten verfasst, die sich von dem Massenwahn im Staat, den der Mensch im kranken Staat ausgesetzt war, keinen Begriff machen. Ein Volk von lauter Stauffenbergs ist nicht vorstellbar - und selbst der hat einmal Heil Hitler gesagt.

Grass spricht offen von seinem Glauben an den Endsieg, für den er seinen Beitrag leisten wollte. Hieraus geht der Grad der Verführung eines jungen Menschen klar hervor.

Das Wühlen in der Vergangenheit und die Kunst der moralischen Ereiferung zu üben ist sicher sehr interessant. Beglückender ist es jedoch für unser Volk die Aufgaben für die Zukunft heute zu erkennen und anzupacken.

Gustav Adolf Pourroy, München

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16. August 2006 18:10

Wir Unschuldsengel..!

Oliver Hitzegrad (Intego)

Prinzipiell ist Grass auch nur ein Günter zwischen Erich, Paul und Hans, die mit mehr oder weniger Freude "mitgemacht" haben.
Wäre Günter nicht Grass, machte ihm niemand einen Vorwurf, da er
1. ein Kriegsheld gewesen wäre (und nur der nervige Opa, der immer vom Krieg erzählt) und
2. ein ehrbarer Mann gewesen wäre, der nach all den Jahrzehnten den Mut aufbrächte über seine Vergangenheit zu sprechen.
So aber, als jemand, der mit erhobenem Zeigefinger in vermeintlich schon geschlossenen Wunden gebohrt hat, auf dass auch die jüngere Generation, die den Krieg (im besten Falle) nur aus der Schule kennt, sich schuldig fühlt aber zumindest ein déjà vu verhindert, so wird über ihn gerichtet wie über einen unverbesserlichen Alt-Nazi.
Und so richten wir über ihn von unseren PCs und TVs aus, ohne unsere Sofas zu verlassen, ohne unsere Internet- oder Teleshopping-Bestellung zu unterbrechen, die uns Waren bequem nach Hause senden, die nur so konkurrenzlos billig sind, weil sie von unterdrückten und geschlagenen Frauen und Kindern in Fernost hergestellt werden, die nicht einmal den Lebensstandard unserer Hunde und Katzen genießen dürfen.
Auch wir haben uns schuldig gemacht und tun es jeden Tag. Bleibt abzuwarten, wann auch wir gestehen.

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16. August 2006 17:36

Bitte auf dem Boden bleiben

Markus Baltes (Autumnblaze)

Ich bin weiß Gott kein Verehrer der Werke von Günter Grass, jedoch finde ich die aktuelle Diskussion über seine Vergangenheit mehr als scheinheilig und abstoßend. Nun plötzlich kommen seine Kritiker aus den Löchern gekrochen und richten über einen Menschen, der in seinem Leben öfter einen schweren als einen leichten Weg gewählt hat. Mit seinen aneckenden Meinungen hat er immer wieder zum Nachdenken herausgefordert, was man ihm bestimmt nicht vorhalten kann.

Wir Deutschen sind immer dann am allerbesten, wenn wir ein Denkmal stürzen können. Warum das so ist? Nun, wahrscheinlich liegt es daran, daß wir verlernt haben, jemandem etwas zu gönnen.

Ich finde es als Frechheit, was jetzt mit Grass gemacht wird.

Mit besten Wünschen,
Markus Baltes

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16. August 2006 17:25

Revanche

gisbert heimes (gisbert4)

Die jetzt über Grass so unmäßig herziehen, beweisen eigentlich nur, daß sie sich von ihm getroffen fühlten und wohl immer noch fühlen.

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16. August 2006 17:17

Fragen u. Antworten

Hiltrud Bank (Babbelschnut)

1. Wenn Herr Grass sich keiner Schuld bewußt gewesen ist, warum hat er dann so lange Zeit ein Geheimnis aus seiner "SS-Mitgliedschaft" gemacht?
2. Sämtliche Ehrungen die Herr Grass im Laufe seines Lebens erhalten hat, gelten seiner Arbeit, nicht einer etwaigen "sauberen" Vergangenheit. Warum sollte er auch nur eine Auszeichnungen wieder abgeben?
3. Herr Grass hat stets verlangt dass man die Vergangenheit aufarbeiten soll. Das ist und bleibt richtig, oder?
4. Er selbst hat erst jetzt damit (öffentlich!) begonnen. Das ist der normale menschliche Wahnsinn: Im Konjunktiv wissen die meisten Leute genau was zu tun ist.... in der Praxis sieht das Leben halt ganz anders aus...
5. Wer kann von sich behaupten, Lebenstheorie und Lebenspraxis stets in Einklang zu bringen?
6. Herr Grass ist ein großer Schriftsteller und gleichzeitig ein ganz normaler Mensch.
7. Wo ist das Problem?

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16. August 2006 16:56

Guenther Grass

Peter P. Haase (Moonfarer)

Guenter Grass ist ein Opportunist, der die Stirn hatte fuer Jahrzehnte andere Deutsche fuer ihre Gutglaeubigkeit den Nazis gegenueber auf das Haesslichste zu kritisieren. Man sollte ihn in der Zukunft ueberhaupt nicht mehr beachten.

Peter P. Haase
Boca Raton, Florida

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