
Nach 7 Bänden und 10 Jahren ist man nun also endlich am Ende der Reise angekommen. Das erfüllt einen ja immer mit einer gewissen Wehmut, weil einem Personen ans Herz gewachsen sind, weil man in der geschaffenen Welt lebt und weil man einfach mehr und mehr wissen will.
Band 1 und 2 waren zum Reinkommen und Einlesen, mit Band 3 wurde man süchtig, Band 4 war das absolute Serien-Highlight und man wurde zum Potter-Fan auf ewig, Band 5 war der düsterste der Reihe, Band 6 dann leider ein arger Durchhänger, dabei streckenweise auch noch eine Herr-der-Ringe-Kopie und viel zu dick. Band 7 versucht also jetzt, die Kurve zu kriegen. Das schafft Rowling auch ziemlich gut, wenngleich ich doch finde, daß es am Schluß etwas sehr konventionell, zahm und brav zugeht. Da hätte ich mir mehr Mut gewünscht und ihr auch mehr zugetraut. Unterm Strich aber bleibt: eine tolle Serie, eine riesengroße Bereicherung, Lesespaß total.
Für mich steht eins fest: ich setze mich jetzt hin und lese endlich alle Bände der Reihe hintereinander weg. Das wird ein Lesevergnügen pur - darauf freue mich jetzt schon!

Ohne dass ich mir hier ein Urteil über die literarische Qualität der einzelnen Harry-Potter-Bände erlauben möchte - es steht ausser Frage, dass internationale Erfolge dieses Ausmasses etwas Besonderes "haben" müssen. In jedem Fall aber reichen gerade dann die Gründe über die Lektüre selbst hinaus. Doch welche könnten es sein?
Frau von Lovenberg ist inzwischen selbst eine bekannte Stimme der Literaturkritik, und so wundere ich mich über die Oberflächlichkeit ihrer Anmerkungen zum Phänomen Potter, die niemals auch nur versuchen, eine Antwort auf die Rezeptionsfrage zu finden, sondern die Kritikerin lediglich selbst offenkundig überwältigt zeigen, als kennten wir keine Kritiker mehr, sondern nur noch Fans.
Heute reiht sie noch einmal die Superlative von der Verkaufsfront aneinander, als seien sie Argument genug. Tibor Fisher wird - als weiteres Beispiel - von Lovenberg so bereits zum zweiten Mal mit seiner
"Shakespeare/Michelangelo"-Analogie als Rowling-Hymne kolportiert, die eigentlich eine feine Ironie auf literaturmarktspezifische Mythenbildung ist.
All das erinnert an Nabokovs Zukunftsvision der Gesellschaft als Biedermeierattrappe in "Einladung zur Enthauptung". Sollte die Zukunft der Literaturkritik etwa auch so aussehen?