05. Januar 2004 Hans-Hermann Hoppe (Herausgeber): The Myth of National Defense. Essays on the Theory and History of Security Production. Ludwig von Mises Institute, Auburn 2003, 464 Seiten, 25 Dollar.
Liberale treten unter anderem deshalb für Wettbewerb ein, weil dieser effiziente Lösungen fördert. Wenn es aber um die Frage der inneren und äußeren Sicherheit geht, vertrauen viele von ihnen lieber dem Staat und räumen ihm willig das Gewaltmonopol ein. Spätestens nach der Lektüre dieses Bandes wird man sich ernsthaft fragen, was dieses Vertrauen rechtfertige.
Es sei ein Mythos, schreiben Hans-Hermann Hoppe und seine Mitautoren, daß der Staat die Sicherheit seiner Bürger besser besorgen könne als der Markt. In vier Teilen legen sie ihre Argumente dar. In den ersten beiden Kapiteln analysieren sie die Sicherheitsleistungen des Staates aus theoretischer und historischer Perspektive, während die beiden anderen Kapitel den Alternativen des Marktes und deren praktischen Anwendungen gewidmet sind.
Luigi Bassani und Carlo Lottieri beleuchten die ideengeschichtliche Seite der Kritik am staatlichen Gewaltmonopol. Dabei verweisen sie vor allem auf die Vorreiter, den deutschen Soziologen Franz Oppenheimer, den belgischen Ökonomen Gustave de Molinari, dem der Band gewidmet ist, und den amerikanischen Ökonomen Murray Rothbard, der in seinem Beitrag wiederum hervorhebt, daß Gewalt nur zur Verteidigung von Personen und Eigentum eingesetzt werden dürfe. Allerdings fragt er rhetorisch: "Welcher Krieg hat diese Forderung erfüllt?"
Erik Ritter von Kuehnelt-Leddin, Bertrand Lemennicier und Gerard Radnitzky argumentieren gegen die These, die Demokratie sei im Vergleich zu anderen Staatsformen friedlicher. Ein historischer Vergleich zeige, daß die Monarchie weit friedliebender gewesen sei (Kuehnelt-Leddin), wobei die Kriegsneigung der Demokratie in deren Anreizstruktur begründet sei (Radnitzky). Im Sinne einer Risikominimierung und der Logik des Wettbewerbs folgend, wäre es besser, wenn Waffen frei gehandelt werden könnten (Lemennicier).
Joseph Stromberg gibt zahlreiche Beispiele für effiziente private Verteidigungssysteme, wie Söldnertruppen, Milizen oder Guerrillas, während Larry Sechrest die These angreift, die private Marine sei aus technologischen Gründen von der staatlichen Form abgelöst worden. Dieser Wechsel sei vornehmlich auf politische Motive zurückzuführen, was zum Beispiel die Pariser Erklärung von 1856 belege. Schließlich geht es Jeffrey Hummel darum, das historisch erfolgreiche Modell, Staaten durch Eroberung zu gründen, mit der Trittbrettfahrermotivation der Eroberten zu begründen.
Abschreckung ist ein externer Effekt von Waffen, der auch Unbewaffneten zugute kommt (Spill-over-Effekt). Eigenartigerweise rechtfertige man damit nur die staatliche Aufrüstung, nicht aber die private, schreibt Walter Block, der auch die Schwächen der These, Sicherheit sei ein öffentliches Gut und deshalb notwendigerweise staatlich, darlegt. Unter gleichbleibenden Sicherheitsbedürfnissen würde bei Wegfall des Staates ein Markt für Sicherheit entstehen, wobei diverse Versicherungsagenturen die individuellen Risiken genauer und günstiger absicherten, als es der Staat könne, prognostiziert Hoppe. Auf dem politischen Reformwege führe nur die Sezession zu einer vollkommen freien Gesellschaft. Um ihr den Weg zu bahnen, sei jedoch noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, meint Guido Hülsmann. Mit diesem Band sind die Autoren ein außerordentlich großes Stück auf diesem Weg vorangekommen.
HARDY BOUILLON
(Centre for the New Europe, Brüssel)
Buchtitel: The Myth of National Defense - Essays on the Theory and History of Security Production
Buchautor: Hoppe, Hans-Hermann
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2004, Nr. 3 / Seite 10
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