
Es gibt also doch noch Vorbilder! Den Idealisten unterscheidet vom Fanatiker die Bereitschaft zur Selbstkritik. In Abwandlung eines Brecht-Zitates stellt sich nach der Lektüre die Erkenntnis ein: Erst kommt der Profit, dann die Moral. Zu Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit besteht also kein Anlaß. Vielleicht ist dieser Streit die Nagelprobe für unsere Glaubwürdigkeit. Meinen respektvollen Dank an Hirsi Ali.

Warum habe ich bei dieser Diskussion die ganze Zeit das Gefühl, dass die meisten deutschen Politiker sich hervorragend für die Rolle des Gottlieb Biedermann eignen würden? Und warum sehe ich in der Rolle der Babette vor meinem geistigen Auge eine Claudia Roth?
Ich denke, das Werk von Max Frisch ist aktueller denn je.

Diese Erkenntnis Hölderlins fällt mir immer ein, wenn ich sehe, wie "Volksvertreter" vor Gewalttätern kuschen. Besonders angesichts militanter Islamisten, die wieder einmal den Beweis dafür liefern, daß Ideologie stets ein Verstoß gegen die Menschlichkeit ist. Wie erfreulich ist hingegen die aufrechte Haltung dieser zugleich mutigen und gescheiten Frau. Ob ihr Beispiel in Berlin Schule macht, bleibt abzuwarten…
Aber auch dort sollte man bedenken : Da Vorschriften von Religionsstiftern auch dem Aufbau und der Festigung ihrer eigenen Macht dienen, soll man sie denjenigen "Gläubigen" überlassen, die mit ihnen einverstanden sind. Mohammeds Bilderverbot braucht hierzulande ebenso wenig zu interessieren wie der katholische Kommunionunterricht die Islamisten interessiert.

Danke diesen Frauen wie Hirsi Ali, Necla Kelek und Seyran Ates, die öffentlich gegen den islamischen Fundamentalismus auftreten. Mir ist kein Islam - Kritiker bekannt, der sich so mutig mit der Wahrheit über den Islam äußert. Es braucht wohl gerade heute den Mut und das Selbstbewußtsein dieser Frauen, die am Meisten unter dieser Religion zu leiden haben. Sie erheben ihre Stimmen ja nicht für sich, sondern für die islamischen Frauen, die im Namen des Propheten beschnitten, zwangsverheiratet und ermordet werden. Danke, dass es sie gibt. Bleiben sie mutig und lassen sie sich nicht einschüchtern - sie werden so dringend gebraucht, damit die Wahrheit nicht länger verschwiegen, unter den Teppich gekehrt oder im Einheitsbrei des Multikulti verschwindet.

Frauen scheinen in dieser Angelegenheit über wesentlich mehr Rückrat zu verfügen als Männer. Erst Angela Merkels dankenswert klare Rede in München, dann Hirsi Alis noch wesentlich unmissverständlicheren Worte in Berlin.
Es ist doch wirklich nicht so schwer: Einschränkungen der Menschenrechte durch Kollektive wie Staaten und Kirchen sind abzulehnen. Straftaten durch einzelne im Namen von Staaten und Kirchen sind Straftaten und als solche zu behandeln. Staaten sind aufgefordert, Menschenrechtsverletzungen anderer Staaten mit völkerrechtlichen Mitteln zu verhindern. Über Einschränkungen der individuellen Ausübung legaler individueller Freiheitsrechte nachzudenken, weil sich ein anderer Staat oder eine Religion aufregt, gehört nicht zu den Aufgaben der Politik in freiheitlichen, demokratischen Staaten. Punkt.