25. November 2005 Die sehr lebendige Biographie von Joachim Radkau, der Neuere Geschichte in Bielefeld lehrt, über den überragenden Kultursoziologen Max Weber zeigt uns den Wissenschaftler in allen seinen Nöten und Zweifeln, Glücksmomenten und Erfolgen. Bis zu dieser Biographie kannten wir Max Weber vor allem als Autor berühmter umfassender Studien über die Rationalisierungsanstrengungen der Welt, zum Beispiel über die protestantische Ethik und den Geist des Kapitalismus. Jetzt kennen wir auch die Leidenschaften, die dieses moderne und folgenreiche Denken antrieben.
Leidenschaften sucht Ausdruck. Der Kunsthistoriker Martin Warnke hat in seiner eindringlichen Studie über den spanischen Maler Velázquez dessen Ringen um eine Formensprache am spanischen Hofe untersucht, wo der Phantasie auf der Leinwand Grenzen gesetzt waren.
Die teilweise aufregende, aber auch streckenweise deprimierende Formensprache der deutschen Architektur in den letzten einhundert Jahren stellt der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt in seinem sehr kenntnisreichen und reichbebilderten Buch vor. Der wehende Geist der Zeiten braucht Material, ob Stein, ob Holz, ob Glas oder Beton.
Joachim Radkau: Max Weber. Die Leidenschaft des Denkens. Hanser Verlag, München 2005. 1007 S., Abb., geb., 45,- Euro.
Martin Warnke: Velázquez. Form & Reform. Dumont Verlag, Köln 2005. 175 S., Farb- u. S/W-Abb., geb., 39,90 Euro.
Wolfgang Pehnt: Deutsche Architektur seit 1900. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005. 592 S., 850 Abb., geb., 49,90 Euro.
Text: 25-11-2005, F.A.Z., Neue Sachbücher (Literaturbeilage), Seite L18
Bildmaterial: F.A.Z.-Rainer Wohlfahrt