
Man muss schon sehr mit Biller befreundet sein, wenn man sein Buch "Esra" als Meisterwerk oder großen Roman bezeichnet. Ein "Roman" - von Größe ganz zu schweigen - ist das Bändchen nur unter extremer Inflationierung dieses Gattungsbegriffes. Biller ist ein amüsanter Polemiker, ein Romancier ist er nun gerade nicht. Die Fähigkeit zur Fiktionalisierung hat sich nun gerade durch den Rechtsstreit t eindrucksvoll widerlegt. Aber auch davon abgesehen: Die Figuren sind flach, die Sprache ungenau, die borgegebnen Gefühle banal, die Beschreibungen abgedroschen. Alles, was einen - wirklich guten - Roman ausmacht, hier ist es nicht zu finden.
Im Grunde wird dem Buch durch den Rechtsstreit mehr Aufmerksamkeit zugedacht, als es verdient. Er kann und sollte seiner Ex-Freundin dankbar sein - wenn das Ganze nicht ohnehin ein ausgekochter PR-Stunt von Biller und seiner Ex als Komplizin ist.

Wenn es um diese unnachahmliche Sprache geht, dann müßte doch Biller in der Lage gewesen sein, einfach ein paar Fakten über seine Ex-Freundin wegzulassen oder abzuändern. Gerade nach der Logik dieser Stellungnahme "So leben wir" müßte man doch eher sagen, daß Biller ein wenig ... sagen wir ... unprofessionell geschrieben hat, wenn er den richtigen Ton trifft, aber leider zu genau über seine Ex-Freundin schreibt. Ich weiß nicht, wie man Romane bastelt, aber ich würde sagen: Kann man den Ton nicht retten, ohne daß man intime konkrete Details nennt? Und das ganz ohne die Hilfe vom Anwalt, der ja in der Regel die intimen Details auch nicht kennt? Irgendwie geht mir der faz.net-Beitrag ein wenig an der Realität vorbei.