Peter Handke will wieder verstanden werden

Der Vorgang ist ungeheuerlich: Über Peter Handke richten Politiker, die sich brüsten, seine Werke nicht gelesen zu haben. Die Öffentlichkeit darf diesen Verfall kritischer Sitten nicht hinnehmen. Von Frank Schirrmacher.

Lesermeinungen zum Beitrag

16. Juni 2006 04:12
genau!  
ewald walder (ewald49)

herr schirrmacher
so ist es!

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06. Juni 2006 15:02
Handke schon wieder  
Harald Hildebrandt (hhildebrandt)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wenn irgendwo ein Skandal zu sehen ist, dann bei der Jury - btw. die Jury ist immer der Skandal - und bei einer Presse, die aus einem banalen Vorgang ein Weltereignis herbeischreibt. Herr Schirrmacher ist da mit seinem Rufmord! noch bescheiden. Die Wiener Tageszeitung "Die Presse" meinte, gleich den Nobelpreis für Herrn Handke fordern zu müssen. Ja, das ist halt der Wiener Schmäh, dagegen sind andere nur, na ja, Frankfurter eben.

Dabei ist es doch so einfach: Warum vergibt die FAZ nicht ihren eigenen Literaturpreis? Fünfzigtausend Otzen werden doch noch aufzutreiben sein, soviel ist die damit verbundene Reklame immer noch wert. Wie man damit die Sau durchs Dorf jagen könnte! Fast wie beim Geschlechtsakt, Vorspiel, Vereinigung, Höhepunkt und dann noch das Nachspiel. Und auch der Controller freut sich: Die Feuilletonredaktion macht die Jury, kriegt das jurieren entsprechend gut vergütet, und dafür können dann die laufenden Bezüge gekürzt werden; so macht Literatur auch dem Controller Spaß.

Danke schön, stets zu Diensten, gerne wieder, Ihr

Harald Hildebrandt
Rochsburg, Schlossstrasse 11, 09328 Lunzenau




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04. Juni 2006 12:28
Handke und die "(Fernfuchtler-)Zeitung für Deutschland"  
walter mueller-wipperfuerth (wipper)

Das FAZ-Engagement für Handke verstört. Ich zitiere aus seiner Antwort auf eine kritische Frage nach seiner Lesung aus seiner legendären „Winterlichen Reise …“ im Wiener Akademietheater (März 1996): "Hört auf, von der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten zu reden - ihr tut das gleiche immer noch, auf eure Weise, unauffälliger, aber genauso vorsätzlich, und kommt straflos davon. Der so genannte ,Raum', den jene ,Zeitung für Deutschland' angeblich den Büchern gibt, ist das Gegenteil von Raum: Er ist ein stickiges, luftloses Henkersstübchen, voll gepfercht mit bieder-wahnsinnigen Unholden und ihren ehrsüchtigen, selbstversessenen Mietlingen. Ihr Medien entwirklicht jedes Mitgefühl, indem ihr zuerst mitbombt und dann die Stories der Gebombten verkauft, so wie eure Staaten, deren Spießgesellen ihr seid, zuerst Zerstörer waren und dann Friedensrichter spielen. ,Betroffenheit! Das kann ich schon überhaupt nicht hören. Gehen Sie nach Hause mit Ihrer Betroffenheit, stecken Sie sich die in den Arsch!" Ein wahrhaft großer Literat, nicht wahr - würdig eines Lazar- oder Draskovic-Preises, so es solche Auszeichnungen gäbe! Meint
Walter Müller-Wipperfürth
z.Z. Innrain 52
A-6020 Innsbruck

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03. Juni 2006 17:32
Heute in der Süddeutschen Zeitung gelesen:  
Felix Brunschwiler (feelX)

Peter Handke:"Verbreitern wir die Öffnung. Auf dass die Bresche nie wieder von schlimmen oder vergifteten Worten verstopft werde. Hinaus böse Geister. Verlasst endlich die Sprache. Lernen wir die Kunst des Fragens, reisen wir ins sonore Land, im Namen Jugoslawiens, im Namen eines anderen Europas. Es lebe Europa. Es lebe Jugoslawien. Zivela Jugoslavija."

Die Dichter und Denker leben in der Sprache und durch die Sprache, sie ist ihr In-der-Welt-sein. Und die ausserordentliche Leistung jener ist es, Wesentliches zu erdenken und das reale Unwesen mit dem erdachten Wesen zu konftrontieren, - und diese Konfrontation auszuhalten.
Und manchesmal sehen wir ihnen mit einem Lächeln nach, wie sie in den Himmel schauen - und keinen blassen Schimmer haben, wie sie mit wirklichen Füssen unterwegs in das hirnrissigste Abwegige stolpern und die bestürzende Erfahrung machen müssen, von der Wirklichkeit eingeholt zu werden.
Aber lieber Handke - so möchte ich ihm gut zureden -, wer spricht den heute noch von Jugoslawien? - Es gibt kein Land mehr mit diesem Namen. Es gibt diesen böse endenden Namen nur noch in einer revisonistischen Welt.

Wo die Konfrontation eine echte ist, bleibt den realmoralischen Gutmännern nichts anderes übrig als den Milosevicfreund in die Verbannung zu schicken. Und dem Dichter mit Charakter steht es zu, dies mit Fassung zu ertragen und für keinen Preis der Welt jenen mit einer lausigen Entschuldigung in den A zu kriechen.

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03. Juni 2006 14:00
Diktatur des Zeitgeistes  
Julius Franzot (JFranzot)

Der Fall Handke zeigt in leicht nachvollziehbarer Form die manipulierende Macht des sogenannten Zeitgeistes. Eine Handvoll nicht gewählter Menschen beschließt was gut und was schlecht ist und setzt diese Prinzipien mit der Macht der Medien durch. Das Spielchen ist marketingmäßig so raffiniert, dass man sich nicht traut, dagegen zu rudern: es ist doch jedem klar, dass man sich damit ins Abseits hinmanövrieren würde. Die Würstchen in Düsseldorf, die das Geld für die Prämierung Handkes verweigert haben, sind lediglich kleine Rädchen eines Systems der schleichenden Ideologisierung. Andere Beispiele für die neuen Dogmen: Privatisierung, Globalisierung, Dreimonatsergebnisse, präventiver Krieg, steigende Aktienkurse nach Massenentlassungen.
Mit aller Bescheidenheit: ich hatte es 2003 schon kommen sehen und in meinem Roman "Der Herold und die Trommlerin" beschrieben.

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03. Juni 2006 10:07
Irgendwie schon wieder erfrischend  
gisbert heimes (gisbert4)

diese Naivität der Preisverleiher und Preisentzieher. Der sogenannten Realpolitiker.

Aber: woran krepieren Menschen? An Handkes Obsessionen? Oder doch am Ende immer noch an den Realpolitikern und deren Obsessionen?

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02. Juni 2006 17:52
Ein Preis im Namen der Stadt Düsseldorf!  
Robert Weiß (Robert.Weiss)

Der Kritik von Frank Schirrmacher an der Vorgehensweise, nach der die Stadt Düsseldorf den Heinreich-Heine-Preis verleiht, vermag ich so nicht zu folgen.
Man muß den gewählten, politischen Vertretern der Bürger dieser Stadt, in deren Namen der Preis verliehen wird, wohl ein Mitspracherecht bei dessen Vergabe zugestehen. Schließlich dürfte der Grund für die Notwendigkeit der Bestätigung des Jury-Votums durch den Rat der Stadt gerade darin zu sehen sein, daß man der Gefahr vorbeugen möchte, daß sich die sachverständige (?) Jury auf einen Kandidaten einigt, der dem Ansehen der Stadt unter anderen als den von der Jury betrachteten Gesichtspunkten abträglich ist. Hubert Spiegel hat am vergangenen Samstag zu Recht darauf hingewiesen, daß der Heine-Preis nicht nur das literarische Werk, sondern das gesamte Wirken des Preisträgers als Person würdigen soll. Und hierzu zählen im Falle Handkes eben auch dessen sonderbare Ansichten zu der Rolle Serbiens bei den Balkan-Kriegen der 90-er Jahre.
Kritik ist jedoch an der Tatsache angebracht (und insoweit stimme ich Schirrmacher wiederum zu), daß der Jury politische Vertreter der Stadt angehören, die dann im Falle der Ablehnung des Jury-Votums durch den Stadtrat in einen derartigen Erklärungsnotstand wie den jetzt eingetreten gebracht werden.

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02. Juni 2006 12:04
Was für ein Rufmord ?  
Markus Teuber (arathorn)

Es handelt sich neuerdings also um Rufmord (!) ,wenn das Votum einer Jury zu einer Preisverleihung zurückgezogen oder diesem Votum nicht entsprochen wird. Sehr interessant !
Eine solche Auslegung des Begriffs kannte ich bis heute noch nicht.
Hier begeht höchstens Herr Schirrmacher Rufmord,indem er behauptet,Politiker richten über einen Autor,ohne seine Werke gelesen zu haben.Im Disput über die Preiswürdigkeit des Autoren Handke geht es gar nicht um die Frage,ob seine Werke Handke würdig für eine Preisverleihung machen oder nicht .
Aufgrund seiner Werke mag Handke preiswürdig sein,fraglich ist jedoch,ob er es aufgrund seiner ungelösten Sympathie für den Schurcken Milosevic und seine Fehlsichtigkeit bezüglich des Jugoslawienkonflikts auch ist.Da aber die menschliche Tendenz zum ansatzweisen
Versuch einer Unterscheidung zwischen "Gut und Böse" sowieso nur als gegenwärtiges,von oben geleitetes "mainstream" Gehabe angesehen wird -wie von vielen Kommentatoren in dieser Zeitung so getan-,so gebe man Handke doch den Preis,ungeachtet seiner Ansichten.So möge doch morgen einer daherkommen,der unisono Hitler,Stalin,Mao und S. Hussein verteidigt und für groß erklärt,auch daran soll man sich dann nicht stören mit seinen mainstream-Ansichten.

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02. Juni 2006 11:50
Rufmord? Lächerlich!  
Sven Jakobssohn (jakobssohn)

Herr Schirrmacher machts vor, Herr Herrmanns machts nach: wenn die Argumente fehlen, wird man persönlich.
Keineswegs weilte OB Erwin "weltmännisch in Moskau", sondern Moskau ist seit langen Jahren Partnerstadt Düsseldorfs, daher ergeben sich Arbeitstreffen der OB's, mal in Moskau, mal in Düsseldorf zwangsläufig (genau wie in Reading, Haifa, Chonking u.a. Städten).
Wessen "Schwestern" Ignoranz und Unverfrorenheit sind, mag der aufmerksame Leser entscheiden. Jedenfalls ist OB Erwin allenfalls als Ratsmitglied in die Sache involviert. Ihm wäre allenfalls seine voreilige Gratulation anzulasten.
Es bleibt die Tatsache: eine Jury hat einen anzuzweifelnden Vorschlag gemacht, den der demokratisch legitimierte Rat der Stadt Düsseldorf nicht anzunehmen gewillt ist. Nach den Verleihungsregeln des Heine- Preises ist nun einmal der Rat und nicht eine Jury das Entscheidungsgremium.
Der Skandal und auch der Rufmord wird lediglich von interessierter Seite betrieben, wohl kaum vom Rat der Stadt Düsseldorf.
Ehe hier mit Schaum vor dem Mund unterstellt und beleidigt wird, empfehle ich einmal ein wenig nachzudenken.
Übrigens hat sich Herr Handke auch in seiner "Betroffenheitsadresse" mit keinem Wort zu seiner Milosevic- Konnektion geäußert.
SJ

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02. Juni 2006 01:05
Handke oder Heine?  
Gilbert von Knobelsdorff (Knobelsdorff)

Lieber Herr Schirrmacher,

nach der lektüre Ihres Artikels frage ich mich, ob Ihr Votum anders ausfallen würde, wenn Peter Handke nicht den von Serben begangenen Völkermord, sondern den Holocaust geleugnet oder doch zumindest beschönigt und statt am Grab von Milosevic am Grab von Adolf Hitler "geweint" hätte.

Sie werden nun sagen, dass ich Ihren Artikel nicht verstanden habe. In der Tat ist das Verhalten der Jury und einzelner Jury-Mitglieder skandalös, nur gerade deshalb fehlt dieser Jury-Entscheidung - die übrigens keine unumkehrbare Wahl war, sondern nur ein an den Rat der Stadt Düsseldorf gerichteter Vorschlag - die Legitimation und es ist sogar die Pflicht der Politik die Verleihung des Heine Preises an Peter Handke zu verhindern.

Mit Peter Handke kann ich kein Mitleid verspüren.

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01. Juni 2006 22:57
Global denken, lokal rufmorden  
Stefan Sedlaczek (sedlaczek1)

Ein Art ideologische Meta-Ferngesteuertheit führt inzwischen auch "im Kleinen" zu faschistoiden Rufmordversuchen. Jeder "weiß" konkret, was zu tun ist, wenn jemand eine "falsche" Meinung hat.

Und eine "falsche" Meinung oder Sicht der Dinge kann allzuoft auch schon als solche behandelt werden, nur weil sie jemand einfach nicht versteht.

Menschen, deren Meinung heute vom globalen Mainstream abweichen oder die aufgrund gängiger Konditionierung nicht mehr verstanden werden, werden schon fast gewohnheitsmäßig aggressiv angegangen.

Da werden negative Bewertungen im Internet vergeben, die nichts mit der jeweiligen Sache zu tun haben, sondern, weil man mitbekommen hat, was für eine "unmögliche" Meinung jemand zu diesem oder jenem anderen Thema hat. Da werden Abweichler von Jedermann-Bürgern per Spam-Mail, Denunziation oder "Rachebestellungen" hingerichtet.

Irgendwie weiß jeder, was man global denken darf - und wie man selbst - lokal und konkret - dann zu reagieren hat, um den Inhaber einer "gefährlichen" Meinung abzustrafen.

Der herrschende Faschismus vergangener Tage ist demokratisiert. Der "Führer" hat sich in die Köpfe aller geschlichen und weist den "Anständigen" an, das gerade richtige an ihrem Platze zu tun.

Global denken, lokal handeln - so hat es etwas Furchtbares bekommen. Die aktuellen Vorgänge um Peter Handke sind nur die Spitze eines Eisberges unzähliger Rufmordversuche, die gängige Praxis in allen Bevölkerungsschichten geworden sind.

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01. Juni 2006 20:57
"Heine- Preis- der Stadt Düsseldorf"  
Sven Jakobssohn (jakobssohn)

Darf ich höflich daran erinnern, daß die FAZ es war, die mit als Erste, die Zweifel an der Preiswürdigkeit Handkes anmeldete?
Tatsächlich heißt dieser Preis: "Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf" und wird demnach, nach dem Vorschlag einer Jury (http://www.duesseldorf.de/top/thema010/kultur/beitraege/heinepreis/index.shtml) vom Rat der Stadt Düsseldorf verliehen, demnach ist der Vorgang der nachfolgenden Anstimmung durch das politische Gremium vollkommen in Ordnung; die Ratsdamen und -herren sind frei in ihrer Entscheidung.
Jedes andere Verfahren wäre sowohl den Bürgern der Stadt als auch dem Kämmerer gegenüber, zweifelhaft. Allenfalls könnte man die etwas voreilige Gratulation durch OB Erwin kritisieren, jedoch hat er wohl guten Glaubens gehandelt.
SJ

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01. Juni 2006 20:03
Kritik ist nötig - Rufmord ist Nötigung  
German Feldmann (achwas)

Was soll mit dem Heine-Preis ausgezeichnet werden?
Wenn Handkes literarisches Werk hätte ausgezeichnet werden sollen dann mit entsprechenden Maßstäben und einer kompetenten Jury. Aber ausgezeichnet werden soll u.a. das völkerverständigende Wirken einer Person.

Handke hat eine andere Sicht als der Mainstream auf die jüngere südosteuropäische Geschichte und bringt das auch rüber. Erklärt hat er es nicht. Es gibt viele `richtige´ Sichtweisen auf Geschichte, (fast) egal um welche es geht. Wichtig ist das - weil völkerverständigende - Gespräch darüber, welches Handke laut Schirmmacher aber nicht geführt hat (...Erstmals...so scheint es, will er wieder verstanden werden...). Andererseits - wer wollte Handke denn zuhören, dem seit Jahren verstossenem Literaten? Also bitte wieder mehr zuhören und richtig hinhören, alle!

Abschließend: An der hohen Qualität von Handkes Gesamtwerk bestehen kaum Zweifel, und deswegen grenzt die unwürdige Herangehensweise bei der Aus- und Abwahl des Preisträgers an eine peinliche Provinzposse -leider mit globalem Nachhall.

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01. Juni 2006 19:31
Der Dichter Freiheit Tod ist der Tod der Freiheit Deutschlands  
Daniel Rossmann (Danielrossmann)

Danke für den Artikel. Ich denke er war höchst notwendig. Der eigentliche Skandal ist nicht die Sympathie des Dichters Handke für eine große christliche Nation auf dem Balkan, mit einer großen Geschichte, der eigentliche Skandal ist der, wie sich Politiker in einem freien Land wie Deutschland, in dem die Gedanken frei sind, und demnach auch die Worte des Dichters frei sein müssen, anmaßen mit den Dichtern dieses Landes umzugehen. Die Gedanken sind frei und sie sollen auch frei bleiben. Die Politik hat nicht das Recht sich die alleinige Deutungshoheit über Ereignisse anzumaßen in die sie selbst in negativer Weise verwickelt war. Wir sind ein freies Land mit freien Dichtern, keine DDR mehr und auch nicht mehr Nazideutschland, wo die Dichter zu Singen hatten wie die Mächtigen es hören wollten. Die Gedanken sind frei und ebenso müssen es die Worte des Dichters sein. Ist dies nicht mehr, dann ist es schlecht bestellt um Deutschland, dann geschieht mehr als nur ein kleines Unrecht, denn mit der Freiheit der Dichter stirbt die Freiheit des Landes. Das mache man sich bitte klar, bevor man auf dem Weg weiter schreitet den man jetzt einzuschlagen sich vorgenommen hat.
Daniel Rossmann

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01. Juni 2006 18:26
und es geht doch...  
jens tuengerthal (jenstuengerthal)

Die gescholtene Politik kann entgegen der entschiedenen Behauptung des Autors Entscheidungen widerrufen, sich die Narrenkappe aufsetzen oder auch mit klarem Blick in die Schlacht ziehen, egal ob ich die Handke Entehrung, die der Heine Entzug fraglos darstellt, als Zensur oder als Wahrung des Anstandes betrachte.

Sie tat es bereits aus behaupteter Überzeugung und es gibt Gründe für wie gegen diese Entscheidung, auch wenn der dahinter liegende Wille möglicherweise ein Populistischer ist, handelten Vertreter des Souveräns in der ihr anvertrauten Aufgabe.

Es ging um Geld und es ging bei diesem Preis auch um Politik, einen zumindest politisch angehauchten Geist im Sinne Heines und so ist es gut, wenn der demokratische Repräsentant das letzte Wort hat.

Unabhängig von Handkes großem immer wirreren Werk, dem ungeteilte Bewunderung gelten kann, ist es mehr als legitim, die Wirkung der politischen Äußerungen Handkes bei der Geldverteilung zu berücksichtigen.

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