Konsum, Geschichte, Freiheit

Scharfe Thesen

25. November 2005 Es gab eine Zeit, da trug, wer gegen das bürgerliche System war, lange Haare (die jungen Männer) und keinen Büstenhalter (die jungen Frauen).

So einfach kann man sich das heute nicht mehr machen, denn die Gegenkonsumkultur wurde vom Markt mit offenen Armen aufgenommen. Das meinen die kanadischen Intellektuellen Andrew Potter und Joseph Heath in ihrem rasanten Buch. Sie rechnen mit den Mythen der Konsumrebellen ab, die sich das Dagegensein zu bequem machen, wenn sie keine Schuhe dieser oder jener Marke kaufen, um damit auf der richtigen Seite der Globalisierung zu stehen. Was machen in dieser Ernüchterung die Frauen (mit Spitzenbüstenhaltern) und die Männer (mit ordentlichem Haarschnitt)?

Der Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio verteidigt in seiner Streitschrift vehement die traditionellen Werte einer Kultur der Freiheit, wie Familie und Kindersegen. Der Kulturhistoriker Wolfgang Schivelbusch ist noch einmal einen Schritt zurückgegangen und zeigt in seiner überraschenden Studie über den Nationalsozialismus und den New Deal, daß zwischen der deutschen und der amerikanischen Variante, die Wirtschaft in den Griff zu bekommen, auffällige Gemeinsamkeiten bestanden.

Wolfgang Schivelbusch: „Entfernte Verwandtschaft“. Faschismus, Nationalismus, New Deal 1933-1939. Hanser Verlag, München 2005. 223 S., geb., 21,50 Euro.

Udo Di Fabio: „Die Kultur der Freiheit“. C. H. Beck Verlag, München 2005. 296 S., geb., 18,- Euro.

Joseph Heath, Andrew Potter: „Konsumrebellen“. Der Mythos der Gegenkultur. Aus dem Englischen von Thomas Laugstien. Verlag Rogner & Bernhard, Berlin 2005. 432 S., geb., 19,90 Euro.



Text: 25-11-2005, F.A.Z., Neue Sachbücher (Literaturbeilage), Seite L18
Bildmaterial: F.A.Z.-Freiheit

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