13. Juni 2007 Die Schriftsteller Günter Grass und Martin Walser gehen hart ins Gericht mit Literaturkritikerin Elke Heidenreich. Nachdem Heidenreich die Arbeit der beiden Literaten jüngst als ekelhafte Altmännerliteratur bezeichnet hatte, üben Grass und Walser in einem gemeinsamen Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit heftige Kritik an ihr.
Eine Literaturkritikerin, die als Päpstin bezeichnet wird, hat nichts mehr von uns gelesen und findet trotzdem, dass Grass und Walser seit Jahren nichts Gutes mehr geschrieben haben. Das ist genial, sagt Walser. Grass ergänzt: Das ist an Dummheit und Unverschämtheit nicht mehr zu übertreffen ... Nicht nur wir beide, sondern eine Vielzahl von Autoren sind von diesen Dummheiten betroffen. Wir beide können von unseren Büchern leben. Aber für andere sind solche Urteile absolut vernichtend.
Medienkritik als Halskrankheit
Kritik üben der 80-jährige Walser und der sieben Monate jüngere Grass auch an den Medien. Grass erkennt eine Freude am Niedermachen. Sie haben doch als Journalisten eine Sorgfaltspflicht! Sie müssen doch prüfen, ob es zum Beispiel erlaubt ist, im Zusammenhang mit Berichten über meine wenigen Monate in der Waffen-SS Bilder von der Auslöschung des Warschauer Ghettos zu zeigen und so eine Verbindung herzustellen zwischen dem 'SS-Mann Günter Grass' und diesen Verbrechen. Das ist doch grauenhaft!, meint Grass. Im Ausland schüttelt man den Kopf darüber, wie man mit uns beiden hierzulande umgeht. Walser betont: Wenn wir uns verhalten zu den Auswirkungen des Zeitgeists in den Medien, dann bleibt in den Medien übrig, dass wir uns über die Medien beklagen, als sei das eine Halskrankheit von uns.
In dem Interview sprechen die beiden Autoren, die seit Jahrzehnten Freundschaft verbindet, ausführlich über das Leben und Arbeiten im Alter. Es war noch nie so unerlaubt, älter zu werden als arbeitender Mensch, wie jetzt!, sagt Walser. Sein Kollege Grass berichtet, dass das Schreiben auf keinen Fall einfacher werde. Das Papier ist nach wie vor erschreckend weiß. Man kann nicht wie bei technischen Berufen auf bestimmte Erfahrungen aufbauen, sagt er. Walser erinnert sich daran, sich als 30-Jähriger mal notiert zu haben: Was mit 50 nicht geschrieben ist, wird nicht mehr geschrieben werden können. Heute habe er geradezu instinktiv eine Abneigung, dieses Schlagwort auf mich anzuwenden.
Text: dpa
Bildmaterial: picture-alliance / dpa
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