
Ein ganz wunderbarer Verriss von Patrick Bahners. Hätte man seine Worte nur im Deutschunterricht zu sagen gewagt, in dem dieses Buch zu den mit Abstand langweiligsten, verklemmtesten und konstruiertesten überhaupt zählte. "Kotztüte" - herrlich!

Ja, tatsasächlich, Schlinks Roman heißt "Der Vorleser" - und nicht der "Vorspritzer". Als nachlesender und nacherregender Mann leistet er sich das Über-Ich als Vorschämer. - Für "Schleimer" bleibt da keine Erkenntnis außer dem nicht Leist-, weil nicht produzierbaren Ertrinken-Wollen im Sperma?

... das ist hier die Frage, ob's edler im Gemüt, die Pfeil' und Schleudern der wütenden Kritik erdulden ... Auch für Hamlet könnte gelten: "Ein Buch wie eine Kotztüte. Man weiß, was kommt" (P.B.). "Schon diese Stelle ist ein kleines Meisterwerk. Ein nur scheinbar harmloses Zeugnis für die bestürzende Sachkenntnis des Verfassers" (Loriot, Literaturkritik). Schlinks (bisweilen unfreiwillig komisch) verklausulierten Bildungsroman reduziert auf menschliche Ausscheidungen und eine "onanistische Figuration" (P.B.), "das ist fein beobachtet. Jedermann weiß, wie peinlich solche Stellen gerade bei Literaten minderer Qualität wirken können" (Lo.). Und dann auch noch den genialischen Labor-Protokollanten (und Schlink-Vorbild) Stendhal eingeflochten! Tja, der hat sein Motto "To the Happy Few" Shakespeares Henry V entlehnt, dem königlichen Saint-Crispin-Speech: "This story shall the good man teach his son". Freilich fühlt sich der Kritiker erhaben über schreibende "Professorenbürschchen", die - so scheint's - nur vomieren und im Schweiße baden: "Ach, weshalb dies und nichts anderes?" (Beaumarchais). Was bleibt uns bekennenden Donaldisten ("We band of brothers") ob dieses Verrisses! Spotz, Würg. Das hält Schlink locker aus.