Siegfried Lenz ist einer der prominenten Unterstützer des “Heidelberger Appells“

Im „Heidelberger Appell“ warnen Verleger und Autoren vor der Aushöhlung des Urheberrechts durch die Methoden von Google. Hier erklärt Roland Reuß, der Inititator des Appells, warum die Erosion des Urheberrechts unsere gesamte Kultur massiv bedroht. Von Roland Reuß

Lesermeinungen zum Beitrag

26. April 2009 09:10
Paradigmenwechsel  
Mona Vogelsang (Aghapi)

Ja, ich finde auch, dass früher alles besser war und habe keine Lust, mich umzustellen, den Inhalt meines Kopfes einzusetzen zur Überlistung derjenigen, die mich übertölpeln wollen. Da rufe ich doch lieber gleich nach Robbin Hood, der meine Pfründe wahren soll. --- Ich sehe eher Chancen, auch für ungelesenere Autoren, ein Publikum zu kreieren. Wenn ein Buch für mich wichtig ist, will ich, dass es mich begleitet, auch in gedruckter Form. Das meiste, was ich mir derzeit versehentlich zulege, schenke ich sofort weiter, vielleicht findet es einen Liebhaber. ---- Kultur ist nicht statisch, wird definiert durch die Konsumenten. Wenn eine Kulturdienstleistung nicht mehr als wichtig angesehen wird, verschwindet sie und man kann kein Geld mehr mit ihr verdienen. --- Vielleicht reichen die Gedanken der Antike, viel Neues ist nicht dazugekommen.

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26. April 2009 07:42
Der Autor hat das Urheberrecht.  
norbert doerre (ndoerre)

Verlage haben quasi die Funktion von Maklern, die sich regional betätigen und versuchen, Objekte an den Mann zu bringen, die Anderen gehören. Es mag ja sein, daß dieses Geschäft jahrhundertelang so funktioniert hat, mangels Konkurrenz und mangels der neuen Medien. Doch bereits der Fernschreiber hat die Grenzmarkierungen überwunden und für offene Grenzen, aber auch für mehr Transparenz gesorgt. Der "Heidelberger Appell" beschwert sich darüber, daß Verlage aus dem Urheberrecht von Autoren nicht mehr die Gewinne erwirtschaften können, wie es in früheren Zeiten möglich war. Die Autoren sind in der Regel dabei immer die Dummen, einer Maklerstruktur ausgeliefert, die die Früchte ihrer Arbeit abschöpfen. Wenn sie sich dabei auf das Urheberrecht beziehen, dann mißbrauchen sie das Recht des Autors auf die eigene Wahl des Vertriebsweges. Sie binden den Autor an ihr Vertriebsprogramm und zahlen so gut wie nichts dafür. Der Autor hat das Urheberrecht und nicht der Verleger. Der Autor, und nicht der vertriebsbeschränkte Verleger der alten Papierwelt hat heute alle Möglichkeiten, sein Werk mit optimaler Verbreitung und für sich gewinnbringend zu veröffentlichen.

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26. April 2009 07:27
Waisen und das (Menschen-)Recht auf Wissen  
Rüdiger Drischel (rudyguy)

Die Heidelberger Appellierer, übersehen: Google rettet "totes" Wissen. Es geht vorrangig um so genannte "orphans", Bücherwaisen die zumeist in Bibliothekskatakomben schlummern, von niemandem mehr vermarktet werden und irgendwann der Wissenswelt fehlen. Google verhindert, dass dieses Wissen verschwindet, für die Menschheit nicht mehr zugänglich ist. Sind da Erlöse aus Vermarktung (Werbung, Ebook) teilt sich Google diese zu je 1/3 mit Verlegern und Autoren (falls niemand mehr vorhanden, ersatzweise deren Verbände und einem Stiftungspool). Vermarktungsrechte aktueller Literatur werden nicht angetastet! So weit, so fair: Google bedroht nicht, Google rettet ein Stück Kultur. Nicht nur Google, auch Open Content betreiben für die Erfassung, Dokumentation und somit Retten von "totem" Wissen einen hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand. Jeder, auch die Heidelberger Appellierer, kann dasselbe tun! Wie halten es jene mit dem (Menschen-)Recht auf zugängliches Wissen?

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26. April 2009 02:26
Urheberrecht verhindert nicht kostenloses publizieren  
Klaus Ullrich (NicolausCusanus)

Herr Ziesemann - Sie haben Recht: Ja, es gibt tausende von Autoren, die freiwillig! geistige Werte bei der Arbeit an Wikipedia geschaffen haben. In dem Artikel von Herrn Reuss geht es jedoch um Autoren, die nicht wollen, dass ihre Arbeiten im Internet ohne ihre Zustimmung veröffentlicht wird, die also "unfreiwillig" im Internet veröffentlichen.
Das Urheberrecht besagt doch nichts weiter, als das der Urheber geistiger Werte selbst bestimmen kann, was mit seinen Werken passiert. Wenn er sie kostenfrei im Internet veröffentlichen möchte, kann er dies tun, wenn nicht, darf er nicht dazu gezwungen werden.
Diejenigen Autoren, die ihre Werke kostenlos veröffentlichen verdienen ihren Lebensunterhalt auf andere Weise, als durch publizieren; aber es gibt auch Autoren, die ihren Lebensunterhalt durch publizieren verdienen. Beide werden durch das Urheberrecht geschützt.

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26. April 2009 01:35
Zukunft des Buchdrucks  
Paul Seelig (pseelig)

So schön es ja auch sein mag, Literatur jeglicher Couleur frei via Internet bekommen zu können, so würde ich mir als Leser doch sehr wünschen, es in Papierform lesen zu können. Diese elektronischen Lesedinger mögen ja ganz modern und fortschrittlich sein, aber ich finde diese Geräte eher verdächtig und überflüssig. Da wäre mir eine Art von Print-on-Demand zur Erstellung von nur elektronisch verfügbaren Lesestoffen doch lieber. Vielleicht sollte sich ein findiger Verleger auch hierzulande mal mit dem Thema auseinandersetzen, anstatt immer nur das Sterben alter überkommener Strukturen verhindern erzwingen zu wollen. In Grossbritannien scheint man in dieser Hinsicht schon etwas weiter zu sein:
http://money.cnn.com/magazines/fsb/fsb_archive/2006/12/01/8395114/index.htm?postversion=2006121409
http://www.guardian.co.uk/books/2009/apr/24/espresso-book-machine-launches/print

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26. April 2009 00:21
der Dämon Google  
Ronald Glas (soondecember)

Das Kulturgut des Abendlandes wird also durch Google bedroht. Was im Artikel völlig fehlt ist der Beleg für Googles urheberechtliche Zerstörungswut.
Bei der Googlebuchsuche werden an sich nur ältere Texte im Volltext gezeigt, soweit es einzelne jüngere Bücher geben sollte, müsste man schon schauen ob sie vom Autoren nicht freigegeben sind. Mir persönlich sind jedenfalls keine signifikanten Verstösse aufgefallen.
Im Bereich der Bilderanzeige muss man sagen, dass beim Bilderurheberrecht ein zeitgemässes Kleinzitatsrecht fehlt (z.B. für "Thumbnails"-Kleinstbilder), damit wird auch die gesellschaftliche Diskussion um umstrittene Bilder (Beispiel Magermodellwerbung) blockiert. Insbesonder Privatleute können kaum mehr zu Bilder auf der eigenen Homepage Stellung nehmen, hier werden auch demokratische Grundrechte blockiert.
Der Wissenschaftsbetrieb ist auch kein gutes Beispiel für Googlezerstörung, für die unzähligen Doktorarbeiten der vielen Unis findet sich in 95 % der Fälle kein Verlag der sie für den Autor kostenfrei publiziert, daher ist die Internetveröffentlichung sinnvoll und fördert die Wissenschaft und die Karriere der jungen Doktoren.

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25. April 2009 21:47
Es gibt Länder mit Autoren, die so gut sind, daß sie keine Verlage brauchen.  
Michael Menzel (Galenos)

Und die Autoren in den Ländern in denen keine straffe Verleger-Mafia mit ihren unübersehbaren Trittbrettfahrern herrscht, sind stolz darauf, wenn ihre Elaborate trotzdem gedruckt werden. Es ist ja grotesk, daß da einer vor 50 oder 70 Jahren EIN Buch schreibt und damit rechnen darf, daß er dafür bis ans Lebensende ausgesorgt hat einschließlich seiner Nachkommen. Man kann dieses verlogene Geseiere der Verlage nicht mehr hören, daß man ja nur die Interessen der Autoren vertrete. Die werden entmündigt und dürfen froh sein, überhaupt namentlich erwähnt und mit ein paar Kröten abgespeist zu werden. Schon mal was davon gehört, daß die Gesellschaft, die Menschheit ein Recht darauf hat, Wissen aus den Erkenntnissen eines aus ihrer Mitte zur freien Verfügung zu bekommen? Die elenden Krämerseelen verlangen ja noch Geld dafür, daß die Weisheiten der griechischen Weisen aus der Antike ebenso wie die Relativitätstheorie Einsteins in gedruckter Form zur Verfügung gestellt werden. Kein Mensch hat etwas gegen Erstattung von Herstellungskosten, aber wir sind schon längst so weit, daß sich Studenten wichtige Bücher nicht mehr kaufen können weil die Preise wahnwitzig sind und nicht einmal lebende Nachkommen der Autoren da sind.

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25. April 2009 20:37
Ziesmann hat recht, und Reuss sieht nicht weit genug  
Matthias Rüttgen (MRuettgen)

Reuss mag ja völlig recht haben damit, dass es nicht schön ist, den Autoren die Rechte zu nehmen. Ich halte es auch für problematisch, dass Menschen, die im Supermarkt die Produkte nicht einfach stehlen, bei geistigem Eigentum völlig ungeniert zugreifen. Aber eines der Probleme ist doch tatsächlich, dass nur ein Bruchteil der Autoren überhaupt ihre Veröffentlichungen kontrolliert. Über das Urheberrecht zu sprechen ist albern. Denn die Autoren haben zwar ein unveräußerliches Urheberrecht. Aber das nützt nicht. Sie sind meist gezwungen, das entscheidende Nutzungsrecht an andere, nämlich die Verlage und andere, abzugeben. Die meisten Autoren in Deutschland haben nicht einmal das Recht, ihre eigenen Texte zu Hause am Drucker auszudrucken und zu verschenken.

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25. April 2009 19:50
Nette These aber wahr?  
Jurgen Ziesmann (jziesmann)

Die Veroeffentlichung von Material durch google soll also die Schoepfung von neuen Erkenntnissen gefaehrden? Eine nette These, auf den ersten Blick auch einleuchtend, - aber wahr?
Wie kann man dann den Erfolg von Wikipedia oder dem "firefox" browser erklaehren. In beiden Beispielen arbeiten tausende von Autoren - unbezahlt und freiwillig - and der Schoepfung von geistigen Guetern - und haben damit unglaubliche geistige Werte geschaffen und fuer die Gesellschaft frei zur Verfuegung gestellt.
Herr Reuss warnt davor dass Forschung in den Naturwissenschaften nicht mehr frei sei ohne Urheberrecht. Er uebersieht dabei dass in the Natruwissenschaften den Forschern traditionell das Urheberrecht von den Verlagen kostenfrei abgenommen wird. Ich habe bisher 16 wissenscahftlich Artikel veroeffentlicht - und wahrend die Verlage tausende von Euro jaehrlich abkassieren fuer das Recht meine Artikel lesen zu duerfen, habe ich als Autor noch keinen einzigen Cent erhalten. Nur zu diesen Konditionen kann man als Forscher pubizieren.
Fuer mich als Forscher ist es nur gut wenn google meine Artikel weltweit frei zugaenglich macht. Als geistiges Eigentum habe ich meine Forschung schon laengst kostenfrei abgeben muessen - an die Verlage.

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25. April 2009 19:00
Und ewig grüßt das Mumeltier...  
Markus Leibold (MSL)

“Youth today love luxury. They have bad manners, contempt for authority, no respect for older people and talk nonsense when they should work." - Socrates, ca. 500 BC
Unsere Kultur ist seit mindestens 5000 Jahren in Gefahr und geht unter, zumindest wenn man die jeweils ältere Generation befragt. Man könnte sich langsam einmal daran gewöhnen oder aber einsehen, dass solcherlei Gerede Nonsens ist.

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25. April 2009 18:55
Buchtip: Against Intellectual Monopoly  
Paul Seelig (pseelig)

Um sich ein Bild davon machen zu können, was die angebliche Wahrung von Urheberrechten alles bisher zu be-/verhindern und verzögern fähig war, lohnt es sich, das kürzlich erschienene Buch "Against Intellectual Monopoly" von Michele Boldrin (University of Minnesota) und David K. Levine (University of California, Los Angeles) genauer durchzulesen. Es ist voll mit Fallbeispielen, welche belegen, wie die Entwicklung von Technologien durch Urheberrechte und Patente wesentlich behindert und verzögert wurden, angefangen bei James Watts Dampfmaschine.
http://www.cambridge.org/catalogue/catalogue.asp?isbn=9780521879286
Bezeichnernderweise ist das Buch nicht nur im Buchhandel verfügbar, sondern auch als PDF-Download auf der Webseite der Autoren:
http://www.dklevine.com/general/intellectual/againstfinal.htm

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25. April 2009 18:13
Wovon lebt die 'andere Generation'?  
Jens M. Lucke (JensMLucke)

Sehr geehrte(r) Zhe Zen - was Sie schreiben, ist genau das Problem. Das mangelnde Bewußtsein einer anderen Generation für die Eigentumsrechte Dritter. „...weil ich zu einer anderen Generation gehöre. Ich sehe es als einen grossen Gewinn an, dass ich mir zu jeder Zeit allerart Inhalte ob Bücher oder wissenschaftliche Arbeiten sehr schnell verschaffen kann und ich würde behaupten dieser Fakt trägt zur Gedankenfreiheit in unserer Gesellschaft bei.“ Dass das jederzeitige Beschaffen von Fernsehern und CD-Playern aus fremden Häusern zur Besitzfreiheit in unserer Gesellschaft beitragen würde, ist unbestritten. Aber das wäre Diebstahl. Bei Ihnen nicht?
Daran krankt es, dass dieser Zusammenhang nicht mehr begriffen wird. Wovon lebt eigentlich die ‚andere Generation‘? Gewiß nicht vom Publizieren, denn nach dieser Denkweise würde man dafür kein Geld mehr bekommen.
Die ‚andere Generation‘ wird mal nachdenken müssen, sonst gibt es morgen nichts mehr, was man ‚beschaffen‘ kann. Denn keiner kann es sich unter solchen Umständen noch leisten, Inhalte zum Beschaffen zu schaffen.

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25. April 2009 17:44
nach geltendem Recht  
Birgid Mueller (guayacahuala)

Herr Reuss: ich bin mit den - nach geltendem Recht - SIEBZIG Jahren Urheberrechtsschutz nicht einverstanden, weil dieser Zeitrahmen nicht mehr zeitgemaess ist. Die Welt dreht sich nunmal im Internetzeitalter schneller. Man kann sehr wohl darueber diskutieren, ob das Urheberrecht nicht wieder auf 15 Jahre zurueckgeschraubt werden soll - wie es auch zu Beginn dieses Rechts war. Warum muessen die Rolling Stones 70 Jahre lang an "I can get no satisfaction" verdienen? Warum muss denn Frau Rowling die naechsten 70 Jahre an ihrem Harry Potter verdienen? Wahrscheinlich "because they never get satisfied".
Das Gesetz ist nicht unwandelbar und fuer alle Zeiten festgeschrieben. Die Zeitspanne des Urheberrechts kann durchaus neu betrachtet werden. Der technologische Wandel laesst sich nicht zurueckschrauben, auch nicht durch das "Heidelberger Appell".

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25. April 2009 17:17
Ja, in den USA sieht man es lockerer  
fritz Teich (fazfazfaz123)

Man sieht es lockerer, weil sich die Urheber, jedenfalls soweit es google betrifft, auf wirkliche Probleme konzentrieren, statt Juristerei nach Art eines Oberlehrers zu betreiben. Der Hauptschuldige an der real, existierenden mp3 Tauscherei, die angesprochen wurde, obwohl es sich dabei um etwas ganz anderes handelt, sitzt uebrigens nicht in den USA, sondern irgendwo in Deutschland, hat aber auch mittlerweile Massen von Nachahmern in jeder Sorte Ausland. Das OLG Koeln hat sich einmal mit ihm beschaeftigt, fand ihn ok. Lockerer heisst auch zum Beispiel auch zuzugeben, dass es viel besser ist, wenn sich vier Freunde zusammen ein Exemplar einer Software mit saemtlichen Handbuechern usw kaufen, als keiner. Dafuer fehlen dem Juristen die Begriffe, dahin geht aber der Lauf der Welt. Dass man es aber teilweise in den USA auch gar nicht locker sieht, zeigt der DMCA. Die Idee, die Folgen der Digitalisierung mit Hilfe des Kopierschutzes einzudaemmen, lies sich aber letztlich nicht wirklich durchsetzen, jedenfalls hat sich der Markt gewehrt. Warum soll jemand fuer eine schlechte Sache, die er im Netz besser und umsonst bekommt, auch noch Geld bezahlen? Trotzdem kann man Geld verdienen. Man muss nur ein paar Illusionen aufgeben.

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25. April 2009 16:07
Missverständnis des Urheberpersönlichkeitsrechts  
Florian Cramer (cantsin)

Roland Reuß' Argumentation gegen Publikationszwänge ist mir zwar - übrigens als Befürworter von Open Access - sympathisch, doch scheint ihr ein grundsätzliches Missverständnis des Urheberpersönlichkeitsrechts (§ 12,1) zugrunde zu liegen. Dieses wäre nämlich nur dann tangiert, wenn es in Deutschland eine Allgemeinverpflichtung zur Publikation und ihrer Form gäbe. Vertragliche SelMuseum und einem Kurator über eine Katalogpublikation, schließt es natürlich nichbstverpflichtung, wie mit der DFG und anderen Forschungsorganisationen oder z.B. zwischen einem t aus. Den faktischen Zwang zur Publikation und einem bestimmten Format gibt es ja gerade auch in den Wissenschaften, nämlich in den Formatvorschriften für Doktorarbeiten und der Veröffentlichung als Bedingung des Doktortitels.
Kurzum, es ist schade, dass dieser Artikel und der "Heidelberger Appell" verschiedene Dinge (Forschungsförderung und Google Books) in einen Topf werfen und sich die Diagnose der "Erosion des Urheberrechts" zur Hälfte auf eine Fehlinterpretation stützt. Leider sind hier Autoren nicht nur mit heißem Herzen, sondern auch mit heißer Nadel am Werk.

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