FAZ.NET-Spezial: Kafkas Sätze

Von monströser Vieldeutigkeit verfolgt

Man versteht seine vielfachen Äußerungen des Gejagt- und Beladenseins, auch das Fragmentarische seines Werkes womöglich besser, wenn man unterstellt, dass er nicht schreiben konnte, ohne sofort der monströsen Vieldeutigkeit fast jedes Satzes gewahr zu werden. Je älter Franz Kafka wurde, desto hartnäckiger widmete er seine ganze Energie dem einen Satz. „Meine Kraft“, heißt es einmal, „reicht zu keinem Satz mehr aus. Ja, wenn es sich um Worte handeln würde, wenn es genügte, ein Wort hinzusetzen, und man sich wegwenden könnte ...“

Keine nachfolgende Generation hat sich von seinen Sätzen wegwenden können. Es sind Bibliotheken zu seinem Werk erschienen, Tausende und Abertausende von Deutungen. Was immer ihm vorschwebte - in der Rezeption hat er erreicht, was nur den größten Texten vorbehalten ist: Legionen von Kommentatoren haben sich über seine Texte gebeugt wie über die heiligen Schriften, und nicht wenigen schien eine Antwort auf das Rätsel seiner Literatur wie eine Antwort auf die Rätsel selbst.

Zum 125. Geburtstag Kafkas können wird diesen Schriftsteller nicht besser würdigen als dadurch, dass wir uns seine Sätze anschauen. In dieser Serie stellen unterschiedliche Autoren, von Peter von Matt bis Marcel Reich-Ranicki, ihren Satz Kafkas vor und deuten ihn.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Franz Kafka

 

Kafkas Sätze (72)

Die Bedingung der Hoffnung

Im achten Oktavheft schickt Kafka ein kleines Boot in Richtung Kap der guten Hoffnung - während der Seemann sich friedlich zurücklehnt. Hubert Spiegel untersucht in der letzten Folge unserer Serie über Kafkas Sätze den theologischen Überbau dieser widersprüchlichen Seefahrt.

Kafkas Sätze (71)

Ganz neue Welten

Kafkas Nachlass wurde korrigiert, bevor man ihn veröffentlichte. Dabei verursachte ein nachträglich eingefügtes Komma in der Erzählung „Der Prozeß“ eine grundlegende Veränderung. Harald Bost hält sich an das Original und öffnet damit ganz neue Türen der Interpretation.

Kafkas Sätze (70)

Der Humor des Melancholikers

Kafka fiel es von jeher schwer Zukunftspläne zu machen. Zu sehr hatte er mit der Bewältigung der Gegenwart zu tun, als dass er auch noch nach vorne blicken konnte. Henning Ritter über die Immobilität des Melancholikers Kafka.

Kafkas Sätze (69)

Eine gläserne Wand

Beim Schreiben der Novelle „Beschreibung eines Kampfes“ äußert Franz Kafka den Wunsch, in seinen Text hineinzuspringen. Patrick Bahners über einen Perspektivwechsel, der nicht durch einen Zaubertrick, sondern nur durch einen Gewaltakt möglich wird.

Kafkas Sätze (68)

Großaufnahmen von Gesten

Es stehen bei Kafka unzählige Sätze, die dem Leser eine ungewöhnliche Körperhaltung oder Sinneswahrnehmung beschreiben. Es gibt Gefühle und Gesten, von denen man meinen könnte, man kennte sie erst, seit man ihn las. Von Jürgen Kaube

Kafkas Sätze (67)

Von harmloser Animalität

Das Vertrauen, das Karl Roßmann seinen zwielichten Weggefährten entgegenbringt, ist von kindlicher Naivität. In Kafkas Erzählung „Der Verschollene“ wird der junge Mann zahlreichen Demütigungen ausgesetzt - ohne in irgendeiner Weise Bosheit dahinter zu vermuten. Von Edo Reents

Kafkas Sätze (66)

Das drohende Gericht

In Schaffenskrisen diente Goethe dem entmutigten Franz Kafka als produktives Vorbild. Bis nach Weimar reist er, um seinem literarischen Geiwssen Goethe auf der Spur die Mattheit zu besiegen. Von Arnd Rühle

Kafkas Sätze (65)

Der Einzelne ohne Mandat

Ein Mandat zu vertreten ist immer mit politischer Legitimation verbunden. Kafka will sich nur seinem eigenen Recht verpflichten und trifft damit, so Otto Karl Werckmeister, genau ins Schwarze der gegenwärtigen politischen Kultur.

Kafkas Sätze (64)

Amtssprache als Brennspiegel

Leicht wird über Kafkas rätselhaften Werken vollkommen vergessen, womit er sein täglich Brot verdiente. Dietmar Bartetzko wirft einen Blick auf den Beamten Franz Kafka, dem die Bandwurmsätze des Amtsdeutsch scheinbar als Fingerübungen dienten.

Kafkas Sätze (63)

Kulturnation ohne Kultur

In seiner Geschichte vom Volk der Mäuse und der Sängerin Josefine beschreibt Kafka das Rätsels der Kunst. Kerstin Holm über den kaum zu beschreibenden Unterschied zwischen Kunst und Nicht-Kunst, der manchmal so existentiell zu sein scheint.

Kafkas Sätze (62)

Die Evidenz des Augenblickes

Kafka hat den Mythos des Prometheus, dem täglich ein Adler ein Stück seiner Leber aus dem Leib reißt, gleich viermal geschrieben. Mark Siemons verfolgt die Entwicklung des Helden und stellt ihn in ein zeitgenössisches Umfeld.

Kafkas Sätze (61)

Keine Ahnung von Unrecht

In Kafkas Erzählung „Auf der Galerie“ beobachtet ein junger Mann den Salto mortale einer Kunstreiterin und beginnt, ohne es zu wissen, zu weinen. Kurt Flasch über Selbstüberwindung, Selbstaufgabe und Kafkas Talent, die Unfassbarkeit zu gestalten.

Kafkas Sätze (60)

Entzauberung der Antike

Kafka entzaubert die Antike. Die List, mit der Odysseus die Sirenen überwand, war nichts anderes als eine grandiose Selbsttäuschung. Sabine Döring über die Geburt des modernen Helden aus dem Geist subjektiver Überzeugung.

Kafkas Sätze (59)

Noch die besten Anfänge sind nichts

Als er wusste, dass es zu Ende ging, musste Kafka seine Eltern von einem angekündigten Besuch im Hoffmannschen Sanatorium in Kierling abhalten. Andreas Platthaus über eine Lüge, die der Dichter nicht zu Ende bringen konnte.

Kafkas Sätze (58)

Schwere und Leichtigkeit

In einem Oktavhefteintrag schreibt Kafka in einem Ton, der deshalb so leicht sein mag, weil er sich an diesem Morgen vom persönlichen Versagen frei fühlt. Susanne Klingenstein über einen ungemein witzigen Vergleich der untergehenden Großreligionen, der Kafka so gelingt.

Kafkas Sätze (57)

Kassensturz der Mythen

Kafka hat gegenüber den griechischen Mythen seine eigene Form der Ironie. Ihre Erhabenheit trocknet er mit nüchterner Verwaltungssprache aus, er zieht sie in den Kreis von Inventur und Kassensturz. Poseidon darf nicht mehr die Meere durchstreifen. Er muss rechnen. Von Durs Grünbein

Kafkas Sätze (56)

Verirrungen mit Mädchen

Zu Irma Stein, der Tochter seines Vermieters, unterhielt Kafka ein schwer zu durchleuchtendes Verhältnis. Sie gehörte zu den Frauen, denen Kafka nicht widerstehen konnte, ohne dass es ihm die Zunge aus dem Leib gerissen hätte. Was das heißen mag, interpretiert Hartmut Binder.

Kafkas Sätze (55)

Die einsame Wahrheit des Künstlertums

Ein Künstler muss bis an seine Grenzen gehen, um das Publikum zu begeistern. Warum das Entbehren und die Kunst untrennbar miteinander verwoben sind, zeigt Ralph Dutli anhand eines Satzes aus Kafkas Parabel „Der Hungerkünstler“.

Kafkas Sätze (54)

Der Fluch des Vertrauens

Eigentlich ist das große Tier stark. Und doch ist es auf seltsame Weise an seinen Bau gebunden. Eine Art Vertrauensbund macht es ihm unmöglich, frei zu sein. Ein Satz aus Kafkas Erzählung „Der Bau“ lässt Rose-Maria Gropp bei jeder Lektüre wieder auf einen guten Ausgang hoffen.

Kafkas Sätze (53)

Schwebende Unentscheidbarkeit

In Kafkas Erzählung „Das Urteil“ verdammt der Vater den eigenen Sohn zum Selbstmord. Klaus Reichert hat sich dieses Todesurteil genauer angesehen: Es scheint Seltsamkeiten zu geben, die nur durch grammatisch „Falsches“ in Worte zu fassen sind.

Kafkas Sätze (52)

Ein Ideal aus den Angeln hebeln

Unter den unzähligen rätselhaften Sätzen Kafkas ist dies sicher einer der vertracktesten, ein Meisterstück der Selbstverunmöglichung: Kafkas Wunsch, ein Leichtathlet zu sein, betrachtet von Gerhard R. Koch.

Kafkas Sätze (51)

Scham bedeutet Hoffnung

Wenn die Scham so groß ist, dass sie uns überlebt, bedeutet sie Hoffnung. Hoffnung auf Weiterleben. Es muss schließlich jemanden geben, der die Scham empfinden kann. Joachim Kalka über den letzten Satz aus Kafkas Roman „Der Prozeß“.

Kafkas Sätze (50)

Aus der Irrfahrt ist ein Ausflug geworden

Zwei Worte reichen aus, um eine Situation zu beschreiben, die wir uns nicht vorstellen können. Unser Sprachgebrauch meldet Nonsens: Der Autor Ingo Schulze über einen Satz aus Kafkas kurzer Erzählung „Der Ausflug ins Gebirge“.

Kafkas Sätze (49)

Die Gerechtigkeit muss ruhen

Wie soll Gerechtigkeit walten, wenn die Waage der Justitia nicht im Gleichgewicht ist? Und wie soll gerechte Sühne für begangene Taten geleistet werden, wenn das Schwert zum Urteilsvollzug fehlt? Wulf Segebrecht über die Legetimation des Gerichts in Kafkas „Das Urteil“.

Kafkas Sätze (48)

Kanarienvögel wollen fliegen

Auch ein Kerker ohne Insassen wird sich irgendwann einsam fühlen. Charles Simic nimmt Kafkas Idee auf und schreibt daraus seine eigene Geschichte: Ein einsamer Käfig geht auf Weltreise, auf der Suche nach sich selbst und einem Vogel.

Kafkas Sätze (47)

Die Sehnsucht des Trapezkünstler

Einen Brief an den Herausgeber einer Zeitschrift, dem Kafka einen Beitrag zugesagt hatte, schließt der Autor mit einem Satz über die Situation, die in Kafkas Schreiben und Leben dominiert wie keine andere. Gerhard Neumann über die Kommunikationsaporie des Jahrhunderts.

Kafkas Sätze (46)

Den eigenen Worten lauschen

Kafka war selbst ein großer Fan des Vorlesens. Erst wenn er auch den Klang seiner Worte vernahm, konnte er sicher sein, dass sie die gewünschte Wirkung erzielten. Auch der Kafka-Experte Hans-Gerd Koch ist der Meinung, dass das Laut-Lesen ganz neue Wege der Lektüre öffnen kann.

Kafkas Sätze (45)

Die Macht des Konjunktivs

Sie rühren an Fundamente menschlicher Existenz, an die Fähigkeit, zu denken, zu planen und mithin zu hoffen: Der Germanist Gerhard Schulz über Sätze aus Kafkas letzter Erzählung und die geheimen Tunnel zwischen dem Prinzip Hoffnung und dem Prinzip Angst.

Kafkas Sätze (44)

Schrecklich und komisch zugleich

Viele von Kafkas Sätzen wurden schon oft zitiert - zu oft vielleicht. Reiner Stachs Interesse gilt den einfachen Details, über die häufig einfach hinweggelesen wird. Die wenigen Zeilen, die Kafkas Werke meist umfassen, stecken voller unscheinbarer Berechnung.

Kafkas Sätze (43)

Die Ursprungslandschaft des Kafkaschen Schreibens

Kafka fühlte sich seltsam weit entfernt- von seinen Mitmenschen, der ganzen Weltgeschichte und nicht zuletzt von sich selbst. Und doch war da immer eine Nähe, die es ihm unmöglich machte seine Weltgeschichte nicht zu erzählen. Von Ernst Osterkamp

Kafkas Sätze (42)

Ein echter Diplomat

Die Faszination von Kafkas Werken liegt vielleicht darin, dass sie nie eindeutig sind. Sie lassen immer viele Lesearten zu. Der Diplomat Hans-Heinrich Wrede zitiert Kafka in einer Nato-Verhandlung und erntet dafür ungewohnten Beifall.

Kafkas Sätze (41)

Das Dementi dementieren

Sie wäre die Frau gewesen, die Kafka aus seiner Einsamkeit gerettet hätte. Er hätte sich nicht länger in schöne Worte flüchten müssen. Aber eigentlich sind es ja gerade seine Worte, die sie faszinieren. Eine Liebeserklärung an Franz Kafka. Von Friedmar Apel

Kafkas Sätze (40)

Die Sprache der Verlierer

Der Weltrekordhalter im Schwimmen kann gar nicht schwimmen, und als er in der Heimat eine Dankesrede hält, spricht niemand seine Sprache. Karlheinz Fingerhut zieht Parallelen zum selbstbewusst schreibenden Kafka, der immer wieder von Selbstzweifeln geplagt wird.

Kafkas Sätze (39)

Kafkas Menschen sind verzweifelt

Kafka veröffentlichte zu Lebzeiten nur wenige seiner Werke. Alle Übrigen, so gab er Max Brod in Auftrag, sollten nach seinem Tod restlos verbrannt werden. Jakob Hessing über Kunst aus Verzweiflung und die Lektüre als Vertrauensbruch. Von Jakob Hessing

Kafkas Sätze (38)

Mäuse treiben keine Geschichte

Er handelt von der Dialektik des historischen Gedächtnisses und ist aus jenem Geschlecht von Kafka-Sätzen, die ihre zweite Bedeutung im Widerspruch zur ersten enthüllen: Der Germanist Peter-André Alt über den letzten Satz aus Kafkas letzter Erzählung.

Kafkas Sätze (37)

Kafka = Literatur

Kann ein Autor nur aus Literatur bestehen? Paul Ingendaay hat berechtigte Zweifel an Kafkas Selbsteinschätzung. Denn seine Briefe an die Verlobte Felice Bauer sind verstörendes Zeugnis des ständigen Kampfes um und mit der Liebe.

Kafkas Sätze (36)

Ernsthaft, aber zu langsam

Kafka scheiterte bei der Vollendung seiner Werke immer wieder an unendlicher Sorgfalt. Er selbst wertet dieses Unvermögen kritisch. Henner Löffler dagegen hält Kafka gerade wegen seines langsamen Arbeitens für vollkommen.

Kafkas Sätze (35)

Das komische Talent eines Schmerzensmannes

Fluchtartig verlassen die Zuhörer eine Lesung Bernhard Kellermanns. Kafka bleibt, beobachtet und kann sich ein wenig Schadenfreude nicht verkneifen. Bernd Eilert über die humoristische Seite Kafkas.

Kafkas Sätze (34)

Die Schönheit des Gestrüpps

Kafka lesen heißt, im Schriftgestrüpp unablässig zu suchen. Kafka kennen kann man nicht, ihn entdecken jederzeit. Michael Lentz über einen Satz, der Kafkas Gesamtwerk als Motto vorangestellt werden könnte.

Kafkas Sätze (33)

Und alles ist wieder nichts

Kafkas nachgelassene Geschichte „Das Stadtwappen“ erzählt vom babylonischen Turmbau und handelt eigentlich von der Vielvölkerstadt Prag. Ihr vorletzter Satz jedoch ragt hinaus in die Geschichte aller Städte, findet Andreas Kilb.

Kafkas Sätze (32)

Neben Abraham und Moses

„Wenn wahr ist, dass die Gerechten anders befleischt im Himmel weiterleben, so ist auch wahr: Kafka hat seinen Platz neben Abraham und Moses.“ - Die Autorin Sibylle Lewitscharoff über einen Satz, eigentlich zwei Sätze aus dem Werk Kafkas.

Kafkas Sätze (31)

Sie legen alles in den Augenblick

Franz Kafka war ein besessener Beobachter von Schauspielern. Sie repräsentierten ihm die schiere Gegenwart - ohne Vergangenheit und Zukunft und ohne verzerrende Hochrechnung. Eine Deutung von Karl Heinz Bohrer.

Kafkas Sätze (30)

Ein Wunsch, der ins Leere geht

In seinem ersten Prosatext schreibt Kafka von dem Wunsch, Indianer zu werden. Er wirft einen Sehnsuchtsblick in die Welt der einsamen Helden, der Pfadfinder und Pioniere. Restloser allerdings könnte sein Wunsch nicht enttäuscht werden. Von Heinrich Detering

Kafkas Sätze (29)

Der Mann mit der verdrehten Körperhaltung

Die Prosagebilde Kafkas kamen ihm immer wie mannlose Raumschiffe vor, die neben der Welt schweben. Ernst-Wilhelm Händler über einen Satz, den Kafka am 17. Dezember 1913 in sein Tagebuch schrieb. Von Ernst-Wilhelm Händler

Kafkas Sätze (28)

Der Messias der Schakale

Es sind häufig ganz unscheinbare Abweichungen von der Standardsprache, die Kafkas Sätzen ihre erhellende Kraft verleihen. So muss man bei einem Satz, den man zu Beginn der Erzählung „Schakale und Araber“ findet, ganz genau hinschauen. Von Roland Reuß

Kafkas Sätze (27)

Vom Kampf gegen die Erlösung

Als der Theosoph Rudolf Steiner im Jahr 1910 Prag besucht, lässt sich auch Franz Kafka zu einer Privataudienz verleiten. Er fühlt einen Teil seines Wesens der Theosophie zustreben, hat aber gleichzeitig höchste Angst vor ihr. Eine Interpretation von Eckhard Heftrich.

Kafkas Sätze (26)

Es ist nur ein Arzt

Der Arzt soll alles können, und wird er um so härter zur Verantwortung gezogen, wenn er es nicht kann: „Und heilt er nicht, so tötet ihn! / 'S ist nur ein Arzt, 's ist nur ein Arzt“, schreibt Kafka im seiner Erzählung „Der Landarzt“. Eine Interpretation des Verlegers Klaus Wagenbach.

Kafkas Sätze (25)

Kreisel unter der Peitsche

Am Anfang geht es um ein Kinderspiel, in das sich, mit einem Hauch von Komik, ein Erwachsener mischt, am Ende blitzt die ungeschminkte menschliche Qual auf: Ruth Klüger über einen Satz Franz Kafkas.

Kafkas Sätze (24)

Die schönste Liebeserklärung der Weltliteratur

Kafkas Botschaft an Felice vom 26. November 1912, eingebettet ins Erschrecken und ins Sterben, ist von melodiöser Eleganz - und zugleich, wie Sprachexperte Wolf Schneider meint, perfekt konstruiert.

Kafkas Sätze (23)

Weit entfernt von Not und Pein

Welch ein zauberhafter Satz! Er verwandelt den Knaben-Männer-Traum, ein Indianer zu sein, in eine Wort- und Bilderfolge, die semantisch wie rhythmisch eine hinreißende Dynamik entfaltet. Helmuth Kiesel über einen Satz Franz Kafkas.

Kafkas Sätze (22)

Treue zum ersten Eindruck

„Unter den Sternen“: Das kann jeder sagen, und doch ist es hier wie zum ersten Mal gesagt. Und versiegelt dem, der es ausdeuten möchte, die Lippen. Harald Hartung über einen Satz Franz Kafkas.

Kafkas Sätze (21)

Das Papier ist die Bühne

Nur einmal schrieb Kafka, der ein Theaternarr war, ein Drama. Es blieb Fragment, Kafka nannte es selbst dilettantisch. Wie auch hätte er seinen Text einem Regisseur und Schauspielern überantworten können? Eine Interpretation von Silke Scheuermann.

Kafkas Sätze (20)

Der magische Ursprung einer Schuld

Kafka vergisst, einem Schreiben an seinen Verlag ein Inhaltsverzeichnis beizufügen. Plötzlich ergreift ihn Verzweiflung. Diesen Fehler könne er niemals wieder gutmachen, schreibt er. Ein Satz, der aus dem Rahmen fällt oder einen Rahmen durchbricht. Von Annette Pehnt

Kafkas Sätze (19)

„Es gibt nur eine geistige Welt.“

Das Böse ist in die Welt gebracht. Kafka setzt es dem Sinnlichen gleich und dem Geistigen entgegen. Deshalb schreibt er: „Es gibt nur eine geistige Welt, was wir sinnliche nennen, ist das Böse in der geistigen.“ Eine Interpretation von Michael Maar.

Kafkas Sätze (18)

„Der Reisende redete leiser“

Wer glaubt heute noch allen Ernstes daran, dass es den Schriftsteller Franz Kafka tatsächlich gegeben hat? Unser Autor Dietmar Dath jedenfalls nicht.

Kafkas Sätze (17)

„Eine Nuß aufknacken ist wahrhaftig keine Kunst“

Was meinte Kafka, als er schrieb: „Eine Nuss aufknacken ist wahrhaftig keine Kunst.“ Wenn alles, auch die Kunst, zur Regel wird, muss der Künstler den Erwartungshorizont brechen und sich dem Einfachen zuwenden. Er muss dann vom Virtuosentum lassen, um das Wahre von unten herauf zu entdecken. Von Oliver Jungen

Kafkas Sätze (16)

Die riskanten Kalküle der Moderne

Kafka schrieb: „Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie.“ Ein Satz, der nichts weniger als die Anfangsgeschichte der Moderne beschreibt, die alles Unvorhersehbare stets mitberechnen muss. Von Tobias Döring

Kafkas Sätze (15)

An der Quaderbrüstung

Es ist ein Moment der Ruhe, ein Satz wie Kafka sich selbst sehen wollte. „Einer, der an der Quaderbrüstung lehnt und in das Abendwasser schaut, die Hände auf alten Steinen.“ Da wird Kafka zum Prager Gefährten. Ein lyrischer Satz, nicht aus seinen Romanen, sondern aus dem Brief an Oskar Pollak. Von Peter Demetz

Kafkas Sätze (14)

„Im Süden ist, glaube ich, alles möglich“

Was meinte Kafka, als er schrieb: „Im Süden ist, glaube ich, alles möglich. Dort abgeschlossen leben und sich von Gras und Früchten nähren.“ Wenn ihm der Süden ein Sehnsuchtsort war, warum fuhr er dann selbst nie dorthin? Hanns Zischler sucht nach Antworten.

Kafkas Sätze (13)

"Nun muß ich aber nach Hause gehen."

Rilke behauptete, jede Zeile Kafkas sei für ihn „auf das eigentümlichste mich angehend oder erstaunend gewesen“. Brigitte Kronauer zweifelt erst, lässt dann den Zufall walten und entdeckt so auch in dem scheinbar banalsten Satz einen reinen Kafka: durchsichtige Oberfläche, hohes spezifisches Gewicht.

Kafkas Sätze (12)

Vom Hinken

Montaigne hat den Hinkenden gleich einen ganzen Essay gewidmet und Canetti immerhin einen zauberhaften Satz. Kafka indes lässt die hinkende Nachbarin des Josef K., wie sie ist: blass. „Wie gern hätte ich mehr über Fräulein Montag gewusst“, seufzt Lorenz Jäger.

Kafkas Sätze (11)

Ein Satz, der sein ganzes Unglück enthält - und unser ganzes Glück

Lange Zeit habe er Franz Kafka gehasst, gesteht Denis Scheck: Sein Leben, von dem er wenig wusste, sein Werk, von dem er wenig kannte. Dann zeigt er uns einen Satz, der das ganze Unglück Kafkas enthalte - und das ganze Glück, ihn zu lesen.

Kafkas Sätze (10)

Der Satz tut mir heute noch weh

Bekanntlich endet „Das Urteil“ von Kafka damit, dass der bedauernswerte Georg Bendemann von der Brücke in die Tiefe springt. Bis dahin ist alles Erzählung, Bericht über ein beklagenswertes Schicksal. Der Schlusssatz ist anders. Von Wilfried Wiegand

Kafkas Sätze (9)

„Was willst du in unserer Welt?“

Ein Vogel schlüpft aus einem Ei und blickt ins Leben. „Was willst Du in unserer Welt?“, hat der Erzähler in Kafkas Erzählung Lust zu fragen. Doch dann schließt er mit dem Vogel einen Pakt. Eine Interpretation von Marcel Beyer.

Kafkas Sätze (8)

Die Fatalität des Denkens

Kafka schrieb: „Nichts, wenn man es überlegt, kann dazu verlocken, in einem Wettrennen der erste sein zu wollen.“ Wie kommt man auf einen solchen Satz? Freilich nur, wenn man überhaupt erst zu überlegen anfängt, meint Hans Magnus Enzensberger.

Kafkas Sätze (7)

„Von einem gewissen Punkt gibt es keine Rückkehr mehr“

Wohin führt dieser Satz Franz Kafkas: „Von einem gewissen Punkt gibt es keine Rückkehr mehr. Dieser Punkt ist zu erreichen.“ Ist er als ein ästhetisches, ein ethisches Programm zu verstehen? Wer bestimmt den Punkt, an dem man nicht mehr weiter kann? Und wie gelangt man dorthin? Von Michael Krüger

Kafkas Sätze (6)

Man kann diese Gedanken nicht befestigen

Der Reiz von Kafkas Sätzen besteht darin, dass sie sich einem konventionellen Sinn verschließen. Sie sind zu beweglich, um sich von einer selbstgewissen Exegese einholen zu lassen. Man kann ihnen, mit anderen Worten, nicht auf den Leib rücken. Von Werner Spies

Kafkas Sätze (5)

„Es war kein Traum“

Gregor Samsa, „aus unruhigen Träumen erwacht“, sieht sich in ein Insekt verwandelt und sagt doch: „Es war kein Traum.“ Was aber war es dann? Ein Lehrstück über die diabolische Macht der Literatur, meint die Schriftstellerin Marion Poschmann. Von Marion Poschmann

Kafkas Sätze (4)

„Ich zerreiße dich wie einen Fisch.“

Im Hause von Kafkas Eltern gab es keinen Rohrstock und keine Rute, dafür einen Satz von ungemeiner Brutalität: „Ich zerreiße Dich wie einen Fisch“, sagt Kafkas Vater anstelle körperlicher Züchtigung. Es folgte dem nichts Schlimmeres, doch die Drohung grub sich tief in die Psyche seines Sohnes ein. Von Hans-Ulrich Treichel

Kafkas Sätze (3)

Die Krallenhände der Sirene

Ein Satz. Ein Werk. Wenn etwas drei Zeilen lang ist und kein Aphorismus, dann ist es ein Fragment und also leider unfertig und kein richtiges Werk. Als ob sich Kafka je darum gekümmert hätte, ob etwas im herkömmlichen Sinne fertig war. Teil drei unserer Serie über Kafkas Sätze. Von Pe