Von Michael Maar
22. Oktober 2007 Lange Zeit wusste man über sein Privatleben so gut wie nichts. Der mächtigste Zauberer der weißmagischen Welt, Rektor ihres renommiertesten Instituts und Träger des Merlin-Ordens erster Klasse ist ein Musikliebhaber und Freund der Süßigkeiten, außerdem ziert sein Knie eine Narbe in der Form des Londoner U-Bahn-Plans - das war fast alles, was man über ihn erfuhr. Erst nach seinem geschickt arrangierten Tod in Band VI dringt in sein Vorleben etwas Licht. Wie sich im letzten Band zeigt, hat Albus eine tragische Familiengeschichte. (Achtung, Spoiler.)
Seine behinderte Schwester stirbt an einem Fluch-Querschläger, der vielleicht aus seinem Zauberstab stammt. Überhaupt ist der junge Dumbledore nicht der bedächtige Gottvater, wie man ihn aus Hogwarts kennt. Als brillanter Zauberer platzt er vor Ehrgeiz und bezwingt im Jahr 1945 sogar den mächtigen Schwarzmagier Gellert Grindelwald. Die Schokofroschkarte, die diesen Triumph verzeichnet, lässt freilich nichts davon ahnen, dass Dumbledore zuvor mit Grindelwald paktierte und nicht weniger anstrebte als die Weltherrschaft. Und schon gar nichts lässt sie durchblicken von den tieferen Gründen, warum er Grindelwald so lange verfiel.
Die große tragische Liebe
Anders die Autorin, die post festum alles verriet. Am vergangen Samstag outete Joanne K. Rowling bei einer Lesung in der New Yorker Carnegie Hall vor applaudierendem Publikum die Wahrheit über Albus Dumbledore. Es ist nämlich kein Zufall, dass er nie in weiblicher Begleitung gesehen wird. Und es sind mehr als nur freundschaftliche Gefühle, die ihn an Grindelwald fesseln; weshalb er auch so lange braucht, um sich von ihm zu lösen. Grindelwald ist die große tragische Liebe in seinem Leben. Denn Dumbledore, wie Rowling protestierend auf dem Filmskript notieren musste, das eine romantische Rückblende von Albus mit einer jungen Frau vorsah - Dumbledore is gay.
Nicht, dass damit nicht rückblickend einiges klarer wird. Aber nur keine Unken- und Lolita-Rufer jetzt: Harry Potters Ziehvater ist nicht Humbert Humbert. Der pädagogische Eros, der sich in seine Erziehung Harrys mischen mag, ist der eines berühmten Muggel-Philosophen, mit dem er viele Züge teilt (und den Schierlingsbecher, den er am Ende des sechsten Bands trinkt). Dumbledores sokratischer Eros hätte nicht einmal Mrs. Weasley gestört. Aber natürlich taugt er für Witze, die seit Rowlings Auftritt die Runde durchs Internet machten. Unter den wenigen zitierfähigen ist die Abwandlung einer bekannten Regel bei der amerikanischen Armee. Die Politik von Hogwarts sei das Motto: Don't ask, don't spell.
Bislang unkommentiert übrigens ließ Rowling das Privatleben Minerva McGonagalls.
Text: F.A.Z., 23.10.2007, Nr. 246 / Seite 46
Bildmaterial: Warner Bros./Cinetext
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