27. Januar 2006 Eine Teilzeitlebensgefährtin hatte geklagt, sie sah sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt: Das Berliner Landgericht gab ihr 2003 recht; seither ist es verboten, den Roman Meere zu vertreiben und öffentlich aus ihm zu lesen.
Und seither hat es der Schriftsteller Alban Nikolai Herbst schwer. In der Verlagsbranche gilt Herbst, der als Autor das Risiko nie gescheut hat, offenbar als der Leibhaftige; nur sein Verleger Nikolaus Hansen von Mare ist mit ihm treu, aber ohne Erfolg den Instanzenweg gegangen.
Herbst hat dennoch Haltung bewahrt - und ist ins Internet ausgewichen. Dort bietet er derzeit beim Internet-Auktionator Ebay eine Romanfigur an. Dem Höchstbietenden verspricht er eine Rolle nach eigenen Wünschen und mit eigenem Namen: Sie können etwas sein, was Sie immer schon sein wollten. Erscheinen soll die Figur im Roman Argo, dem abschließenden Band der Anderswelt-Trilogie. Bei Geboten unter 1000 Euro will Herbst eine liebevoll gestaltete Nebenfigur schreiben, wer spendabler ist, kann es bis zur tragenden Person bringen. Wer bietet mehr?
Text: hhm / F.A.Z., 28.01.2006, Nr. 24 / Seite 34
Bildmaterial: Berlin-Verlag