Martin Walser

P.R. c/o Himmel

Martin Walser

Martin Walser

10. Juni 2008 Dass er schnell in den Himmel kommt, ist sicher. Dort gibt es eine Ebene für Spötter, Polemiker, Parodisten, scharfe Hunde und vor nichts haltmachende Geister. Er hat seine Gefühle immer mit spitzen Fingern angefasst und mit noch spitzeren Wörtern ausgedrückt. Einfach, weil er zu große Gefühle hatte. Zu groß für diese Welt. Darum hat er sie in die hellste Luft geworfen und in seinem genauen Sprachnetz wieder aufgefangen und sie uns dann genüsslich serviert.

Er wird, wenn er sich auf seiner Himmelsebene ein bisschen eingerichtet hat – empfangen von Heine bis Brecht –, er wird bald genug merken, dass das die Hölle sein muss, in der er gelandet ist. Aber dann die endgültige Empfindung – und die war immer seine Empfindung – den Unterschied zwischen Himmel und Hölle gibt es sowieso nur fürs Vorabendprogramm.

Martin Walser, geboren 1927, veröffentlichte zuletzt den Roman „Ein liebender Mann“ (2008).



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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