20. Januar 2004 Nach der Übernahme des Suhrkamp Verlags durch Ulla Unseld-Berkéwicz muß das renommierte Haus erneut die Kündigung eines wichtigen Mitarbeiters verkraften. Der für neue deutsche Literatur zuständige Lektor Thorsten Ahrend hat zum 1. Juli aus persönlichen Gründen gekündigt, wie Ahrend an diesem Dienstag in Frankfurt bestätigte.
Zu Spekulationen der Süddeutschen Zeitung, sein Ausscheiden sei Folge des verlagsinternen Machtkampfs, wollte er nichts sagen. Ahrend betreut seit 1998 bei Suhrkamp bekannte Verlagsautoren wie Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger und Peter Handke. Er ist auch für jüngere erfolgreiche Suhrkamp-Literaten wie Durs Grünbein und Andreas Maier zuständig.
Bei Suhrkamp hatte im vergangenen Oktober Ulla Unseld-Berkéwicz, die Witwe von Verleger Siegfried Unseld, den Vorsitz der Geschäftsführung übernommen. Daraufhin verließ Verlagsgeschäftsführer Günter Berg das Haus. Zudem trat der mit prominenten Autoren besetzte Suhrkamp-Stiftungsrat - dazu gehört auch Enzensberger - zurück.
Die Süddeutsche Zeitung berichtete am Dienstag, Ahrend habe Berg nahe gestanden. Suhrkamp-Sprecherin Heide Grasnick wies entschieden zurück, daß der Lektor aus diesem Grund das Haus verlassen müsse: Thorsten Ahrend ist auf keinen Fall aus dem Verlag gedrängt worden. Nach Angaben des Verlags gibt es für Ahrend noch keinen Nachfolger.
Enzensberger sagte zur Entwicklung bei Suhrkamp: Ich warte erst einmal ab, was nun im Verlag weiter passiert. Ahrend sei ein Lektor von mehreren für ihn gewesen. Wir hatten nicht so ein enges Verhältnis, dass man daraus jetzt Konsequenzen ziehen müsste.
Text: dpa