30. März 2007 Alexander von Humboldt ist in der spanischsprachigen Welt ein Säulenheiliger, und in Lateinamerika begegnet man seinem Bildnis oder seinem Namen öfter als in Deutschland. Vorkenntnisse waren also vorhanden. Die spanische Ausgabe des Romans erschien unter dem Titel La medición del mundo im November bei Maeva Ediciones. Dass sich keines der großen Verlagshäuser dafür interessierte, zeigt nur, mit wieviel Skepsis man deutsche Erzählliteratur gemeinhin betrachtet. Immerhin: Die Mehrheit der Rezensionen, von der ausführlichen Besprechung bis zum Buchtipp, findet den Roman schön und intelligent, wie es in der Zeitung ABC heißt, die sich vor einer subtilen Landkarte der Leidenschaften wähnt.
Tiefere literaturkritische Einsichten sind allerdings kaum zu gewinnen. Der Roman sei so intelligent wie unterhaltsam, heißt es in einer Leseempfehlung des Sonntagsmagazins von El País. Deutlich ausführlicher zeichnet das Magazin Historia y vida den historischen Hintergrund nach und befindet, Kehlmann fange glänzend das heterogene wissenschaftliche Klima des achtzehnten Jahrhunderts ein. Lustig wird es bei der spanischen Ausgabe von Geo, denn das Magazin glaubt allen Ernstes, der Roman stelle ein vielsagendes Dokument über den Charakter der Deutschen dar.
Dass sich ein Romanautor aber nicht alles erlauben darf, was Spottlust und satirischer Sinn ihm eingeben, dafür streitet La Vanguardia, wo es heißt: Das Buch ist schön und liest sich leicht. Moniert hingegen wird, die Figuren seien gelegentlich überzeichnet, und der Autor behandele die bedeutenden Namen der Geistesgeschichte mit mangelndem Respekt. Das sei schade, denn einer der größten Forscher aller Zeiten habe eine zärtlichere, menschlichere und psychologischere Annäherung verdient gehabt.
Text: P.I. / F.A.Z.
Bildmaterial: Maeva Ediciones