Auch als die Erinnerungsarbeit getan war: Grass schwieg weiter

Vergangenheitsbewältigung

Schweigen bis zuletzt: Grass und seine israelischen Gäste

Günter Grass beteuert, unter dem Verschweigen seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS gelitten zu haben. Gästen aus Israel gegenüber schweig er allerdings auch dann noch, als er die Zwiebel der Erinnerung bereits gehäutet hatte.

Lesermeinungen zum Beitrag

12. November 2006 16:52

Gruezi, Herr Schmitz!

Karl-Heinz Andresen (khaproperty)


Natürlich ist auch Herr Grass frei, zu verschweigen, was er will.

Selbstverständlich kann derselbe immer noch kritisieren, wen und was er will.

Sicherlich hat er stets das Recht auf freie Meinungsäußerung - auch wenn dies dem einen oder anderen nicht gefallen mag.

Allerdings - ob es Herrn Grass nun gefällt oder nicht - ändert sich durch die neue Information über den Umgang mit der Wahrheit die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit all dessen, was er tut oder getan hat.

Hätte er weiterhin geschwiegen, wäre es später herausgekommen. Dazu wußten zuviele Bescheid und es gibt Dokumente.

Die Vermutung liegt nahe, daß er sich nun offenbarte, um noch Einfluß nehmen zu können auf die Bewertung durch die Öffentlichkeit.

Allerdings kann er auch alles noch schlimmer machen, wie der Versuch der Rechtfertigung gegenüber den Israelis mit Verweis auf sein Werk, welches seinen Fehler aufwiegen soll, erkennen läßt.

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12. November 2006 13:46

Seit wann ist Taktik etwas schlechtes?

Bernhard Schmitz (DerKetzer)

... schon gar nicht, wenn man mit unlösbaren Anforderungen konfrontiert wird.
Ich mache Grass jedenfalls keinen Vorwurf für sein Verschweigen. Im Gegenteil bin ich der Meinung, dass er besser weiter geschwiegen hätte.

Es ist wohl so ähnlich wie beim Seitensprung: Niemals beichten! Wenn man mit den Schuldgefühlen nicht klar kommt, dann sollte man es besser sein lassen. Da Grass vor dieser Entscheidung aber nicht stand, haben sich bei ihm die Schuldgefühle irgendwann Bahn gebrochen. Ist mir auch recht.

Es ist und bleibt sein und aller anderen Menschen gutes Recht, andere zu kritisieren, selbst wenn eigene Fehler gemacht wurden. Daran ist nichts heuchlerisches. Entweder Rückgrat oder sozial kompetent.

@ Herr Sattler, wenn Sie jetzt seine Angriffe als heuchlerisch hinstellen oder implizit ihm dieses Recht absprechen, wenden Sie die von mir beschriebene Killerphase an: „Wer bei der SS war (oder selbst mal irgendeinen Fehler gemacht hat), muß mal ganz still sein.“

Quod erat demonstrandum.

Wer sich auf dieses Spiel einlässt, ist wirklich schön blöd.

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11. November 2006 19:09

In ein gänzlich fatales Licht gerät sein Werk

Karl-Heinz Andresen (khaproperty)

mit seinem Hinweis, man möge es als Gegengewicht zu dem Fehler betrachten, den er zuzugeben bereit ist.

Nur was ist der Fehler? Der Beitritt zur SS kann es nicht sein - es ist dort nichts passiert, wie zu hören ist und er war jung und nur kurz dabei.

Das Verschweigen während der öffentlichen Produktion des Markenzeichens Grass ist der Fehler. Und genau hier wird es fatal.

Wurde der Beitritt gar verschwiegen, um Zeit für die Herstellung des Gegengewichtes zu gewinnen, mit dem sodann später - nämlich jetzt - jener vermeintliche Fehltritt ausgeglichen werden soll, um ihn unbedeutend erscheinen zu lassen im Verhältnis zu dem von vielen als beachtlich empfundenen Werk?

Jedenfalls - abgesehen von den möglichen Zweifeln an der Authentizität des Grass als selbsternannte moralische Instanz in all seinen Äußerungen - hätte eine solche Intention, für die Grass´Äußerung selbst sprechen könnte, das genaue Gegenteil zur Folge: Sein Werk entwertet sich durch den Fehler, den man ihm vorhalten muß, nicht durch den, den er als solchen zuzugestehen bereit wäre.

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11. November 2006 14:47

Grass

Frank Geiser (geiser123)

Mal ehrlich, ... ob Herr Grass als "fast noch Kind" in der SS gewesen ist oder ob in China ein Sack Reis umfaellt, wen interessierts eigentlich? Ein Dank an unsere Medien ...macht nur so weiter und die Qualitaet unserer Berichterstattung bekommt wird bald genauso schlecht wie die in den USA ...

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11. November 2006 11:49

Wäre er wirklich schön blöd gewesen?

Klaus G. Sattler (sattler3)

Der Leserkommentar unter dem Titel "schön blöd wäre er gewesen" belegt unbeabsichtigt genau den Vorwurf, der gegenüber GRASS zu Recht erhoben wird: Daß er aus taktischen Gründen die an sich verzeihliche Mitgliedschaft eines "schön blöden" Heranwachsenden in einer jetzt als verbrecherisch empfundenen Organisation des Dritten Reiches über all die Jahre verschwieg.

Allein dieses Verschweigen hat den Nobelpreisträger irreparabel die Glaubwürdigkeit gekostet und läßt seine Angriffe auf exponierte Zeitgenossen hinterher als heuchlerisch erscheinen.

Sic transit ......

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10. November 2006 20:30

Schön blöd wäre er gewesen, ...

Bernhard Schmitz (DerKetzer)

... wenn er früher von seiner Mitgliedschaft bei der SS erzählt hätte.

Wir wissen doch, mit welchen Killerphrasen man jemanden totmachen kann: "Wer <bei der SS war>, muß mal ganz still sein." (<...> steht dabei für eine beliebige unbeliebte Eigenschaft des Lieblingsfeindes.)

Ändert jemand seine Meinung, dann heißt es "Wendehals", oder man unterstellt immer noch die alte Gesinnung und den Gesinnungswandel als taktisches Manöver (so wie jetzt immer noch die alte Gesinnungsethik als Maßstab der Beurteilung gilt). Ein echter Wandel wird gar nicht zugelassen. Also bleibt nur, stur weiter zu machen, oder abzutauchen.

Hätte er sich nicht von der SS distanziert, dann hätte es geheißen: "Betonkopf" oder "ewig Gestriger". Stur weiter zu machen, brächte ihm also auch nicht viel.

Die sozial kompetente Mehrheit weiß ja, wie wenig überzeugbar die meisten Leute sind. Deshalb wäre am sozial kompetentesten gewesen, sich dumm zu stellen. So wie alle anderen das nach dem Dritten Reich gemacht haben.

Dummheit pflanzt sich fort.
Und die Deutschen haben immer noch kein Rückgrat.
Es wird ja auch permanent weggezüchtet.

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