Zwei Danziger: Grass neben dem Blechtrommler-Denkmal

Die Kontroverse über sein spätes Bekenntnis, bei der Waffen-SS gewesen zu sein, hat laut Günter Grass für ihn „existentiell bedrohliche Ausmaße“ angenommen. Das schreibt Grass in einem Brief an den Bürgermeister seiner Geburtsstadt Danzig, den wir hier dokumentieren.

Lesermeinungen zum Beitrag

23. August 2006 18:14
Reich der Richter und Henker  
Peter Arbogast (petarbo)

GüGra wollte der schreibende Führer des Landes der Dichter und Denker sein; nun stellt sich heraus, daß er ein aktives Würstchen im Reich der Richter und Henker war. Ein Bombe, wie eine Kommentatorin schrieb? Eher ein Blindgänger. Lasst schnell Gras drüber wachsen. Oder um ein wenig zu kalauern: Grass drüber!
Das nächste Thema bitte!

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23. August 2006 11:49
Marketing und Moralapostel  
Anton Seidel (ase)

Herr Grass hat es nicht begriffen:

Die unselige Verbindung von verkaufssteigernden Zeitpunkt der "Neuigkeit" und sein hartherziges Auftreten als Moralapostel macht aus GG so etwas wie eine unverdauliche, halbgare Kartoffel. Was ist an ihm interessant?

Wer harte Herzen säht wird sie auch ernten.

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23. August 2006 10:09
GGs UXB aus WW2  
Fionn Huber (fionn)

GGs spätes Bekenntnis ist wie eine UneXploded Bomb aus dem WW2 (World War II) eingeschlagen. The collateral damage in den FAZ-Foren ist aber unverhältnismässig gross.

IMHO (In My Humble Opinion)
F. Huber

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23. August 2006 09:43
"NS-Volksarmee"  
Henriette Kaschulke (Wissibesser)

Die aktuelle Diskussion um Grass´Militärdienst bei der Waffen-SS ist aus einer modernen Perspektive ungemein überzogen: Die Waffen-SS ist zu recht zu einer verbrecherischen Organisation erklärt worden, die Wehrmacht aus politischen Gründen jedoch nicht. Dabei besteht, wie jüngere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, zwischen der Wehrmacht und der Waffen-SS hinsichtlich der verübten Greultaten an fast allen Fronten des Krieges kein unterschied. Wir müssen dies in der Diskussion berücksichtigen, ganz gleich ob in Polen, Deutschland und anderswo.

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23. August 2006 09:33
Werbung  
Andreas Bräsigk (ABraesi)

Inzwischen kommt mir die Debatte immer stärker als großer Werbegag für das neue Buch vor. Der zweimalige Verweis auf das Buches im Brief bestätigt dies.
Wenn die Lektüre des Buches alles aufklärt und auch nur ein untergeordneter Teil des Buches ist, soll Herr Grass die Passage doch kostenlos veröffentlichen.

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23. August 2006 07:58
Grass: Ich habe meine Lektionen begriffen  
benjamin maier (riven1)

Hört sich doch gut an.
War schließlich wieder mal ein gefundenes Fressen der 0815-Presse.

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23. August 2006 02:25
Er hat sie nicht begriffen  
Peter Arbogast (petarbo)

Grass hat seine Lektion begriffen? Ach was! Es geht doch nicht um seine wenigen Wochen als Waffen-SS-Soldat. Es geht auch nicht um sein "Verschweigen" der Waffen-SS-Mitgliedschaft.
Es geht um eine unwahre Behauptung. Er war Lade-Schütze in einem Panzer. Seine Leserschaft aber sollte sechs Jahrzehnte glauben, er sei FLAK-Helfer gewesen.

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23. August 2006 00:14
ja sicher  
Heinrich Hürländer (Karaya)

existentiell bedrohliche ausmaße????
in welcher welt lebt der eigendlich? wird sein leben bedroht? hat er nix mehr zu fressen?

meiner meinung nach ist nur sein marketing gag daneben gegangen. er konnte sich nicht vorstellen, dass es jemand wagen könnte ihn anzupinkeln.

künstlerpech.

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22. August 2006 22:22
Was oft verwechselt wird  
Axel Julius (EscobarManuel)

Einem 16jährigen Grass ist nicht die Mitgliedschaft einer SS- Staffel vorzuwerfen, wie auch. Einzig das späte Bekenntnis darf zur Kontroverse führen.
Erschreckend ist nur, wie hilflos Grass den Reaktion gegenüber steht.
Wäre es nicht Grass müßte man Naivität unterstellen.
Der geneigte Leser aber verzeiht und zollt einem großen Literaten den verdienten Tribut.

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22. August 2006 21:33
und wieder nichts begriffen...  
jens tuengerthal (jenstuengerthal)

Wie nachtragend und unversöhnlich muss ein Mensch sein, wenn er dem schamvoll Gestehenden zwei Wochen ohne Taten für ein Leben vorhält, das in vorbildlicher Weise der Versöhnung diente?

Ist es ein fortgesetztes sich Angegriffen fühlen, dass den politischen Gegnern die Richtung weist, ihnen ewiglich die Chance zur Verzeihung raubt, sie in nachtragender Dunkelheit gefangen hält?

Gibt es einen Ausweg aus dieser seelischen Armut, oder ist sie das große Opfer, das einige unter uns der Demokratie und ihren Institutionen bringen muss?

Ist es notwendig, dass ein Grass einem Adenauer die zu gut integrierten Nazis nie verzeiht, dessen europäische Größe ignoriert, während umgekehrt Adenauers Lager einem Grass schamvoll Gestandenes beschämend nachträgt?

Begreifen kann ich das nicht...

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22. August 2006 20:44
TV-Programm seit Grass-Bekenntniss  
Andreas Jensen (andreasj)

Irre ich mich oder ist im Fernsehen seit G.Gs Bekenntniss, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, eine Häufung von Dokumentationen über die Greultaten der "Schutzstaffel" wahrzunehmen, so z.B. auch im Augenblick (ZDF, 22.08.06, 20.15)? Wozu das Ganze?

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22. August 2006 18:45
Rührend?  
Tano Carridi (Tano_Carridi)

Was an dem Brief so rührend sein soll, erschließt sich mir nicht.
Im Gegenteil beharrt Grass in wesentlichen Punkten bei seiner Darstellung, die ihn als Opfer größerer Zusammenhänge charakterisiert, auf die er als 17jähriger keinen Einfluß hatte. So etwa die Aussage, er, Grass, sei zur Waffen-SS 'eingezogen' worden.
Zur Waffen-SS wurde man aber nicht eingezogen, man meldete sich freiwillig. Auch wenn diese Freiwilligkeit in den späten Kriegsjahren nicht mehr in allen Fällen freiwillig war: gegen den ausdrücklichen Willen des 'Gezogenen' wurde niemand Mitglied der Waffen-SS. Es gab durchaus Mittel und Wege, sich von einem der regulären Wehrmachtsteile verpflichten zu lassen und damit der Waffen-SS zu entgehen.
Abgesehen davon behauptet Grass, die Folgen seines Geständnisses, also die damit verbundene Debatte, hätten für ihn 'existentiell bedrohliche Ausmaße' angenommen. Leider verrät er nicht, worin diese eigentlich bestehen. Etwa darin, daß nunmehr seine Glaubwürdigkeit genauso öffentlich einer Revision unterzogen wird, wie er es anderen gegenüber (zu Recht oder zu Unrecht) über Jahrzehnte für richtig hielt?
Sicher ist nur, daß Grass sich auch jetzt - oder wieder - als Opfer sieht...
Sehr überzeugend ist das nicht.

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