Gedichte entstanden ihm nicht aus Worten, sondern aus Einfällen

Peter Rühmkorf ist tot

Der Verfassungspoet aus Övelgönne

Unter den engagierten Dichtern seiner Generation war er der Spielerischste, unter den Sprachspielern der Engagierteste. Am Sonntag ist Peter Rühmkorf, der bedeutendste deutschsprachige Lyriker der Gegenwart, mit achtundsiebzig Jahren nach langer Krankheit gestorben. Von Patrick Bahners

Lesermeinungen zum Beitrag

10. Juni 2008 21:56

Humor vor'm eigenen Grab

Herold Binsack (Devin08)

An all diejenigen, die da glauben, den Rühmkorf besser gekannt zu haben (als dieser selbst sich darzustellen vermochte), und auch an die, die ihn wohl nie kennen lernen (nicht nur, weil er jetzt tot ist) und sich jetzt den Kopf darüber zerbrechen, was wohl der richtige Rühmkorf sei, folgendes ins Stammbuch: Es interessiert nicht, was er im Leben war oder auch nicht, oder ob man ihm die Dreckschaufel nachwerfen sollte/wollte, oder ob er noch zu Lebzeiten, diese, ihn dereinst Begrabenden (rechtzeitig), zugeworfen hat, denn das alles ist so oder so Teil der Wahrheit, wenn es nach ihm geht. Verfassungsdichter kann auch der sein, der ob dieser Verfassung an der eigenen Verfassung zweifelt. Ein solches steht für eine Dichtung am Galgen (am eigenen Grab), am selbst geschaffenen, wenn’s sein muss, und auch dafür steht noch ein anderer, längst auch Toter, nämlich Francois Villon, der große Meister und Lehrer, so vieler Interpreten, dieser Zeit. Und es interessiert auch nicht der Dreck unter der Schaufel, denn der geht ein, in den Schmutz dieser und der ganz sicher folgenden Zeit, was interessiert, sind des Dichters Worte, die geschriebenen, wie die nie veröffentlichten, „denn alles was bleibt, stammt vom Dichter“, sagte schon Stefan Zweig

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10. Juni 2008 10:53

... von Demenz überFAZT?

Stephanie Reyntjes (StephanieRe)

"Wir haben unseren Nationaldichter verloren..." Dass sich Rühmkorf als "Nationaldichter" hätte bejubeln, d.h. beleidigen lasssen - dass musst er nciht mehr erleben. Dass er, der klug-kritische Peter, von sich aus dem einseitig-groß auftretenden MRR mit einem Geburtstaggedicht verzieht (... und ihn nach Jahrzehnten) zur Kenntnis nahm - na, das weiß ich wohl noch, als Nicht-Gewohnheits-FAZler.

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09. Juni 2008 21:17

Rühmkorf

Christian Pfarr (christianpfarr)

Schöner und anrührender Kurznachruf auf einen verbogenen Romantiker. Allerdings hätte ich die einleitenden Gedichtzeilen umgekehrt interpretiert als Bahners: nach befolgter Aufforderung, sich in die gute Stube (i.e. Grube) zu trollen, lassen die sich aus dem Staub gemacht Habenden das hinterbliebene Jammertal zuschaufeln - und tschüß! Halten wir es mit dem Meister selbst: "Wer Lyrik schreibt, der ist verrückt, und wer sie für wahr hält, der wird es!"

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09. Juni 2008 18:16

Gall-iges

Herold Binsack (Devin08)

Der große Villon - all dieser Leute Vorbild. Und was soll uns dies deuten, Die Zeit, dieselbige Zeit, Gilt es immer noch auszubeuten.

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