Endlich ist er wieder da! Ich werfe schnell Nabokov weg, rein kommt der neue Houellebecq - derjenige der mir den Glauben an die moderne Literatur zurückgebracht hat. Er bringt mich zum Lachen - durch seine Bücher und durch die ganze Aufregung die er in ach so wichtigtuerischer literaturkritischen Szene verursacht. So ein kleiner, trotteliger, chronisch depressiver ex-Büroangestellter kann so was anstellen - ts-ts... Ich freue mich schon so sehr auf das neue Buch!
Ich würde Houellebecq eher mit Woody Allen vergleichen:
"Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nie zu fragen wagten".
Swinger Clubs kennt man doch normalerweise nur vom Hörensagen. Ich mußte schallend lachen - ich saß in einem Café und las in H.`s "Elementarteilchen" - , als Bruno eine andere Swingerin in Gedanken als "Nazischlampe" titulierte. Sowas macht Spaß und wie H. das macht - in aller Detailtreue - ist Lesevergnügen und erotisches Prickeln in einem. Dieser Mann kennt keine Scham und das auf höchstem Niveau.
Der Rezension nach zu urteilen, dürfen wir auf eine Fortsetzung hoffen. In seinen Hauptfiguren steckt vielleicht viel von ihm selbst, aber das H. als Mann in den besten Jahren ein Trauerkloß ist, glaube ich nicht. Schließlich gibt es eine Erotik der literarischen Macht und die besitzt H. weiß Gott.
Michel Houellebecq, mehr Philosoph als Schriftsteller, wohnt z.Zt. in Spanien. Sein neuer Roman erzählt von Sex, Autos und Klonen - vor allem aber vom Unglück des Aelterwerdens.
Houellebecq soll eigentlich m.E. nach Griechenland umziehen, um sich eines anderen belehren zu lassen. Die alten Griechen haben sich immer intensiv mit dem (nach ihrer Philosophie) "Wichtigsten" im Leben beschäftigt, nämlich Liebe (Agapi); erotische Liebe (Erota); Immortalität (Athanasia) und Kunst (Techni). Die Griechen von heute auch.
Also, Monsieur Houellenbecq Ab nach Kreta, die Heimat von Nikos Kazantzakis ("Zorba the Greek").
F.H.