Zurückgewiesen vom Düsseldorfer Stadtrat: Peter Handke

Eklat in Düsseldorf

Kein Heine-Preis für Handke - Politiker verweigern Zustimmung

Der wegen seiner politischen Ansichten umstrittene Dichter Peter Handke sollte nach dem Willen einer Jury den diesjährigen Heine-Preis erhalten. Jetzt hat sich der Düsseldorfer Stadtrat eingeschaltet: „Wir werden das Geld nicht zur Verfügung stellen.“

Lesermeinungen zum Beitrag

01. Juni 2006 11:20

Demokratie

Marc Rieger (rieger74)

Demokrate ist, wenn demokratisch gewaehlte Vertreter der Buerger, wie hier der Stadtrat, eine Entscheidung treffen, und sei es auch eine, die einem Schriftsteller und seinen Fans missfaellt. Letztendlich sind es die Gelder der Buerger, vertreten durch den Stadtrat, und nicht die Privatspende der Jury, die hier ausgegeben werden.

Wer da den Stadtrat mit einem Politbuero vergleicht oder meint, wir lebten in einer Diktatur, hat den Bezug zur Realitaet ebenso verloren, wie Handkes Romanfigur "Bloch" - oder wie Handke selbst zuweilen.

Etwas Bodenhaftung wuerde guttun, ob man die Entscheidung des Stadtrates, die "Notbremse" zu ziehen nun gutheisst oder nicht. (Aber das ist vielleicht zuviel verlangt von manchen deutschen Literaten und Literaturkiritikern...)

Fragen darf man sich angesichts der erregten Diskussion auch, ob die Jury wirklich Handke aufgrund seiner literarischen Leistung auszeichnen wollte, oder vielleicht eher, um ganz publikumswirksam von den juengsten Handke-Skandaelchen zu profitieren.

Schiesslich noch eine Anmerkung: Handke ist nicht "pro-serbisch". Das wuerde viele Serben wohl zutiefst beleidigen, denn Serbien ist nicht Milosevic.

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31. Mai 2006 11:03

Stadtrat?

K.D. Bätz (llechwedd)

Es ist die Frage erlaubt, ob der Düsseldorfer Stadtrat nicht besser in Politbüro umbenannt werden sollte.

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31. Mai 2006 00:23

Herrrschaftssschsucht, Gewohnheit - versus - versteuerte Wirklichkeit.

Stefan Sedlaczek (sedlaczek1)

Hätte sich "die Politik" zuletzt herausgehalten: Es gäbe kein Problem.

Politiker geben Geld für jeden Scheiß, für Unrecht und Mord allenthalben ohne auch nur hinzusehen und - wie es mir scheint - immer öfter ohne jeden Verstand.

Politiker sind die bestkonditionierten Menschen der Mächtigen.

Menschlich sind sie neuerdings kaum mehr. Sie merken schon lange nicht mehr, wie es anderen geschieht ob ihres Seins und Wirkens. Neuerdings merken sie/Sie nicht einmal mehr, was sie gar nicht mehr denken - was sie/Sie gar nicht mehr fühlen können.

Politiker sind die bestkonditionierten Menschen der Mächtigen:

Willige Werkzeuge. Die fünfte straußsche oder die sechste (noch unbekannte) Kolonne demokratistischer Wirklichkeit.

Sie wünschen eine Perspektive? Ich(?) soll ihnen diese (jetzt) bieten?

Gehen Sie sofort 'raus aus dem Raum, in dem sie sich jetzt aufhalten. Nähern Sie sich der nächsten Blume. Der nächsten! (Achten Sie darauf!) Betrachten Sie diese. Betrachten Sie diese noch einmal. Hören Sie auf an anderes zu denken. Fassen Sie die Blume zart und ganz ganz vorsichtig an. Betrachten Sie Ihr Gefühl. Beobachten Sie, was sie tun. Reduzieren Sie ihre Erfahrung auf ihre Erfahrung.

Lesen Sie Peter Handke. Und sie werden ihn verstehn.

Erfahrene Wirklichkeit wird in D besteuert. Jeder Kilometer Erfahrung kostet viel unnötiges Geld. Mehr als man hat. Weniger Menschen. Mehr Schuld(en). Papier ist geduldig.

Die Schriftsprache aber ist die Wirklichkeit.

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30. Mai 2006 17:38

Unsinnige Eskalation

C. B. Sturm (CBest)

(zu "Poets & politics") Richtig - und darum wäre Herrn Handke auch zu raten gewesen, noch vor der Entscheidung des Stadtrates die Ehrung zurückzuweisen unter Hinweis auf seine vor längerer Zeit getroffene Entscheidung, keine Preise mehr anzunehmen. So hätten Dichter wie Jury einigermaßen das Gesicht wahren können...

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30. Mai 2006 16:38

@ Luca Aranaudo Politics & poets.

Fionn Huber (fionn)

And poets should stay away from politics (damit wird in diesem Fall Peter Handke gemeint)...

F. Huber

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30. Mai 2006 16:35

Juryentscheidung HEINE-Preis

Gerhard Bruns-Raddatz (brura)

Das ist wohl die richtige Entscheidung - aber welcher
Schaden wurde angerichtet!!!!

Die Frau Löffler, mit ihrem vollkommen falschen Hinweis auf die 'Hetz-Meute' sollte schleunigst die Jury verlassen.

Man kann nur hoffen, daß der gute Canetti sich in Zürich nicht in seinem Grabe umdreht!!!!

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30. Mai 2006 16:29

Die Angst Düsseldorfs beim Verleihen...

Peter Becker (sidewinderpeter)

Nachdem offensichtlich satzungsgemäß die Vergabe des Preises mit der Zustimmung des Rates der Stadt D-Dorf verbunden ist, kann man es den Bürgervertretern doch nicht verübeln, dass sie mit den Geldern verantwortungsbewusst umgehen. Man kann doch Keinem, der möglicherweise öffentlichkeitswirksam Partei für einen Verbrecher gegen die Menschlichkeit ergriffen hat würdigen, oder? Aber genau das ist ja der casus belli: man ist sich nicht so ganz darüber im Klaren, wie die Veröffentlichungen Handkes seit Mitte letzten Jahres, seit seinem Besuch bei Milosevic eigentlich einzuschätzen seien. Aber unterscheidet nicht genau das die Arbeit eines Künstlers von der eines Historikers oder eines Reportes? Eines scheint klar: Handke versucht für den Balkankonflikt zu interessieren. Ob er dabei wirklich Partei ergreift, ist ja das schwierige: aber eigentlich war die Antwort auf diese Frage doch implizit dem Urteil der Jury zu entnehmen. Dass politische Meinungsträger nun den Preis verunglimpft sehen wollen, wird auch durch die Androhung der Rückgabe von innehabenden Preisträgern früherer Nominierungen unterstützt. Dennoch sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass beispielsweise auch schon Nobelpreise nicht angenommen werden wollten.

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30. Mai 2006 15:49

Diktatur?

Henry Linke (H.Linke)

Ich kenne weder Handke, seine Äußerungen noch die Jury, die ihm Talent anerkennt.

Allein die Schilderung der Umstände wirkt seltsam grotesk auf mich: Ein durch Mehrheitsbeschluss gewählter Kandidat bekommt die Ehrung verweigert, weil er den Geldgebern nicht ins Konzept passt. Warum gibt es dann die Jury, warum wählen die Ratsherren nicht gleich selbst ihre Günstlinge (am besten noch aus dem eigenen Sauf- oder Verwandtenkreis)? Wo liegt hier der Unterschied zur Diktatur? In den Motiven vielleicht, aber Diktatur gibt es in vielen Farben.

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30. Mai 2006 14:59

Politischer Preis

Julius Franzot (JFranzot)

Der einzig richtige Satz aus diesem ganzen Gegacker ist die Erkenntnis, dass es sich um einen politischen und nicht um einen literarischen Preis handelt. Damit verliert der Heine-Preis jede Bedeutung. In Zukunft werden seine "Träger" zu Recht als Apparatschiks des "Zeitgeistes" und nicht als begabte Autoren betrachtet werden. Armutszeugnis.

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30. Mai 2006 14:23

bevorzugte Partnerschaft

Rud Haller (rodolfissimo)

Wie gesagt: "eindeutig ein politischer Preis".
Da ist jede Kritik an der Handhabe überflüssig.
In Düsseldorf, wo man etwas von Kohle versteht, möge man das Geld umbenennen in "Lotterie für bevorzugte Partnerschaft zum Parteibuch".
Anschauen aber, wer das so haben wollte, das empfiehlt sich sehr.

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30. Mai 2006 14:00

nichts Neues und doch unbegreiflich

Benno Wagner (bennowagner)

Diese Beinahe-Ehrung ist ein erschütternder Beleg für den Vertrottelungsgrad des hierländigen Literaturbewertungs- und -kommentierungswesens. Unter diesen Umständen kann man für die weitgehende kulturelle und politische Einflußlosigkeit der Quartettspieler nur auf Knien danken.

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30. Mai 2006 14:00

Welche Jury???

David Eichberg (wwaldii)

Leider kann man dem Beitrag nicht ntnehmen welche Jury die Entscheidung traff. Ich kenne Herrn Handke nicht, aber wenn durch eine Jury eine Entscheidung getroffen wurde, verstehe ich nicht warum das nicht anerkannt wird! Wie gesagt , ich kenne die Umstände nicht, unter denen die Jury die Entscheidung traff. Aber ich denke man sollte auch Entscheidungen respektieren die einem nicht schmecken!

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30. Mai 2006 13:31

Handke oder nicht Handke?

Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)

Die Preisvergabe an einen unqualifizierten Kandidaten reduziert den Wert des Preises für alle bisherigen Rezipienten. Wer schert sich noch um einen Orden von der Queen, nachdem sie schon jeden x-beliebigen Rockstar damit dekoriert hat?

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