Die Jury hat eine erstaunlich verständnisvolle Entscheidung getroffen. Ihre Begründung zeigt, daß sie Handke sehr klar sieht und versteht. Ich kann es nur noch einmal sagen, daß ich sehr erfreut bin, daß so etwas noch möglich ist.
Daß "die Politik" ein solches Verstehen nicht leistet und mit ihrer tumben Borniertheit eine solche einfühlsame und treffende Entscheidung plattzuwalzen droht, macht fast nichts.Es sagt bloß etwas über "Politik" und ihre Protagonisten aus.
Solche Politiker sind doch völlig gefangen in ihrer virtuellen Welt. (Die allerdings bei den Menschen wirklich wird, die ihre Opfer sind. Den Schmerz, den ihr beschränktes Denken und Gesetzemachen verursacht, spüren sie selbst nicht mehr.)
Auch hier zeigt Handke eine ganz andere Perspektive, ein subjektives Verstehen, daß aus leisem Betrachten und - mal aus persönlichem und mal aus abstraktem - Denken gespeist ist. Manipulationen, ja Politik, erreichen ihn dann nicht. Gott sei Dank!
Hier wird nichts abgewogen, verurteilt und verboten, wie im politischen Geschäft. Hier, bei Handke, darf die Wahrheit noch das sein, was sie ist: spürbar und persönlich. Manchmal nah, manchmal fern, immer eigentümlich wirklich.
Es ist gerade Handkes unpolitische Reinheit, die so faszinierend klare Beschreibungen bietet. Logisch, daß dies nur die allerwenigsten Berufspolitiker auch nur ansatzweise verstehen können.
Aber es ist wunderbar, wenn noch nicht alles politisch ist. Auch dafür steht Peter Handkes Werk bisher.
Natürlich möchte niemand vorschnell die Keule des Antisemitismus zücken, aber es verwundert doch, wenn aus dem inneren Kreis der Entscheider verlautet, dass sich vor allem Eine massivst für Handke einsetzte und damit auch gegen Reich-Ranicki...
Sind hier alte Rechnungen wenn nicht beglichen so doch zum willkommenen Anlaß genommen worden?
Wenn die von Köhler jüngst vor den zur schriftstellerischen Freiheit Tagenden angemahnte große Nähe manch Schreibender zu furchtbaren Lenkern noch als artifizielle Anbetung der Macht abgetan werden könnte, wir Handke demgemäß belächelten, der gute Grass zu Berlin erwartungsagemäß den moralischen Kontrapunkt setzte, aber nicht alle Schlager sind schlecht, und also alles wieder im Lot wäre, bleibt doch ein schales Gefühl, nachdem eine Jury unter vorgeblicher Führung von Frau Löffler dem größten Kritiker im Geiste Heines den Laufpaß gibt für den, der just die Nähe des letzten Schrecklichen in Europa suchte.
Aber diese Verschwörugstheorien sind allzu fürchterlich...
Vermutlich ging es nur um die Kunst und ihren freien Widerstand, jenseits aller Werte. So gesehen war Handke sicher sehr preis-wert.