Sparzwang und Stellenabbau

Die Automobilindustrie in der Krise

Die Nachfrage kann der Produktion nicht folgen

Die Nachfrage kann der Produktion nicht folgen

15. Dezember 2005 Das Jahr 2005 war für die Automobilindustrie kein gutes. Weltweite Überkapazitäten machen nahezu allen großen Herstellern zu schaffen. Die Rabattschlachten, die von Amerika aus auch Europa erfaßt haben, drücken die Margen empfindlich. Höhere Verkaufszahlen lassen sich über den Preis kaum noch erreichen.

Den Druck geben die Hersteller nicht nur an ihre Belegschaft, sondern auch an die Zulieferer weiter. Die Folgen bleiben nicht aus: Delphi, der größte amerikanische Autozulieferer geht Pleite und belastet umgekehrt den ohnehin schon angeschlagenen größten Automobilhersteller der Welt General Motors (GM) weiter.

Den Kampf ums Überleben angenommen

Das nun fast vergangene Jahr hat auch eines klar gemacht. Das Etikett „too big to fail“ hat seine Gültigkeit verloren. Mittlerweile ist die Vorstellung, daß das Schicksal einer Übernahme, einer Zerschlagung oder der Insolvenz selbst Unternehmensgiganten von den Ausmaßen einer GM treffen kann, keineswegs mehr abwegig. Entsprechend reagiert die Branche.

GM hat den Kampf ums Überleben angenommen, entläßt tausende von Mitarbeiter in Amerika. Im Jahr zuvor hatte der Konzern einschneidende Sparmaßnahmen in den europäischen Tochtergesellschaften durchgesetzt, vor allem in Deutschland bei Opel in Rüsselsheim und Bochum.

Aber auch bei Volkswagen laufen die Uhren seit diesem Jahr anders. Der Konzern verpflichtete beispielsweise den als harten Sanierer bekannten Wolfgang Bernhard als Markenmanager, der eigentlich für den Chefposten bei Mercedes vorgesehen war, dort allerdings fünf Minuten vor zwölf in Ungnade fiel und so seinen Weg nach Wolfsburg fand.

Persönlichkeiten mit der Subtilität von Kettensägen

Bernhard sorgt mit seinem Plan für Furore, 10.000 Arbeitsplätze bei Volkswagen zu streichen, um die Gewinne des Konzerns zu steigern. In den Augen der IG-Metall ist Bernhard „ein Mann des Wilden Westens“. Aber die Branche kennt noch wesentlich schroffere Persönlichkeiten, die derzeit Konjunktur haben.

So trägt Carlos Ghosen den Spitznamen „Eisbrecher“ und „Le Cost-Killer“. Von einem amerikanischen Magazin wurde ihm einmal attestiert, er besäße die „Subtilität einer Kettensäge“. Der Mann wurde von Renault nach Japan entsandt, um dort bei Nissan die Kosten zu senken. Dies tat er mit so beeindruckender Vehemenz, daß ihm dies die Führungsposition in beiden Unternehmen einbrachte - und seinen Spitznamen.

Selbst Porsche verliert seinen Optimismus

Auch Ford versucht, sich zu stabilisieren. Allein am Standort Köln streicht der Konzern 1000 Stellen. Noch mehr aber berunruhigt er die Branche mit der Ankündigung, die Zahl der Lieferanten drastisch zu kürzen. Das Ziel sind größere und längerfristige Aufträge.

Daimler-Chrysler wird bei Mercedes tausende Stellen abbauen. Und selbst bei den anderen Stuttgarter Autobauern, die seit Jahren nur positive Zahlen geliefert haben, macht sich so etwas wie verhaltene Ernüchterung breit. Die Entwicklungskosten für die sogenannte vierte Baureihe, zu der sich Porsche nach langen Überlegungen entschlossen hat, lassen sich im Verbund mit der rund 20-Prozent-Beteiligung bei Volkswagen nicht leicht schultern. Was genau das für den Ertrag heißt, läßt sich noch nicht absehen.

Alles in allem: Die Automobilindustrie nicht nur in Deutschland befindet sich in der Krise. Und wie jede Krise steht nun die Entscheidung an, ob es zum Niedergang kommt oder zur Genesung. Das Jahr 2006 wird für die Branche ein wichtiges.

Text: @rwi
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben

Automobilstandort

Das Ende der Jobgarantien

Trägheit von gestern bedroht Arbeitsplätze von heute

Arbeitsplatzzusagen, die Mercedes und Volkswagen ihren Belegschaften im Inland im Rahmen ihrer Sparpakete gegeben haben, stellen sich für viele als trügerische Sicherheit heraus. Auch die Autobauer bezahlen ihr Abrücken heute, nur ein Jahr später, mit hunderten von Millionen Euro.

Neue Auto-Chefs

Kostendrücker und Visionäre

Dieter Zetsche muß die “Welt AG“ sanieren

Spezial Auf der IAA präsentieren die großen Autokonzene nicht nur neue Produkte, sondern auch neue Chefs. Einige basteln an waghalsigen Expansionsplänen, andere an Stellenstreichungen. Ein FAZ.NET-Spezial.

Vereinigte Staaten

Nicht nur General Motors hat Probleme

Eine Autostadt hat sich halbiert - Detroit

Große Krisen sind für die amerikanischen Autohersteller nichts Unbekanntes. Der Stellenabbau von 25.000 Arbeitsplätzen bei General Motors bedeutet eine Beschleunigung der Einschnitte.

Automobile

Rabatte beim Autokauf auf Rekordniveau

Deutsche Autokäufer werden mit Rabatten gelockt

Die Rabattschlacht auf dem deutschen Automarkt hat laut einer Studie einen neuen Höhepunkt erreicht. Vor diesem Hintergrund relativieren sich die aktuell gestiegenen Zulassungszahlen und verlieren ihren Glanz.

Management

Die Sehnsucht nach dem Autokombinat

Der neue “Gomepo“: Vorne Golf, dann Mercedes, hinten Porsche

Porsche steigt bei VW ein. Daimler wollte auch. Gegenseitige Beteiligungen nützen den Managern zur Abwehr unliebsamer Aktionäre.

Amerika

General Motors verschärft Stellenabbau

Aderlaß in Amerika: Letzte Ausfahrt Lansing

Der Autokonzern General Motors streicht 30.000 Stellen bis Ende 2008 - noch einmal 5000 mehr als angekündigt. Neun Werke würden geschlossen, teilte das Unternehmen mit.

Automobile

Die Uhr tickt für General Motors

Opel nur noch Nebenschauplatz?

Die Horrorszenarien einer Insolvenz machen sich breit: Vielleicht werden schon bald bei dem Traditionskonzern General Motors die Bänder stillstehen. Gegen einen Zusammenbruch ist auch ein solches Imperium nicht gefeit.

Automobilhersteller

Opel: Noch unglaublich viel zu tun

Für GM-Europa-Chef Forster ist Opel noch nicht über den Berg

Der Autobauer Opel ist trotz seines radikalen Sparprogramms aus Sicht des Mutterkonzerns General Motors (GM) noch nicht über den Berg. Wann Opel wieder nachhaltig schwarze Zahlen schreiben wird, läßt GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster offen.

Leitartikel Wirtschaft

Die nicht ganz heile Welt von BMW

Was ist nur in Bayern los? Unmut regt sich in der CSU gegen Ministerpräsident Edmund Stoiber, im Vorstand der Hypo-Vereinsbank herrscht Chaos. Nun scheint noch eine andere weiß-blaue Ikone ins Wanken zu geraten: Die Bayerischen Motoren ...

Automobile

Ford streicht in Köln 1000 Stellen

Viel Leistung, wenig Sicherheit in Köln

Ford will nach eigenen Angaben in Deutschland bis zu 1300 weitere Stellen abbauen. Der Personalabbau werde vor allem in Köln angestrebt, so das Unternehmen. Bei einem Scheitern freiwilliger Regelungen seien Kündigungen nicht ausgeschlossen.

Automobile

Ford versetzt Zulieferbranche in Unruhe

Ford: Verkauft die Mietwagen-Firma Hertz samt Schulden

Die Zahl der Lieferanten von Ford soll drastisch gekürzt werden. Das Ziel sind größere und längerfristige Aufträge. Auch Personalabbau zur Kosteneinsparung ist angekündigt.

Automobile

Größter amerikanischer Autozulieferer stellt Insolvenzantrag

Scheinbar ausweglose Situation für Delphi

Delphi wird zum größten bisherigen Insolvenzfall in der amerikanischen Auto- und deren Zulieferindustrie. Auf Miteigentümer General Motors dürften Belastungen in Milliardenhöhe zukommen.

Automobile

Entwicklungskosten könnten Porsches Rekordserie stoppen

Auch der Glanz von Porsche ist keine Selbstverständlichkeit

Hohe Entwicklungskosten für die vierte Baureihe sowie für einen Hybridantrieb könnten den Gewinnrekorden von Porsche ein Ende bereiten. In puncto Ertragsentwicklung bremste Vorstandschef Wiedeking die Erwartungen.

Automobile

VW-Sparkurs zeigt Wirkung

Nur dank seines milliardenschweren Sparprogramms und der Erlöse in der Finanzsparte schreibt Volkswagen schwarze Zahlen. Die Kernmarke VW häufte auch im dritten Quartal Verluste an.

Automobile

Zetsche verteidigt Stellenabbau als „unumgänglich“

Niemand spricht mehr vom Samthandschuh

Spezial Mercedes drängt seine Mitarbeiter, die Abfindungsangebote schnell anzunehmen und freiwillig das Unternehmen zu verlassen. Bundeskanzler Schröder hat den Stellenabbau bei Mercedes und anderen Firmen scharf kritisiert.

Produktionskosten

VW stellt alle Modelle auf den Prüfstand

Auf der Suche nach der Kostenbremse

Volkswagen will seine Produktionskosten innerhalb von drei Jahren um 1,3 Milliarden Euro senken. Einen großen Teil sollen die Mitarbeiter schultern. Der Autobauer rechnet mit einem „deutlichen Personalabbau“.

Automobile

VW will mehrere tausend Stellen abbauen

Schichtwechsel in Wolfsburg

Der Volkswagenkonzern hat angesichts gigantischer Überkapazitäten den größten Personalabbau seit Jahren angekündigt: 14.000 Jobs in Europa werden gestrichen, 10.000 davon allein in Westdeutschland.