Radsport

Die Bilder der Tour

Von Rainer Seele, Paris

Weg frei für den Seriensieger: Armstrong - von der Polizei eskortiert

Weg frei für den Seriensieger: Armstrong - von der Polizei eskortiert

25. Juli 2005 Die Tour de France ist an Grenzen gestoßen, vielleicht hat sie sie auch schon überschritten. Das Sommerspektakel des Radsports hat seine Protagonisten in Höhen geführt, die wieder zu verlassen bisweilen sehr schwierig war. Den Strapazen der Etappen folgte der Stress der Fahrten in die Quartiere, an manchen Tagen waren sie mehr als 100 Kilometer lang. Auch Lance Armstrong, der strahlende Sieger, hat dies als ein beträchtliches Handicap bezeichnet, obwohl er gewöhnt ist an Grenzerfahrungen.

Die Tour, Mythos mit Macken, verlangt mithin Ausdauerleistungen in vielerlei Hinsicht. Sie steckt - im wahrsten Wortsinn - im Stau, Jahr für Jahr mehr. Sie ist eine Art Karneval mit ihrer lärmenden Karawane, mit der überschwappenden Begeisterung am Wegesrand, die sich bisweilen für die Radprofis zu einer scheinbar undurchdringlichen Wand ausweitet. Und sie ist längst ein Geschäft mit Millionenumsätzen.

Bedingungslos einem Ziel verschrieben

Den größten Gewinn bei dieser Juli-Show, den sportlichen Zweig betreffend, machte wieder der Mann, der es wie kein anderer verstand, den Fokus auf dieses eine Rennen, auf die bedeutendsten drei Wochen einer Radsportsaison, zu richten. Armstrong konnte dabei nicht allein auf seine eigene Stärke vertrauen, er wußte überdies ein Team hinter sich, das sich bedingungslos einem Ziel verschrieben hatte - der Tour. Und der Texaner hatte in Johan Bruyneel einen Begleiter an seiner Seite, der sich einerseits um die Gemeinschaft sorgte und dabei gleichzeitig einen engen Kontakt zu Armstrong pflegte. Für ihn ist der Belgier weitaus mehr als ein Teamchef gewesen. Bruyneel war bei all seinen sieben Tour-Triumphen eine besondere Vertrauensperson, und er ist schließlich zu einem Freund geworden. Armstrong hat nun, als sich der Kreis für ihn schloß, nicht versäumt, diese Beziehung zu würdigen - und er glaubte prophezeien zu können, daß der erfahrene Belgier Bruyneel in diesem Jahr wohl nicht seinen letzten Tour-Patron hervorgebracht habe.

Basis des Erfolges

Diese Einheit ist offensichtlich die Basis des Erfolges von Armstrong in den vergangenen sieben glorreichen Jahren gewesen. Und sie machte wohl auch den Unterschied zu Ullrich und T-Mobile aus. Der Bonner Rennstall wird, keine Frage, ebenso professionell geführt wie Discovery Channel, seine Profis genießen eine exzellente Betreuung. Der Einfluß des Führungszirkels auf Kapitän Ullrich hat aber offenbar seine Grenzen. Wie Armstrong verfügt der Rostocker zwar ebenfalls über einen Mentor.

Aber Rudy Pevenage, Belgier wie Bruyneel und ebenfalls ein gewiefter Taktiker, gehört nicht mehr offiziell zur Equipe. Ullrich stimmt sein Übungsprogramm vorwiegend mit Pevenage und dem italienischen Trainingsanalytiker Luigi Cecchini ab, er hat diese Freiheit. Olaf Ludwig, der anstelle von Walter Godefroot künftig die sportlichen Geschicke bei T-Mobile bestimmen wird, will sie ihm lassen. Mag sein, daß Ludwig auch gar keine andere Wahl hat. Das muß nicht bedeuten, daß Ullrich, durchaus kämpferisch bei dieser Tour, sich nicht doch noch seine Sehnsucht erfüllen kann, ein zweites Mal in Gelb dazustehen in Paris. Könnte aber sein, daß es besser wäre, dafür doch noch einmal Grenzen hinter sich zu lassen. Frei nach dem Beispiel Armstrongs. Die Zeit wird schließlich knapp für T-Mobile und seinen Star.

Text: F.A.Z. vom 25. Juli 2005
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb, REUTERS

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Auch “Sports Illustrated“ verneigt sichTriumph in Paris: Alexander WinukurowArmstrong feiert mit seinen Kindern Luke, Isabelle and GraceZwei große Radfahrer nach ihrem letzten DuellBesuch von der neuen FreundinJan Ullrich - Allein gegen die Uhr11. Etappe: Alexander Winokurow gewinnt in den Alpen einen Tagesabschnitt, in der Gesamtwertung hat er schon keine Chance mehrImmer schön auf die Straße schauen8. Etappe: Um wenige Zentimeter verpaßt Andreas Klöden den Sieg5. Etappe: Um dem gestürzten David Zabriskie die Ehre zu erweisen, startet Armstrong ohne Gelbes Trikot und zieht sich auf der Strecke umDas Armstrong-Team Discovery Chanel gewinnt das MannschaftszeitfahrenZwischenmahlzeit auf dem RadPinkelpauseDemütigung am ersten Tag: Armstrong überholt UllrichMedizinische Untersuchung bei CSC-Kapitän Ivan Basso: Ist er groß genug für den Toursieg?Im Rückspiegel alles im BlickIn Gedenken an den 1995 tödlich verunglückten Fabio Casartelli trug Lance Armstrong eine ArmbindeTour-de-France-IdylleAndreas Klöden muß bei der 17. Etappe seinen Hut nehmenDie Tour de France mit allen Sinnen genießenUngleiches KräftemessenDer Chef und sein treuer Helfer: George Hincapie (l.) und Lance ArmstrongDie ganze Familie ist im Jan-Ullrich-FieberLance Armstrong mit Freundin Sheryl Crow und seinem Sohn Luke sowie den Zwillingstöchtern Isabelle und Grace Prost!Frankreich wird nicht nur Lance Armstrong vermissen - seine Freundin Sheryl Crow brachte Glamour zur TourWird er der Nachfolger des „Kannibalen”? Ivan BassoDie letzte Demonstration der StärkeWie fühlen Sie sich?Plauderstündchen in den Bergen10. Etappe, erste Bergankunft in den Alpen: Auf dem Weg nach Courchevel kann Jan Ullrich nicht mithaltenAuf der 9. Etappe in den Vogesen darf Jens Voigt endlich angreifen und fährt ins Gelbe Trikot, drei Tage später muß er krank und entkräftet aufgebenDie Meute wartet auf ein Opfer16. Etappe: Die letzten schweren Berge der Pyrenäen liegen hinter den Fahrern - nun gilt es für Armstrong, heil nach Paris zu kommenGestürzt und geschlagen - David Zabriskie stürzt beim Mannschaftszeitfahren und verliert das Gelbe TrikotDer Kampf der SprinterGratulation: Ullrich muß schon beim ersten Einzelzeitfahren die Stärke von Armstrong anerkennenUllrich donnert am Tag vor dem Tourstart mit dem Kopf durch die Heckscheibe, eine Schnittwunde und die Folgen des Schocks behindern ihn an den nächsten TagenAuch nackte Tatsachen am Wegesrand dürfen nicht ablenkenCowboy-Gruß: Pferd gegen FahrradFast so berühmt wie die Fahrer: “Teufel“ Didi SenftPer Anhalter kann man leider nicht mitfahrenGute AussichtenNochmal kurz Gassi gehen: Levi Leipheimer vor der 17. EtappeEin Kunststück: Umziehen auf dem RadKameraalltag für Jan UllrichVoll ausgerüstet am StraßenrandProminente Unterstützung: John Kerry, gescheiterter Kandidat der Demokraten bei der amerikanischen Präsidentenwahl, besuchte Landsmann Lance Armstrong in Saint-Etienne