Im Sog der Rezession

Export der deutschen Autoindustrie bricht ein

Von Christoph Ruhkamp

Zehntausende Neuwagen bleiben wegen Autokrise in Bremerhaven stehen

Zehntausende Neuwagen bleiben wegen Autokrise in Bremerhaven stehen

06. Januar 2009 Die weltweite Absatzkrise schlägt jetzt auch auf die deutschen Hersteller durch. Vor allem wegen des einbrechenden Exports gehen die Verkäufe zurück. Im Dezember wurden mit 223 000 Personenwagen 22 Prozent weniger Fahrzeuge ins Ausland verkauft als im Vorjahr, wie aus den Daten des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervorgeht.

In den vergangenen Tagen hatten schon die Hersteller aus den Vereinigten Staaten, Japan und Frankreich heftige Einbußen vermeldet. Das Exportvolumen der deutschen Hersteller sank 2008 nach sechs Rekordjahren in Folge insgesamt um 4 Prozent auf gut 4,1 Millionen Einheiten. Die Produktion ging erstmals seit 2002 um 3 Prozent auf 5,5 Millionen Einheiten zurück, und auch der Absatz im Inland schrumpfte um fast 2 Prozent auf knapp 3,1 Millionen Autos. Damit liegen die Autoverkäufe fast wieder auf dem Niveau der alten Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung.

„Besorgniserregende Situation“

Da im Gesamtjahr 2008 ein Drittel weniger Bestellungen aus dem Ausland und 21 Prozent weniger aus dem Inland hereingekommen sind, sieht es auch für die Zukunft düster aus: Die Auftragsbestände lagen im Dezember laut VDA auf dem niedrigsten Niveau seit Ende der achtziger Jahre. Dies lasse auf ein sehr schwaches Neuzulassungsgeschehen zu Beginn des Jahres 2009 schließen. Angesichts der „besorgniserregenden Situation“ sei die Politik mehr denn je gefordert klare Rahmenbedingungen zu schaffen, um das Vertrauen der Verbraucher zu stabilisieren.

Der Verband spielte damit auf die derzeit in Berlin diskutierten Hilfen wie etwa Steuernachlässe oder Verschrottungsprämien an. Unterdessen stürzten auch auf dem amerikanischen Automarkt die Absatzzahlen auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren. Die heftigsten Einbrüche erlitten die drei notleidenden Hersteller GM, Ford und Chrysler. Aber auch die Talfahrt der deutschen Hersteller und des japanischen Branchenführers Toyota beschleunigte sich.

„Alle Automärkte der Welt gehen gleichzeitig nach unten“

„Das besondere an der gegenwärtigen Situation ist, dass alle Automärkte der Welt gleichzeitig nach unten gehen“, sagte Eric Heymann, Autoexperte der Deutschen Bank, dieser Zeitung. Kein Hersteller bleibe vollständig verschont. Es gebe lediglich einige Nuancen. So verkauft sich etwa Kleinwagen wie der Mini aus dem BMW-Konzern oder der Smart von Daimler in den Amerika noch recht gut - vor allem im Vergleich zu den häufig überdimensionierten amerikanischen Modellen mit hohem Spritverbrauch.

Neben der allgemeinen Rezession nennt Heyman weitere Gründe für die Autokrise. Vor allem in Amerika sei durch die Rabattaktionen seit 2001 der Markt mit billigen Autos übersättigt worden. Dies schlage nun in Form von verringertem Export auch auf die europäische Industrie durch. Negativ wirke auch die anhaltende politische Diskussion über eine veränderte Kfz-Steuer, die sich künftig am CO2-Ausstoß orientieren soll.

Durchschnittliche Lebensdauer: Zwölf Jahre

Die Unklarheit führe dazu, dass vieleVerbraucher ihre Entscheidung über einen Autokauf aufschieben. Ein nicht zu unterschätzender Grund für den Absatzeinbruch sei zudem die zunehmende Langlebigkeit der Produkte. So würden Autos heute in Deutschland im Schnitt zwölf Jahre lang benutzt, bevor sie verschrottet werden. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge auf deutschen Straßen liege bei acht Jahren. „Das stimmt mich optimistisch. Angesichts des hohen Alters vieler Autos gibt es relativ großen Nachholbedarf“, sagte Heymann.

So schlimm die Lage aussieht, sie ist durchaus nicht beispiellos: In der letzten Rezession der deutschen Autoindustrie im Jahr 1993 schrumpften nach dem Wiedervereinigungsboom Neuzulassungen, Export, Produktion und Anzahl der Arbeitsplätze um jeweils etwa ein Fünftel. Experten sagten angesichts der starken Billigkonkurrenz aus Asien das Ende der deutschen Autobranche als Schlüsselindustrie des Landes voraus. Stattdessen folgte ein langer und starker Aufschwung.

Vorerst jedoch müssen die Autobauer schmerzliche Einschnitte vornehmen. So kündigte der angeschlagene Autobauer Opel Preissenkungen an, um den Verkauf seiner Fahrzeuge anzukurbeln. Wie das Unternehmen mitteilte, sinken die Preise bei nahezu 80 Prozent aller Modelle um teilweise mehr als 8 Prozent. Neben verschiedenen neuen Ausstattungspaketen bietet Opel seinen Kunden zudem günstige Finanzierungsbedingungen sowie eine preiswerte Kfz-Versicherung an. „Gerade in schwierigen Zeiten wie heute, in denen das Geld knapper wird, muss Autofahren bezahlbar bleiben“, sagte Vertriebschef Thomas Owsianski.

Text: AP
Bildmaterial: ddp, F.A.Z.

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