Von Henning Peitsmeier und Andreas Mihm
18. November 2008 Der Autohersteller Opel braucht eine staatliche Bürgschaft über 1,8 Milliarden Euro. Allerdings handle es sich dabei um den schlimmsten, anzunehmenden Fall, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung von informierten Personen erfuhr, die an den Rettungsgesprächen beteiligt sind. Die von Opel erbetene Bürgschaft teile sich auf in 1,3 Milliarden Euro für das Jahr 2009 und weitere 500 Millionen für das Folgejahr. Damit sollen die Investitionsplanungen der Tochtergesellschaft des angeschlagenen General-Motors-Konzerns für die Jahre 2009 und 2010 gesichert werden.
Opel-Finanzchef Marco Molinari sagte der F.A.Z.: Im Fall eines Problems von GM benötigen wir eine Bürgschaft über etwas mehr als 1 Milliarde Euro für das kommende Jahr, damit uns der Finanzmarkt wieder zur Verfügung steht. Opel besitzt kein eigenes Rating und könnte deshalb nicht wie andere Konzerne auf Kredite der Europäischen Investitionsbank zugreifen.
Wir bereiten uns auf schlechte Zeiten vor
Opel plant zudem eine deutliche Volumenreduzierung in fast allen europäischen Werken. Wir bereiten uns auf schlechte Zeiten vor und korrigieren unsere Volumenplanung für 2009 um gut 10 Prozent nach unten, sagte Opel-Geschäftsführer Hans Demant. In ihren Planungen für das schwer einzuschätzende kommende Jahr unterstellt die Tochtergesellschaft von General Motors einen Markteinbruch. Dem Opel-Szenario zufolge, auf dessen Grundlage auch die vom Unternehmen beantragte Milliardenbürgschaft verhandelt wird, dürften 2009 in Europa einschließlich Russland statt bisher 22 Millionen Autos nur noch 19 Millionen neu zugelassen werden. Allein im Oktober wurden nach Angaben des europäischen Branchenverbandes Acea 15 Prozent weniger neue Autos in Europa verkauft als noch vor einem Jahr. Damit ging das Geschäft bereits im sechsten Monat in Folge zurück.
Demant betonte abermals, dass auch bei einer Insolvenz von GM die Zahlungsfähigkeit von Opel gewährleistet sei. Selbst im Fall einer starken Rezession ist auch ohne die Bürgschaft unsere Liquidität für eine absehbare Zukunft gesichert, sagte er. Demant sprach am Dienstag auch mit mehreren Opel-Händlern, die sich besorgt über die Ereignisse der letzten Tage geäußert hatten.
Opel denkt an eine 30-Stunden-Woche
Die deutlich reduzierten Erwartungen werden Konsequenzen haben für Produktion und Beschäftigung. Denn statt 1,7 Millionen Autos dürfte Opel künftig nur noch um die 1,5 Millionen herstellen. Das räumte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz gegenüber der F.A.Z. ein: Diskutiert wird eine 30-Stunden-Woche in allen unseren europäischen Werken mit Ausnahme von Rüsselsheim, weil dort der neue Insignia anläuft.
Während die Produktion des Mittelklassemodells gerade begonnen hat und derzeit eine gute Auslastung des Stammwerks garantiert, sind in den übrigen Werken in Bochum, Eisenach, Antwerpen oder Saragossa Unterauslastungen zu erwarten. Im spanischen Werk etwa könnte wegen des dortigen Markteinbruchs, wenn notwendig auch nur 28 Stunden in der Woche gearbeitet werden. Franz will nun Gespräche aufnehmen über Teillohnausgleiche und Kurzarbeitergeld. Für ihn steht eines jedoch fest: Wir werden die geplante Volumenreduzierung ohne Personalabbau bewältigen. Außerdem muss der Betriebsrat über die von GM geforderten zusätzlichen Einsparungen verhandeln. GM will die Kosten im kommenden Jahr in Europa um 750 Millionen Dollar senken.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa