Eine Frage des Preises

Porsche hat ein konkretes Angebot aus Qatar

Von Susanne Preuß, Stuttgart

Porsche und die Araber: Jetzt geht es vor allem um den Preis

Porsche und die Araber: Jetzt geht es vor allem um den Preis

29. Juni 2009 Der Staatsfonds von Qatar hat sein Interesse am Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche und dem Volkswagen-Konzern schriftlich bekundet. „Uns liegt ein Angebot der QIA vor, das den Einstieg bei der Porsche Holding SE beschreibt und den Kauf der Optionen auf VW-Aktien“, sagte ein Porsche-Sprecher der F.A.Z. Auf Grundlage dieses Angebots werde nun verhandelt. Einen Zeitplan für eine mögliche Einigung, die innerhalb der Eigentümer-Familien Porsche und Piech noch diskutiert werden muss, wollte der Sprecher nicht nennen. „Wir verhandeln mit der Qatar Investment Authority in einer sehr guten und konstruktiven Atmosphäre“, hatte zuletzt am Wochenende Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking erklärt.

Verhandelt wird offenbar vor allem über den Preis, den die arabischen Investoren für die Optionen auf VW-Aktien zu zahlen bereit sind. Mit diesen Optionen könnten sie zum dritten VW-Großaktionär werden. Qatar könnte mehr als ein Fünftel der VW-Aktien zu einem Preis kaufen, der kaum mehr als die Hälfte des aktuellen Börsenkurses betragen dürfte. Allerdings gilt der Börsenkurs, der in den letzten Monaten stets deutlich über 200 Euro lag, als spekulativ überhöht und weit entfernt vom realen Wert der VW-Aktien.

Höhe der Beteiligung unklar

Unklar ist auch noch, in welcher Höhe die Investoren aus Qatar sich an der Porsche Holding SE beteiligen. Die Satzung des Stuttgarter Unternehmens sieht eine maximale Höhe von 30 Prozent vor. Selbst mit einem so hohen Engagement hätten die Araber keine Sperrminorität, außer bei der Benennung von Aufsichtsratsmitgliedern. Obwohl in den vergangenen Wochen mehrfach Zweifel aufkamen, ob Ferdinand Piech, Miteigentümer von Porsche und Aufsichtsratschef von VW, den Einstieg von Qatar bei dem Familienunternehmen befürwortet, wird in Stuttgart beteuert, die Familien stünden einstimmig einem Investor offen gegenüber.

Mit dem Einstieg von Qatar und der Übernahme der Optionen auf VW-Aktien könnte Porsche seine Milliardenschulden abtragen, die durch die Mehrheitsübernahme von VW aufgehäuft worden sind. Auf Angebote von VW wäre Porsche damit nicht mehr angewiesen. Ein Vorschlag aus Wolfsburg, der am Wochenende den Porsche-Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Porsche erreichte, wurde sofort brüsk zurückgewiesen: „Erpressen lassen wir uns nicht.“ Ohnehin wäre der von VW vorgeschlagene Weg, einen Teil des operativen Porsche-Geschäfts zu übernehmen, nicht gangbar, wird in Stuttgart bekräftigt – weil es zur Folge hätte, dass das Bankenkonsortium einen Kredit über 10,75 Milliarden Euro sofort fällig stellen würden. (siehe: Porsche weist VW-Vorschlag zurück ).

Oettinger mahnt mehr Respekt für Porsche an

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger hat mit Blick auf den Machtkampf um Porsche mehr Respekt für den Kurs des Stuttgarter Unternehmens angemahnt. „Volkswagen sollte respektieren, dass der Mehrheitseigentümer Porsche ist“, sagte Oettinger nach einem Wahlkongress der Unionsparteien in Berlin.

Nach Informationen aus Verhandlungskreisen ist Qatar ausdrücklich daran interessiert, dass aus Porsche und VW ein integrierter Automobilkonzern gebildet wird. Konkrete Forderungen würden in dieser Hinsicht aber nicht gestellt, heißt es. Der Verkauf des operativen Geschäfts von Porsche an VW scheide aber schon deswegen aus, weil die Familien dies nicht wollten. Gespräche über andere Wege der Integration liegen derzeit auf Eis.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Dax
Tec
Dow
Nas
07.12.2009 | 17:45
Dax 5.784,75
−0,57 %
 
        Vortag
07.12.2009 | 19:39
Name Kurs in %
DAX 5.784,75 −0,57%
TecDAX 814,77 +0,69%
MDAX 7.436,42 +0,24%
SDAX 3.517,69 +0,05%
REX 375,20 −0,37%
Eurostoxx 50 2.896,23 −0,48%
Dow Jones 10.435,40 +0,45%
Nasdaq 100 1.792,27 +0,02%
S&P500 1.105,98 +0,55%
Nikkei225 10.167,60 +1,45%
EUR/USD 1,4873 +0,06%
Rohöl Brent Crude 77,41 $ −0,60%
Gold 1.190,25 $ −1,53%
Bund Future 123,16 € +0,29%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche