24. August 2008 Olympia, genug. Wir fahren das Hirn hoch und schauen nach: Welche von Millionen Bildern bleiben auf der inneren Festplatte gespeichert? Wir sehen dort: Michael Phelps in der Dorf-Kantine, einen Berg Pommes frites auf dem Teller, um auf täglich 12.000 Kalorien zu kommen. Sehen Usain Bolt, dessen Chicken-Nuggets-Diät wir auch nicht trauen, mit offenem Schuh feixend Weltrekord laufen. Sehen nach dem schnellsten Mann der Welt auch den stärksten, Matthias Steiner, wie er über fünf Zentner hebt und abhebt.
Der Schwimmer und der Läufer waren sofort allgemein verdächtig. Der Heber war es nicht. Warum? Weil er ein schweres Schicksal hatte? Weil man sanfte Riesen mag? Weil er kein Österreicher mehr ist? Einen vorsichtigen Rest an Restverdacht fanden wir dann doch in uns, bis auf weiteres jedenfalls, für den Stärksten in einem traditionell dopingverseuchten Sport. Und das, obwohl er sympathisch ist. Und Deutscher.
Olympia als chinesische Raubkopie von Hollywood
Was wir außerdem gelernt haben: Dass die koreanischen Bogenschützen, so die ARD-Reporterin, sich Nervenstärke holten, als der Trainer sie nachts im Leichenschauhaus einsperrte. Dass Rafael Nadal, der weltbeste Tennisspieler, im Dorf selber seine Wäsche wusch. Und dass man dem, was man sieht, bei Olympia keineswegs mehr trauen darf, schon gar nicht blütenweißen Westen - wie sie die Springreiter tragen, von denen einige zynische Tierquäler sind, die ihre Pferde dopen.
Welche Bilder bleiben, das heißt auch: Welche waren echt? Acht Jahre werden die Doping-Proben aufgehoben. So wird man erst 2016 ein richtiges Bild haben von Peking 2008. Ob man vorher wenigstens erfahren wird, was von der Eröffnungsfeier, jedenfalls von der, die wir im Fernsehen sahen, real war? Und was von der großen 16-tägigen Peking-Oper nur eine Peking-Ente? Oder war es gar schon Kino im Kino, die Illusion in der Illusion: so wie in Unternehmen Capricorn die falsche Mars-Landung oder wie in Wag the Dog der getürkte Albanien-Krieg? Olympia unter Verdacht: als chinesische Raubkopie von Hollywood.
Hintenraus hat er dann doch ein bisschen lächeln können
All das haben wir, um die Lieblingsfrage unserer TV-Reporter ungefragt zu beantworten, immer noch nicht wirklich realisiert. Trost fand Monica Lierhaus nach dem Interview mit einem enttäuschten Sportler: Hintenraus hat er dann doch ein bisschen lächeln können. Wie gern könnten wir das auch.
Doch den verzwickten Zusammenhang zwischen dem, was hinten rauskommt, und dem, wo es rauskommt, kannte schon der vorolympische Reformator Martin L., der einen guten Sportpsychologen abgegeben hätte: Aus einem verzagten A. komme kein fröhlicher F. Das gilt auch für uns und unser abschließendes Urteil über das, was aus Olympia geworden ist: Höflich verkneifen wir es uns.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: FAZ.NET - Bernd Helfert, Thilo Rothacker