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Interview

Bloß nicht auf die Freunde schielen



"Man sollte immer zuerst in sich selbst hineinschauen, was man will"
03. Februar 2007 
Was man sich vor der Studienwahl fragen sollte - und was nicht: Der aktuelle Arbeitsmarkt werde bei der Suche nach einem geeigneten Studienfach oft zu hoch bewertet, sagt der Eignungsdiagnostiker Prof. Heinz Schuler. Der Inhaber des Psychologie-Lehrstuhls an der Universität Hohenheim ist überzeugt, dass man Erfolg nicht gegen seine Interessen und Fähigkeiten erzielen könne.

Herr Professor Schuler, welche Fragen sollten sich Abiturienten vor der Studienwahl unbedingt stellen?

Zunächst: Ist ein Studium wirklich die beste und interessanteste Möglichkeit für mich, zum Beispiel im Vergleich mit einem handwerklichen Lehrberuf? Dann: Was will ich mit meiner Ausbildung und vor allem, wohin will ich damit?

Wenn es denn ein Studium werden soll, was ist die nächste Frage?

Habe ich genügend Informationen über das Studienangebot? Und wenn nicht, wie kann ich sie mir besorgen - etwa durch Praktika, Interessenstests und im Gespräch mit Studienberatern.

Worauf kommt es noch an?

Entsprechen meine Fähigkeiten und Interessen wirklich so den Anforderungen in dem speziellen Studiengang oder Beruf, dass ich damit über eine lange Zeit hinweg erfolgreich und zufrieden sein kann!

Aber wie lässt sich das abklären?

Tests können Eignungsmerkmale erfassen. Am meisten hilft jedoch, wenn ich meine Interessen, Hobbys und Tätigkeiten während der Schulzeit betrachte und schließlich durch Arbeitsproben ermittle, inwieweit ich die geforderte Begabung und Fähigkeit zeige. Zum Beispiel: Einen Fachartikel lesen und ihn mit eigenen Worten zusammenfassen.

Welche Überlegung halten Sie dagegen für nicht so wichtig?

Der Blick auf die aktuelle Arbeitsmarkt-Situation wird meist zu hoch bewertet. Es werden immer diejenigen erfolgreicher sein, die machen, was ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht.

Und worauf würden Sie ganz verzichten?

Auf das Schielen nach dem Freundes- und Bekanntenkreis: Man sollte immer zuerst in sich selbst hineinschauen, was man will.

Der nächste Schritt nach der Studienwahl - wie finde ich die beste Universität für mein Fach?

Das ist wie bei einer Partnerwahl. Für die Studierenden geht es dabei nicht nur darum, wo ist es für mein Fach wissenschaftlich besonders interessant, sondern auch um die Art des Studiums: Ziehe ich eher schulartiges Lernen vor oder suche ich eine Hochschule, die weniger Anleitung bietet, aber dafür mehr gedankliche Freiheit und eine Vielfalt, in der man seinen eigenen Weg finden kann.

Das Stichwort Auswahlgespräch für manche Studiengänge macht viele Bewerber nervös. Wie kann man sich beruhigen?

Indem man sich gründlich über die Universität und den Studiengang informiert, etwa im Internet. Man sollte sich gut überlegen, warum das Fach zu einem passt, und die Zweifel daran etwa mit einem Lehrer besprechen. Auf dieser Basis lassen sich informierte Fragen stellen, so dass der Bewerber mit dem Gefühl in das Gespräch gehen kann, ein gleichberechtigter Partner zu sein.

Was hat denn der Student von einer schärferen Auswahl?

Verläuft die Auswahl sachlich, wissen die Studenten, dass sie zu den Besseren zählen, die Uni höhere Anforderungen an sie stellen kann und so einen guten Ruf gewinnt. Davon profitieren die Absolventen, die später besser unter kommen.

… und die Abgewiesenen?

Den Zweitbesten bleibt der Trost, dass sie auf dem Markt andere Hochschulen finden, die vielleicht ihnen und ihren Bedürfnissen eher entsprechen. Für einen besseren Abgleich von Interessen und Studienangebot haben der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Landesstiftung Baden-Württemberg ja auch die Entwicklung unseres Interessenstests unterstützt.

Das Gespräch führte Uta Jungmann



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Fotoatelier Ariane, Stuttgart
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [1]
Und der nächste Besserwisser... 03.02.2007, 23:45
 
   
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