![]() |
Schließen |
Drucken |
![]() |
|
Uni-Websites Ein Klick - und die Suche fängt an Von Dorte Huneke
Deutschlands Hochschulen müssen sich verkaufen - spätestens seit in vielen Bundesländern Studiengebühren verlangt werden. Einerseits bringen sie ihre Produkte Forschung und Lehre auf den Markt, andererseits werben sie um Wissenschaftler und Studenten wie um Kunden. Ihre Wettbewerber kommen aus der ganzen Welt, deshalb brauchen sie einen funktionalen und imagegerechten Auftritt im Internet. "Die erste Begegnung mit einer Uni findet online statt", sagt Steven Knight, 24, ein amerikanischer Austauschstudent in Berlin. "Die Lehre muss gut sein, viel hängt natürlich vom Ruf der Uni ab. Aber das Umfeld muss ebenfalls stimmen, man muss einen Draht zur Uni haben." Als Knight sein Auslandsstudium plante, sprach er erst mit Freunden und recherchierte im Internet. "Dort habe ich eine Website gefunden, bei der ich das Gefühl hatte: Die sprechen meine Sprache. Alle Informationen waren auf Englisch verfügbar. Ich mochte die Aufmachung. Ich habe mich durch die Homepages einiger Professoren geklickt, auf meine E-Mails bekam ich gleich Antwort. Da war meine Entscheidung fast schon gefallen." Die Internetseite, sie wird zur Impulskaufzone der Hochschulen. Ein profilierter Markenauftritt ist unerlässlich. Detlev Grimm, der Geschäftsführer der Düsseldorfer Agentur Grimm-Design, fasst die Entwicklung so zusammen: "Universitäten stehen ebenso unter Erfolgsdruck wie jedes Unternehmen." Unter den Auftraggebern von Grimms Agentur ist nun erstmals eine Hochschule, die Technische Universität Dortmund. "Generell ist ein profilierter Markenauftritt heutzutage unerlässlich, damit Menschen überhaupt eine Beziehung zu Institutionen aufbauen können", sagt er. Wenn eine Bild- und Wortmarke entwickelt werde, gebe es daher auch keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen Unternehmen und Hochschulen. Auch für Bildungseinrichtungen spiele das "Corporate Design" eine entscheidende Rolle. Je höher der Wiedererkennungswert, desto besser. Nicht nur auf der Internetseite soll das Hochschulprofil klar erkennbar sein. Grimms akademischer Kunde, die frühere Universität Dortmund, hat sich zum 1. November 2007 in Technische Universität umbenannt, statt "Fachbereichen" gibt es an der Alma Mater seitdem "Fakultäten". Manchmal gehen solche Umbenennungen sogar mit einer tiefgreifenden Umstrukturierung des Studienangebots einher, etwa im Fall der Stiftungs-Universität Lüneburg. Sie entstand 2005 aus dem Zusammenschluss von Fachhochschule und Universität und nennt sich seitdem nach dem einstigen Namen eines römischen Siedlungsplatzes in Germanien "Leuphana". Inhaltlich angestoßen wurde die Neuausrichtung vom Bologna-Prozess, die äußere Gestaltung übernahm die renommierte Hamburger Werbeagentur Scholz & Friends. Viele innovative Auftritte "Wir wissen, dass 80 Prozent der Studienanfänger sich ihre Informationen aus dem Internet holen", sagt Janne Armbruster, die Leiterin des WWW-Teams der Universität Potsdam. "Damit ändert sich die gesamte Organisationsstruktur der Universität. Die Dienstleistungswege sind andere geworden." Das 2004 entwickelte "Corporate Design" der Universität soll im Internet die Seiten der einzelnen Institute als Markenprodukte eines gemeinsamen Hochschul-Unternehmens identifizierbar machen. "Bisweilen ist es jedoch schwierig, 200 Professoren zu disziplinieren", räumt Armbruster ein. Allen Mitarbeitern werden Templates - Dateien, die das Aussehen der Internetseite festlegen - zur Verfügung gestellt, in die sie ihre eigenen Inhalte und gewünschte Funktionen integrieren können. Die rechtliche Verantwortung liegt beim Hochschulpräsidenten. Einzelne Institute oder Dozenten haben in Sachen Website-Entwicklung aber längst eigene Wege eingeschlagen und dabei sehr Unterschiedliches und Innovatives hervorgebracht. In die meisten dieser Projekte sind Studenten involviert. Das Projekt www.varusforschung.de an der Universität Osnabrück zum Beispiel, eine Internetseite zum Thema "Rom und Germanien", entstand schon 1997 in einer Übung zum Thema "Geschichte und EDV" und wurde seitdem mehrfach für Gestaltung und Konzeption ausgezeichnet. "Unsere Seite war von Anfang an als Zusammenfassung eines Forschungsthemas in Form einer Online-Präsentation geplant", erklärt Stefan Artmann, einer der Gestalter der Homepage. Das Ziel habe nicht zuletzt darin bestanden, die Präsentation von Forschungsinhalten mittels neuer Technologien und Medien zu üben. "Einen gestalterisch gelungenen Internetauftritt halte ich für Forschungsprojekte und Forschungsinstitute allein angesichts der Tatsache für notwendig, dass im wissenschaftlich-akademischen Bereich Netzwerke, Diskussionsforen, Portale und Informationsseiten im Internet eine zunehmend wichtige Rolle spielen", sagt Artmann. Die Zugriffszahlen steigen Weil sich das Webdesign aber schnell wandelt, wurde die preisgekrönte Seite 2005 komplett neu gestaltet. Die Neugestaltung einer gesamten Hochschul-Website ist wesentlich komplizierter, aufgrund der komplexen Nutzerstruktur. "50 Prozent der Besucher unserer Seiten sind interne Nutzer", überschlägt Janne Armbruster. Ausgerichtet ist die Homepage aber für ein breiteres Publikum. Denn neben Studenten und Dozenten soll sie auch Studieninteressierte, Unternehmen, die Presse und eine internationale Öffentlichkeit ansprechen. Dabei variiert die Nutzer- und Klickverteilung saisonal. In den Bewerbungsphasen sind die Portale der Studienberatung am stärksten gefragt. "Annähernd 70 Prozent aller Seitenzugriffe entfallen auf die Seiten zum Studienangebot", berichtet Anette Hartkopf aus der Abteilung für Presse und Kommunikation der Universität Köln. "Es folgen Informationen zur Studienbewerbung und zu speziellen Angeboten für Studienanfänger." Schon eingeschriebene Studenten steuerten hingegen häufig direkt ihre Fakultäten und Institute an. Insgesamt ist die Zahl der Zugriffe auf die Kölner Seite innerhalb eines einzigen Jahres um 100 Prozent gestiegen; 2007 wurden 5 Millionen Nutzer gezählt. Schau was Du aus unserem Internetauftritt machst. Was aber macht eine gute Hochschul-Website aus? Anette Hartkopf hält es für entscheidend, dass die Nutzer möglichst zügig an die gewünschten Informationen gelangen, ohne sich im virtuellen Dschungel einer großen Uni zu verlieren. "Orientierungshilfen bieten hier die Fakultätsfarben. Auch Subportale tragen zur Zielgruppenorientierung bei." Detlev Grimm setzt zudem auf eine schlüssige Verbindung von Erscheinungsbild und Inhalt, auf Funktionalität und Barrierefreiheit. Entscheidend seien auch die Aktualität und ein guter Google-Rank. "Die Elite-Unis in den USA sind in diesem Bereich weit vorne", sagt er. Andere Standards haben sich unter Interne-Konsumenten eingebürgert: "Ich finde es gut, wenn die Menüleiste vertikal links oder horizontal am oberen Rand angeordnet ist", sagt etwa Sabine Herrmann, eine 24 Jahre alte Studentin aus Berlin. "Daran habe ich mich gewöhnt, das macht Sinn." Dass diese Anordnung überall auf der Welt im Trend liegt, hat nicht zuletzt technische Gründe: In der verkleinerten Ansicht fallen die rechts platzierten Abschnitte weg. "Lästig finde ich, wenn ich auf der ersten Seite scrollen muss," fügt Herrmann hinzu. "Manche Seiten lassen Informationen auf einen los nach dem Motto: ,Schau, was Du draus machst.' Das ist nicht sehr einladend", kritisiert sie. "Da hat man den Eindruck, dass die Unis einfach nur ihre Hausaufgaben gemacht haben - und zwar ungern." Text: F.A.Z., 22.03.2008, Nr. 69 / Seite C8Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
|
![]() |
|
© F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008 Dies ist ein Ausdruck aus berufundchance.fazjob.net |